Thema: Stimme im Kopf

Eröffnet am 06.10.2019 um 00:36 Uhr

Kyrasaya 06.10.2019 00:36

Hallo mein name ist Charlotte.
Ich bin 15 Jahre alt und gehe in die 11klasse. Meine Eltern haben sich vor zwei Jahren getrennt und zu meinem Vater habe ich seitdem keinen Kontakt mehr. Von diesen zwei Jahren habe ich ein halbes bei einer Pflegefamilie verbracht. Bin aber wieder zu meiner Mutter zurück gegangen. Was alles auch dazu führte das ich zu drei meiner vier älteren Geschwister keinen Kontakt mehr habe.
Ich habe mich vor längerem mal geritzt und mache es jetzt wieder nur ist der Grund etwas anders. Damals war es eine unbändige Energie die ich nicht kontrollieren konnte. Was zu dem Zeitpunkt an der familiären Situation und dem schulischen Umfeld lag. Mittlerweile hat sich die Situation dahingehend entspannt. Also ist aus meiner sicht kein Grund mehr für ein solches handeln da. In der Zeit in der ich mich nicht geritzt habe hatte ich trotzdem immer wieder Gedanken daran. Auch wenn ich es nicht gemacht habe war es mir nicht fern.
Auf jeden fall war es in den letzten tagen immer wieder der fall das wenn ich gedanken daran hatte ,das in meinem Kopf eine Stimme auftaucht die dann versucht mich zu überzeugen mich zu ritzen .Naja und am wiedersetzten bin ich kläglich gescheitert. Weshalb ich fragen wollte: Kennt ihr das Problem ? Oder habt ihr Tipps was ich tun kann?
Ich hoffe der Beitrag ist nicht kraut und Rüben ,ist das erste mal das ich einen schreibe.
LG Charlotte
Unloved-lady 06.10.2019 01:38

Hallo Charlotte,

ich bin wie du Userin hier und da ich mich ein wenig indem was du geschrieben hast wieder erkannt habe, möchte ich gerne versuchen dir ein wenig zu helfen, wenn das für dich so in Ordnung ist? Wenn ich dir während meiner Nachricht(en) Fragen stelle, dass musst du die nie beantworten, du allein entscheidest was du schreiben möchtest!

Vielleicht erstmal zu dem was mir beim Lesen aufgefallen ist.
Magst du ein bisschen mehr dazu schreiben, weshalb es dazu kam, dass du in ein Pflegefamilie bist und auch warum du dann letztlich wieder zurück zu deiner Mutter bist?
Du schreibst, dass aus deiner Sicht kein Grund besteht, dich zu verletzten. Obwohl ich deine Situation jetzt nur von dem kenne, was du hier geschrieben hast, sehe ich das anders. Selbstverletzung hat einen gewissen Suchtcharakter und wenn wir in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht haben, dass die Selbstverletzung uns hilft mit belastenden Situationen oder wie du geschrieben hast, mit einer ungebändigten Energie umzugehen, bzw sie zu kontrollieren, dann merken wir uns das. Irgendwas scheint ja auch bei dir gerade zu sein, dass den Bedarf des Ritzens in dir hervorruft. Vielleicht merkst du das nicht, aber irgendwie scheinst du trotzdem wahrzunehmen, dass du diese Kontrolle oder Entlastung (oder was auch immer das Ritzen bei dir auslöst) brauchst. Ich will jetzt nicht sagen, dass SVV die Lösung ist, um mit negativen Empfindungen/ Gefühlen etc umzugehen, aber im Moment scheint es für dich die Lösung zu sein. Wenn ich deinen Post richtig interpretiere, dann scheinst du das ja aber auch nicht mehr zu wollen, deshalb suchst du Rat - hier im Forum und das finde ich wirklich sehr Mutig von dir!

Du berichtest von Zeiten, in denen du dich nicht verletzt hast. Es ist wirklich super, dass du es geschafft hast! Wenn du diese Tag, in denen du dich nicht verletzt hast, noch mal Revue passieren lässt, fällt dir auf, was dir da geholfen hat? Vielleicht nimmst du dir da mal einfach Zeit und wenn dir etwas begegnet, dass dir geholfen hat, dann schreibst du es auf. Das kannst du aber auch generell mal machen, du kannst eine Liste/ MindMap... schreiben, mit Tätigkeiten, Gegenständen, Personen etc. die dir gut tun. Ich habe das auch getan und diese Dinge dann auf farbige Zettel geschrieben (eine Sache pro Zettel). Ich Zeig dir das mal anhand von Beispielen, diese können aber sehr individuell sein.
-Auf grünen Zetteln stehen Dinge, die helfen, wenn die Stimme ganz schwach ist (lesen, Musik hören usw.)
-Auf gelben Zetteln stehen Dinge, die helfen, wenn die Stimme schon stärker ist (Sport usw.)
-Auf orangenen Zettel stehen Dinge, die helfen, wenn die Stimme sehr stark ist (intensiev Sport, Chillisalbe usw.)
-Auf roten Zetteln stehen Dinge, die mich davor bewahren sollen, dass ich der Stimme nachgebe, wenn sie sagt, dass ich mich umbringen soll (Notruf: 112, eine Person meines Vertrauens anrufen, Telefonseelsorge: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222)
-dann habe ich noch blaue Zettel, mit Sätzen, die mir gesagt wurden und von wem: "schön, dass du da bist" - meine Babysitterkind)

Was du aber auch versuchen kannst, ist es, die Stimme , in einem Tresor, in deinen Gedanke wegzuschließen und den Tresor dann im Meer zu versenken oder so. Wenn das nichts für dich ist, dann kannst sie vielleicht auch auf einem Blattpapier schreiben und dieses dann verbrennen (aber bitte vorsichtig) oder die Toilette runterspülen. Du signalisierst ihr dann, dass du sie hörst, sie aber gerade nicht erwünscht ist. Das ganze kannst du auch mit belastenden Bildern oder Gefühlen machen.

Liebe Grüße
Lady

Manchmal müssen wir vergessen, um zu überleben.
Kyrasaya 06.10.2019 09:08

Hallo Lady,

Vielen Dank für deine Antwort. Das mit den verschiedenen Zetteln werde ich mal ausprobieren.
Ich kam in die Pflegefamilie weil es mein Wunsch war. Ich wollte von Zuhause weg ,es war mir zuviel. Vielleicht auch der Gedanke daß ich mit meiner Mutter nicht über meine Probleme reden kann. Immer wenn ich es versuche ist da eine Blockade, weshalb ich dann doch nichts sagen. Also habe ich in den letzten Jahren viele Sache mit mir selbst ausgemacht. Ich hatte vorher auch Selbstmordgedanken habe sie aber unter Kontrolle gekriegt. Dazu kam das mein Mutter nichts verheimlicht hat und ich sowohl von Finanzen als auch ihren persönlichen problemen sehr viel wusste.
Ich denke am ende war der Grund eine Kombination von allem.
Ich bin zurück gegangen in dem ich von der Pflegefamilie abgehauen bin. Es war kurz vor Weihnachten und ich hatte mich mal wieder mit der pflegemutter gestritten. Dannach hatte ich einfach ein Gefühl was mir sagte ich solle nach Hause gehen, wie lodernde Flammen der Überzeugung. Relativ lange hab ich mich gewehrt hab aber schließlich nachgegeben. Bin dann auf eigene Faust nach Hause gegangen.
Ich durfte letztendlich bei meiner Mutter bleiben unter der Bedingung ,dass ich eine Therapie mache. Weil ich mich auch in der Zeit wo ich zurück Zuhause war mich wieder geritzt hatte.
Gerade suchen meine Mutter und ich gezwungenermaßen einen Psychotherapeuten. Dazu kam es weil ich einer Lehrerin fünf ehrlich Briefe gegeben habe worin ich ihr einen Einblick in meinen Kopf gewährte. Sie hat dann meine Mutter angerufen und die wenn anders und so weiter.
Ich hoffe ich konnte deine Fragen hinreichend beantworten.
Liebe Grüße
Charlotte
Unloved-lady 06.10.2019 16:46

Hallo Charlotte,

was ich noch vergessen habe, die Zettel kannst du nach innen falten und in eine Box tun. Wenn du gerne Tee trinkst und dir das hilft, dann kannst noch ein paar Teebeutel rein tun, oder Schokolade, einen Anti-Stressball etc. Das nennt man dann Notfallbox/Notfallkoffer.

Wenn dich die Probleme deiner Mutter zu sehr belasten, dann solltest du versuchen diese nicht zu sehr an dich ran zu lassen. Du bist nicht dafür verantwortlich, dass es deiner Mutter gut geht. Du bist das Kind, sie die Erwachsene. Wenn sie mit ihren Problemen nicht zurecht kommt, dann muss sie sich anderweitig Hilfe organisieren. Wenn du mit deinen Problemen nicht zu deiner Mutter kannst, dann brauchst du andere Hilfe, die hast du hier gefunden. Aber auch die Onlineberatung hier, kann keine Hilfe auf Dauer sein. Hast du mal darüber nachgedacht zu einer Beratungsstelle zu gehen? Da kann dir vor Ort besser geholfen werden. Beratungsstellen sind anonym. Du musst da deinen Namen und deine Anschrift nicht nennen. Die Berater dort haben Schweigepflicht, sie werden deiner Mutter nichts sagen. Oder, habt ihr an eurer Schule Schulsozialarbeiter? Die können dir dann auch helfen.
Wenn du dich jetzt zu Hause nicht mehr wohlfühlst, dann kannst du überlegen, ob du nicht vielleicht in ein Betreutes Wohnen ziehst? Da sind auch Sozialarbeiter und mit denen kannst du auch immer reden. Mir hat das sehr geholfen.
Du scheinst nicht sehr begeistert zu sein, eine Therapie machen zu müssen, oder? Was ich sagen, ich war es anfangs auch nicht, aber es kann wirklich helfen.

Liebe Grüße
Lady

Manchmal müssen wir vergessen, um zu überleben.
Kyrasaya 06.10.2019 18:26

Hallo Lady,
Seitdem ich in der Pflegefamilie war hat sich das mit meiner Mutter gebessert. Und sie redet nicht mehr so intensiv mit mir über ihre Probleme.
Wobei ich denke das die Blockade die ich zu ihr habe daran liegt,dass ich ihr nicht noch mehr Probleme machen wollte. Auch wenn ich weiß das es nicht sinnvoll ist es so anzugehen . Schließlich ist sie meine Mutter und ist für mich da wenn ich Probleme habe.
Das ich nicht wirklich lust auf eine Therapie habe kann einfach daran liegen ,dass ich es nicht wirklich gewöhnt bin mit jemandem intensiv über meine Gefühle zu reden. Also ich habe schon über meine Gefühle geredet aber nie habe ich alles erzählt und war es auch nie von langer Dauer. Obwohl ich der Ansicht bin das eine Therapie mich weiter bringen würde.
Nochmal danke für die Idee mit dem Notfallkoffer. Ich werde mich da mal ransetzen.
Liebe Grüße
Charlotte