Thema: Immer Streit mit meiner Mutter

Eröffnet am 17.06.2020 um 22:01 Uhr

Breathe 17.06.2020 22:01

Hallo,

Ich bin Lena und ich bin 18 Jahre alt. Ich weiß langsam nicht mehr weiter. Ich habe in den letzten Monaten sehr viel Streit mit meiner Mutter. Ich hatte eigentlich schon immer viele Meinungsverschiedenheiten mit meiner Mutter und wir haben uns auch schon immer oft gestritten. Aber langsam wird es immer mehr und ich kann das nach 18 Jahren nicht mehr ertragen. Ich weiß nicht was ich tun soll. Es geht in unseren Streits hauptsächlich immer um ein Thema. Meine Mutter ist ein sehr unordentlich Mensch und das Haus ist ein einziges Chaos. Mein Vater leidet da auch sehr drunter. Und jedes mal, wenn man sie darauf anspricht gibt es Streit. Es ist nicht nur ein bisschen Unordnung. Es ist wirklich nicht mehr normal. Das einzige Zimmer in unserem Haus was ordentlich ist und nicht mit dem Chaos von meiner Mutter zugemüllt ist, ist mein Zimmer. Sie hortet auch viele Dinge, die sie nicht mehr braucht und die man auch nicht mehr benutzen kann. Als Beispiel: Sie bewahrt viele Kisten auf von alter Kinderkleidung von mir. Der Keller ist ein Ort in dem man sich verlaufen könnte, da die Kartons mit all möglichem Krempel bis an die Decke hoch gehen. Überall wo man hingeht ist Chaos. Ich kann keine meiner Freunde mal spontan einladen, weil es mir peinlich ist. Anscheinend sieht das meine Mutter aber nicht, denn immer wenn ich oder mein Vater mit ihr darüber reden möchten, wird man von ihr nur noch angeschrien. Sie sagt, dass sie immer viel zu viel zu tun hat und das alles nicht schafft. Aber wenn sie zu Hause ist macht sie den ganzen Tag nichts und nur mein Vater und ich räumen dann auf. Wir waren deswegen auch schon in einer Familientherapie aber das hat nicht geholfen. Auch dort hat nicht kooperiert sondern sich nur gegen uns gestellt. Wir bieten ihr immer wieder unsere Hilfe an aber sie stößt uns nur Weg.

Es gab aber auch oft Streitthemen über mich. Ich war früher sehr schlecht in der Schule und hatte vier verschiedene Nachhilfen, die alle nichts gebracht haben. Als ich dann vom Gymnasium auf die Realschule gewechselt war (ich war damals 15), hatte ich eine sehr schwere Zeit. Meine Noten wurden zwar etwas besser aber ich steckte mitten in der Depression. Auch da gab es viel Streit mit meiner Mutter. Als ich fertig mit der Realschule war, wechselte ich auf ein Berufskolleg und dort hat sich meine Depression erheblich verschlimmert. Mein Vater hat mich viel unterstützt, aber meine Mutter leider nicht. Vor einem Jahr hab ich dann beschlossen in eine Klinik zu gehen und das Berufskolleg abzubrechen, weil ich es nicht mehr aushalten konnte. Als ich das vor meinen Eltern gesagt habe, fing wieder ein großer Streit mit meiner Mutter an, wo sie mich auch sehr verletzt hat. Mein Vater stand währenddessen die ganze Zeit hinter mir. Er hat mir mit der Klinik geholfen. Ich war für drei Monate in einer Tagesklinik und mir ging es dort viel besser. Danach bekam ich eine Therapeutin, bei der ich jetzt seit 6 Monaten bin. Die Therapie ist tiefenpsychologisch und wir reden unter anderem viel über meine Mutter und das Vergangene. Sie hatte erwähnt, dass ich ausziehen kann und "Hilfe für junge Volljährige" beim Jugendamt beantragen kann, wenn mich das Streiten mit meiner Mutter so sehr belastet. Nach einem heutigen, sehr schlimmen Streit, überlege ich tatsächlich dies zu tun. Ich kann das langsam nicht mehr ertragen. Mein Vater hatte mir auch mal gesagt, wenn ich unter dem Chaos meiner Mutter und dem ständigem streiten so sehr leide, dass wir zusammen ausziehen könnten. Allerdings wollte ich das damals nicht, weil ich meine Mutter ja immer noch liebe und sie dennoch nicht verlassen wollte.

Nach dem heutigen Streit hat meine Mutter wieder sehr verletzende Dinge gesagt, ich allerdings auch zu ihr. Dieser Streit war wirklich heftig. Ich denke das war der schlimmste Streit den wir je hatten. Ich werde anscheinend meine Mutter nie wirklich verstehen. Bin ich ihr so egal? Ich weiß nicht was ich noch tun soll. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr länger so weiter leben kann. Ich frage mich, ob ich ausziehen soll und alleine leben soll oder ob ich mit meinem Vater ausziehen soll. Dann wäre meine Mutter aber völlig alleine. Oder soll ich einfach das alles noch so lange mit machen, bis ich eine Ausbildung oder einen festen Job habe und mir selber eine Wohnung leisten kann. Dies würde aber mindestens noch drei Jahre dauern, da ich nächstes Schuljahr wieder zur Schule gehe. Ich werde darüber auch nochmal mit meiner Therapeutin reden. Allerdings sehe ich sie erst nächsten Dienstag wieder und ich muss einfach jetzt schon mit jemandem darüber reden/schreiben. Habt ihr einen Rat für mich?

Liebe Grüße,
Lena

P.S.: Sorry das mein Text solange ist :'D
Irina Teamer(-in) 19.06.2020 10:37

Hallo Lena,
ich heiße Irina und bin Beraterin hier bei Beratung4kids. Zuerst möchte ich dir sagen, ich finde es toll, dass du dir Unterstützung suchst. Du bist derzeit in einer schwierigen Situation und es kann immer hilfreich sein sich Rat von anderen Personen zu holen.
Um es nochmal zusammenzufassen: In deiner Situation geht es hauptsächlich um die Beziehung mit deiner Mutter, an der du sehr leidest. Du hattest schon erwähnt dich öfters mit ihr zu streiten. Wie lange besteht schon genau dieses schwierige Verhalten miteinander? Ein häufiger Streitgrund ist das Chaos im Haus, das von deiner Mutter ausgeht. Wie ich das verstanden habe, fühlt sich deine Mutter mit ihren Aufgaben im Haushalt überfordert. Habt ihr bereits mit deiner Mutter persönlich über ihre Sorgen geredet und was ihr helfen könnte? Du meintest eure Versuche enden immer in einem Streit, aber vielleicht findet ihr eine ruhigere Lösung, wenn ihr mehr auf deine Mutter eingeht als auf das eigentliche Problem. Ihr möchtet schließlich nichts böses und wollt nur das Beste für sie.
Eine Familientherapie ist immer ein guter Weg sich Hilfe aufzusuchen, wenn alles andere nicht mehr funktioniert. Doch man muss bedenken viele Menschen fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt und möchten gar nicht kooperieren. Das scheint auch der Fall bei deiner Mutter zu sein.

Ein weiterer belastender Punkt ist die Depression, die du hier schilderst. Es kostet oft sehr viel Mut und Kraft sich Unterstützung zu suchen, deshalb finde es toll, dass du den Schritt gewagt hast! Die Therapie ist ein sicherer Platz über deine Sorgen, Gefühle und Ängste zu reden. Wie du beschreibst kannst du dich gut drauf einlassen und dich deiner Therapeutin öffnen. Das ist schon ein Erfolg, den du gerne annehmen darfst :)
Ich finde es gut, dass ihr bereits über Lösungswege geredet habt und dich dein Vater in all deinen Entscheidungen unterstützt. Es ist schön zu wissen, dass man jemand hat, der hinter dir steht und immer für dich da ist :)
Entscheidungen sind ein großer Teil in einem Leben. Man wird immer wieder an Punkte kommen, die man ganz einfach und dann wieder sehr schwer treffen kann. Wichtig ist es hier, dass du weißt du bist nicht allein und du kannst deinen Gefühlen vertrauen. Dein Wohlbefinden ist genauso wichtig, wie das deiner Mutter und deines Vaters. Nimm dir ruhig genug Zeit um auf dich zu hören.

Wenn du weitere Anliegen oder Fragen hast, kannst du dich gerne melden. Ich würde mich freuen wieder von dir zu hören :)

P.S.: ich lese gerne lange Texte :)

Liebe Grüße,
Irina

Zuletzt editiert am: 19.06.2020 10:39, von: Irina


Irina
Teamerin
Beratung4Kids