Thema: Zu viel und zu wenig Essen

Eröffnet am 21.06.2018 um 07:13 Uhr

Glitzerschneeflocke 21.06.2018 07:13

Hallo, also ich trau mich jetzt einfach es hier mal zu schreiben. Wenn ich was falsches schreibe, tut es mir leid. Ich habe seit 2 Jahren glaube ich immer wieder Pahsen in denen ich sehe wenig bis gar nichts esse. Am Anfang wollte ich, dass es dir Leute in mich rum merken damit sie wissen, dass es mir schlecht geht. Mittlerweile ist es nurnoch unglaublich anstrengend, weil ich weiß das nichts essen auch zum SVV gehört und ich eigentlich nichts mehr damit zu tun haben will. Weil ich auch versuche mich nicht mehr zu schneiden oder irgendwas anderes in die Richtung zu tun. Diese Phase ist jetzt so schlimm, dass ich angefangen habe Kalorien zu zählen und Essen wegzuwerfen bzw. Alle sehr extrem anzulügen. Manchmal ist mir so schlecht, dass ich einfach alles wieder ausspucken möchte. Dazwischen gibt es dann aber auch das andere extrem wo ich einfach unglaublich viel Esse, um nichts anderes neh zu spüren und im den Schmerz wegzuessen oder so. Ich fühl mich so blöd das jetzt alles so zu schreiben und darüber zu reden. Ich weiß nicht mal ob es eine Essstörung ist, aber ich verliere auch kein Gewicht, bzw. Nehm ich durch das viele essen und die Phasen dazwischen immer wieder zu.
Esther 22.06.2018 13:49

Liebe Glitzerschneeflocke,

erst einmal herzlich Willkommen bei B4K. Schön, dass du zu uns gefunden hast! Mein Name ist Esther, ich bin Teamerin hier und mag versuchen, dich ein wenig zu unterstützen.
Ganz wichtig zu Anfang ist: Du kannst nichts Falsches schreiben. Es ist das, was dich beschäftigt, etwas, das dich belastet, es sind deine Gefühle. Das alles ist niemals falsch und diese Plattform ist dafür gedacht, dass du all das loswerden kannst und vielleicht ein bisschen Hilfe erfahren kannst. Du darfst also alles schreiben, was dir durch den Kopf geht oder wonach dir ist, dass du es schreiben magst!
Es ist sehr mutig von dir, dass du uns von deinem Anliegen erzählst und ich finde es super, dass du den ersten Schritt damit getan hast, damit es dir besser gehen kann. :)

Zuerst einmal zusammenfassend: Du isst jetzt zwei Jahren phasenweise immer wieder sehr wenig bis gar nichts, hast aber auch immer wieder Zeiten, in denen du quasi das Essen in dich hineinschlingst. Eine Weile hast du dich bewusst selbst verletzt, das aber schon seit geraumer Zeit nicht mehr getan. Deine Gründe waren ursprünglich vor allem, dass du wolltest, dass dein Umfeld merkt, wie schlecht es dir geht, aber mit der Zeit hat sich das alles verselbstständigt - habe ich das alles richtig verstanden?

Ich möchte dir unbedingt sagen, dass du sehr stolz auf dich sein kannst, dass du dich nicht mehr bewusst selbst verletzt. Das ist nicht einfach, damit aufzuhören, und das zeigt ganz deutlich, dass du sehr viel innere Stärke besitzt! Wie geht es dir denn damit? Wie fühlt es sich für dich an, das nicht mehr machen zu müssen? Und vor allem - was hat dir geholfen, dass du es nicht mehr getan hast?

Bezüglich deines Essverhaltens mag ich dir erst einmal ein wenig "Biologisches" sagen. Wenn du tagelang nichts oder nur sehr wenig isst, ist es ein normaler körperlicher Prozess, dass dir schlecht wird, wenn du dann wieder etwas zu dir nimmst. Der Magen rebelliert, dein ganzer Verdauungsapperat ist es einfach nicht mehr gewohnt, plötzlich eine normale Menge Essen zu bekommen. Das kann also durchaus mit daran liegen. Auch deine Fressattacken, von denen du berichtest, können damit zusammenhängen. Dein Körper schaltet auf "Hungerzeit", wenn er nichts bekommt. Das bedeutet, er registriert sehr schnell, dass er weniger Energie (die du durch das Essen zu dir nimmst) bekommt. Er braucht diese aber, um sich selbst am Leben zu halten - für dein Herz, deine Nieren, deine Lunge, dein Gehirn - quasi für alle Organe. Er versucht also, so viel Energie wie möglich zu sparen und nimmt sich das, was er durch das Essen nicht bekommt, aus den "Reserven" - aus Fettzellen und gegebenenfalls auch den Muskeln. Gibt es aber dann wieder Essen, verlangt er nach so viel wie möglich, um diese Reserven wieder aufzufüllen. Er erinnert sich sehr gut an die Hungerzeit und will vorsorgen für das nächste Mal, damit wieder genug da ist, falls zu wenig Energie von außen hinzugeführt wird. Dadurch entstehen dann Fressattacken. Kannst du das nachvollziehen?
Darf ich genauer nachfragen, wie viel und was du isst, wenn du wenig isst und wie viel und was, wenn du eine Phase hast, in der du sehr viel isst?

Das nur mal so zur Einführung, damit du vielleicht deinen Körper etwas besser verstehst :)
Fakt ist ja nunmal aber, dass du ja nichts oder sehr viel isst, weil du vor allem einen inneren Schmerz verspürst. Was ist das für ein Schmerz? Wo kommt er her? Was macht er mit dir? Kannst du beschreiben, wie er sich anfühlt? In welchen Momenten ist er besonders schlimm?
Du musst auf all das keine genauen, tollen Antworten wissen. Es soll einfach nur dazu dienen, dass du dir diesen Schmerz mal genauer anschaust, vielleicht finden wir ja gemeinsam ein wenig über ihn heraus.

Du sagst, dass du "eigentlich" mit Selbstverletzung nichts mehr zu tun haben willst und interpretierst dein Essverhalten auch als ein Solches. Gleichzeitig berichtest du, dass du das SVV in einer anderen Form aufgegeben hast. Ich hab dir ja weiter oben schon gesagt, dass du da sehr stolz auf dich sein kannst! Und auch, wenn es mit dem Essen noch schwierig ist derzeit, du hast etwas geschafft, bewältigt, was sicher sehr schwer war. Und vielleicht kannst du daraus ja auch für deine Gefühle bezüglich des Essens etwas lernen. Hast du schon einmal etwas von Skills gehört oder sogar verwendet?

Du erzählst, dass du mittlerweile oft lügst und Essen wegwirfst. Welches Gefühl ist damit verbunden? Wie geht es dir in dem Moment, wenn du jemanden anlügen musst?
Mir kam die Frage auf, ob du irgendjemanden hast, dem du vertraust und bei dem du dir vorstellen könntest, dich zu öffnen. Quasi einen Mitstreiter, der dich nicht drängt oder verurteilt, sondern der einfach nur für dich da ist. Vielleicht eine Freundin? Ein Geschwister? Ein Elternteil? Ein Lehrer? Könntest du dir das vorstellen?

Du musst mir natürlich nicht auf alle Fragen antworten, nur auf das, auf das du auch antworten magst. Fühl dich nicht gedrängt!
Ich freue mich, wieder von dir zu hören!

Lieben Gruß,

Esther

Esther
Teamerin
Beratung4Kids
Glitzerschneeflocke 22.06.2018 15:49

Vielen Danke für deine Antowort, Esther.
Das sind tatsächlich viele viele Fragen und ich habe es immer etwas schwer mit langen Texten und gute Anworten zu schreiben.aber ich versuche einfach so viel wie es halt geht.
Ja ich glaube deine Zusammenfassung stimmt. Also das mit dem svv war Nicht wirklich absichtlich nur so, ich weiß nicht warum ich damit angefangen habe, aber es war nur paar mal (zu viel). Das mit dem Essen habe ich zunächst mit Absicht gemacht, um es zu zeigen, aber auch weil ich mich unwohl gefühlt habe.
Es ist tatsächlich so dass mir sehr oft schlecht ist, auch wenn ich normal esse wird mir vom Essen schlecht oder ich bekomme Baichkrämpfe oder so. Das Problem ist ich weiß, wie ungesund das alles ist und wenn es um andere geht bin ich immer diejenige, die schaut dass alle genug essen, aber bei mir funktioniert es nicht so.
Das ich mich nicht mehr selber verletzte liegt vorallem daran, dass ich versuchen möchte so normal zu sein wie möglich und ich nicht in Gesprächen oder so erklären möchte, dass ich mich selber verletzte. Ich will nicht immer nur auf das Runtergestuft werden und auch nicht das sich andere sorgen machen. Es ist schlimm genug gegen die Suidzidgedanken nichts tun zu können in dadurch in Blöde Situationen zu geraten. Aber der Drang sich zu schneiden und die Schmerzen zu betäuben ist immer da und es ist in manchen Momenten unglaublich schwer, weshalb ich nicht weiß wie lange ich das noch durchhalte. Wozu es mir immer schlechter geht.
Wenn ich nichts esse oder wenig, dann werde ich meistens Abends zum Essen gezwungen und wenn ich nicht Drumherum komme, dann ess ich das was auf dem Teller landet. Aber so wenig wie möglich. Wobei dann wieder so Momente kommen wo ich viel Esse und dann oft das was gerade da ist. Schokolade und Eis geht (immer,), vorallem weil man da nicht kauen muss.es klingt richtig dumm bestimmt. Und dann fang ich an die Kalorien zu zählen, und ich Ekel mich vor normalen Gekochten essen, momentan. Salat und so leichte Sachen gehen oder wo ich genau weiß was drin ist, also so ist es im Moment. Weil es mir wichtig war die Woche zu funktionieren und ich mich zum Essen gezwungen habe, aber das funktioniert nicht immer.
Das mit dem Schmerz, Hmm. Ich weiß nicht, oft sind es Flashbacks, Momente in denen Ich überfordert bin oder irgendwas passiert was mich zusätzlich belastet. Oder wenn ich einfach zu viel Nachdenke, dann ist es entweder das eine oder andere Extrem. Vorallem unter Leuten esse ich dann nichts und wenn ich aber alle bin ist es oft, das ich viel Esse. Ich kann mit niemandem darüber reden, es klingt einfach so blöd und sie sind alle mit anderen Dingen beschäftigt. Ich bin eh so ein "Problemkind" deswegen kann ich nicht auch noch wegen meinen Essverhalten auffallen. Wo ich schon Depressiv bin, Suizidgedanken habe und so. Ich belaste die Leute schon genug. Und sie würden es nicht verstehen. Es ist schrecklich kompliziert das alles, ich verstehe es selbst nicht einmal. Und ich fühle mich dann furchtbar schlecht, die Leute anzulügen oder auch wenn sie denken, dass ich gar nichts esse und ich aber wieder solche heimlichen "Fressattacken" hatte. Von denen kann ich nicht erzählen... oder wenn ich essen wegwerfe.
Ich glaube ich habe das meiste irgendwie beantwortet oder? Ich hoffe man versteht irgendwas, denn ich schreibe glaube ich sehe verwirrend und kompliziert...
Esther 24.06.2018 08:35

Liebe Glitzerschneeflocke,

Wie geht es dir heute?
Zuerst einmal möchte ich dir danken für deine ausführliche Antwort! Du brauchst dir keinerlei Gedanken machen, ob deine Antwort „gut“ oder „verwirrend“ oder „kompliziert“ ist. Ich finde es super, dass du dich dem Thema stellst und du darfst genau so schreiben, wie es dir in den Sinn kommt. Im Übrigen finde ich deine Worte gar nicht verwirrend, sondern sehr gut nachvollziehbar.

Du beschreibst, dass du durchaus Drang zur Selbstverletzung hast, aber es nicht tust, weil du „so normal wie möglich“ sein und dich nicht rechtfertigen müssen möchtest. Wenn jetzt aber so ein Moment da ist, dass du das Gefühl hast, du würdest grad so gern – was tust du dann, damit der Gedanke daran wieder verschwindet? Ganz praktisch? Was tut dir in dem Moment gut?

Ich danke dir sehr, dass du mir ein wenig genauer berichtest hast, wie sich dein Essverhalten konkrekt äußert. Mir ist bewusst, dass sich das nicht „mal eben so“ wieder ändern lässt. Aber wenn du möchtest, nur, wenn du das möchtest, können wir vielleicht gemeinsam mal hinschauen, an welchen Stellen wir etwas verändern können, damit dein Körper die Nährstoffe bekommt, die er braucht. Hab bitte keine Angst, es geht auf gar keinen Fall darum, dich zum Essen zu zwingen oder Lebensmittel zu dir zu nehmen, die dir panische Angst machen. Sondern darum, gemeinsam zu überlegen, welche kleinen Schritten du ausprobieren könntest.

Aber das ist ja nur die eine Seite, die, in der sich dein eigentliches Gefühl zeigt. Ich möchte dir unbedingt sagen, dass du wichtig bist. Deine Gefühle sind wichtig, deine Gedanken sind wichtig, deine Depressionen sind wichtig. Hast du den Eindruck, „Schuld“ zu sein daran, dass es dir geht, wie es dir geht?
Ich lese aus deinen Zeilen einen enormen Wunsch, einfach nicht aufzufallen und „normal“ zu sein, dass du niemanden belasten und dich am liebsten verstecken möchtest. Aber das brauchst du alles gar nicht. Du bist du und das ist gut so! Was ist denn für dich „normal“? Wie wärst du gern?

Ich verstehe, dass es sehr schwer ist, sich jemandem anzuvertrauen. Aber sieh es mal so: Es ist nicht so, dass du es gar nicht schaffst und kannst, du schreibst hier mit mir, das heißt, du hast den ersten Schritt, dich jemandem zu öffnen getan. Darauf kannst du sehr stolz sein!

Ich hoffe, du hast einen schönen Sonntag!

LG, Esther

Esther
Teamerin
Beratung4Kids
Glitzerschneeflocke 26.06.2018 10:55

Liebe Esther,
Es geht heute so, Ich hatte/habe Migräne und konnte gar nichts machen am Wochenende.
Wenn ich Solche Gedanken habe, kann ich nicht so viel machen. Aber ich versuche einfach nichts zu tun, also nicht aufzustehen und irgendwas zu machen. Meistens ist es abends oder wenn es mir so schlecht geht das mich sogar aufstehen viel Kraft kostest. Oder ich versuche rauszugehen, aus dem Zimmer und zu den anderen. Es wirkt zumindest für kurze Zeit als Ablenkung. Staut sich aber weiter an dann.
Ich würde sehr gerne was verändern. Vorallem habe ich in den nächsten 5 Wochen richtig viele Treffen, Ereignisse usw. Mit verschieden Menschen, bei denen ich auf jeden Fall essen muss. Und das meiste sind Feste, dass heißt es gibt nicht wirklich gesunde Sachen und Sachen die ich essen könnte.ich habe so Angst davor, oder dass ich zu viel Esse und danach wieder extrem jüngere oder so. Ich leide jetzt schon bzw. Mein Körper, ich kann kaum Treppen laufen und Mit ist immer kalt.
Im Moment habe ich Zahnschmerzen, dann habe ich für das meiste Essen eine Ausrede und weil ich krank bin , kochen sie auch immer irgendwas was ich essen kann. Aber das werden sie nicht immer machen. Sie wollen dass ich das esse, was gekocht wird und es ist so…
Nein ich glaube nicht wirklich das ich schuld bin, dass ich krank bin. Ich bin nur dafür verantwortlich was ich tue und was nicht. Und ich will mein Körper nicht kaputt machen und vorallem niemanden belasten. Ich weiß, dass meine Betreuerinnen sich oft über mein Essverhalten unterhalten. Sie sehen mich aber nur wenn ich nichts esse, sie wissen nicht dass es diese „Fressattacken“ gibt. Und ich kann es ihnen nicht sagen. Deswegen machen sie sich noch mehr sorgen, dass ich gar nichts esse. Normal ist relativ, aber einfach so, dass ich leben kann ohne jeden Morgen meine letzten Kräfte zusammenzukratzen und mich den ganzen Tag zusammenzureißen nicht zu heulen, mir irgendwas anzutun oder so und normal zu essen. Und dass mein größtes Problem ist, welche Noten ich habe und Welche Leute ich süß finde oder so. Nicht mal unbedingt so; aber halt so das Leben einer normalen 14 Jährigen.
Danke für deine Antworten und deine Zeit
Esther 27.06.2018 18:42

Liebe Glitzerschneeflocke,

ich schaffe es heute leider nicht mehr, dir richtig zu antworten. Ich hoffe aber sehr, dass es dir zumindest körperlich heute etwas besser geht und deine Migräne wieder weg ist!
Ich melde mich dann morgen ausführlich. Versprochen!

Lieben Gruß
Esther

Esther
Teamerin
Beratung4Kids
Esther 28.06.2018 20:29

Liebe Glitzerschneeflocke,

erst einmal entschuldige bitte, dass ich mich nicht so schnell wieder bei dir melden konnte. Aber ich wollte auch nicht so zwischen Tür und Angel schreiben :)
Wie geht es dir mittlerweile? Was macht deine Migräne? Solche Kopfschmerzen sind wirklich furchtbar. Ich finde es gut, dass du da dann für dich sorgst und dich schonst.

Darf ich dich fragen, wie du lebst/wohnst? Wer sind „die anderen“? Du schreibst z.B. von deinen Betreuerinnen, das lässt mich vermuten, dass du in einer WG oder ähnliches lebst?

Was sind denn das für Feste/Treffen, auf die du gehen wirst? Freust du dich darauf, wenn mal vom Essen absiehst? Oder sind das eher so „Pflichtveranstaltungen“? Vielleicht magst du mir ein wenig darüber erzählen und dann können wir gemeinsam schauen, wie du das hinbekommen kannst. Es ist ganz klar, dass solche Ereignisse eine ganz besondere Herausforderung darstellen.

Ich bin erleichtert zu lesen, dass ich das falsch verstanden habe und du dir nicht die Schuld an deiner Erkrankung gibst. Und ein stückweit hast du Recht: Du bist für dein Tun und Handeln selbst verantwortlich. Aber: Es ist eine Krankheit. Auch die Tatsache, dass du nicht oder nur zu viel essen kannst, dass es dir sehr schlecht geht an manchen Tagen oder dass du den Drang hast, dir wehzutun, gehört zu deiner Krankheit. Für die kannst du nichts. Kannst du akzeptieren, dass es so ist? Also wirklich als Krankheit annehmen?
Kranksein bedeutet nicht, Opfer zu sein und handlungsunfähig zu sein. Ich meine, wenn man sich eine Grippe einfängt, kann man nichts dafür, aber wenn man nicht zum Arzt geht und sich Hilfe holt, kann es auch in einer Lungenentzündung enden. Sich selbst sagen, dass das Fieber jetzt einfach weg sein soll, funktioniert nicht. Und das ist bei dieser Art Erkrankung ja genauso. Du hast es in der Hand, dich zu bewegen, aber dennoch kannst du es ja nicht einfach weg reden und sagen, ich halt meinen Mund, weil ich einfach „normal“ sein will.
Aber genau das – also das bewegen und handeln - tust du ja und da kannst du sehr stolz sein. Du kämpfst und versuchst, gesund zu werden, auch, wenn es schwer fällt. Allein schon, dass du hier mit mir schreibst und mir so viel Offenheit entgegenbringst, ist extrem mutig. Dafür möchte ich dir unbedingt danken!

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es nicht einfach ist, mit deinen Betreuern zu reden.
Es ist ja so – du schreibst, dass du weißt, dass sie sich über dein Essverhalten unterhalten. Und gleichzeitig, dass sie dich aber ja nur sehen, wenn du nichts isst. Fakt ist also, sie wissen bereits etwas, aber was sie wissen, ist nicht das, wie du es für dich empfindest. Was glaubst du denn, was passiert, wenn du es ihnen sagst? Was fühlst du, wenn du dir vorstellst, dass sie es wissen könnten?

Ich finde übrigens deine Vorstellung von „normal sein“ gar nicht so abwegig, sondern ziemlich realistisch. Es ist ein Ziel, das du auch erreichen kannst – nicht von heute auf morgen vielleicht, aber in ganz kleinen Schritten.

Jetzt ist meine Antwort wieder so lang geworden, das tut mir Leid. Ich versuche mich beim nächsten Mal wieder kürzer zu halten. Aber ich habe noch eine Kleinigkeit, bevor ich mich verabschiede.

Gibt es Dinge an dir, die du richtig gut findest? Und magst du mir davon erzählen?

Du weißt ja, du musst nicht auf alles antworten. Nur das, was du beantworten möchtest oder was DIR wichtig erscheint. Okay?

Ich wünsch dir alles Liebe und bis bald!

LG
Esther

Esther
Teamerin
Beratung4Kids
Glitzerschneeflocke 29.06.2018 13:20

Liebe Esther, 


Bevor es irgendwo in meinem Text untergeht, wollte ich mich bei Dir bedanken! Weil du schließlich diejenige bist, die mir versucht zu helfen und sich das alles anhört. 

Also meine Kopfschmerzen sind besser, aber ich bin diese Woche ziemlich gestresst und etwas überfordert mit allem. Ja ich wohne in einer Mädchen WG. Und meine Betreuerin geht heute für 3 Wochen in den Urlaub. Aber ich habe niemanden außer ihr, mit dem ich wirklich reden kann, oder der halt so da ist wie sie. Ich habe Angst, dass ich es alleine nicht schaffe. Vorallem haben sich gestern zwei neue Mädchen, die WG angeschaut. Ich will nicht, dass jemand neues einzieht. Ich habe Angst vor neuen Menschen und es sind schon sehr viele gekommen und gegangen in den 3 Jahren. Ich bin die, die am längsten dort Wohnt... (ich weiß gar nicht ob ich hier darüber schreiben darf, vielleicht braucht es ein eigenes Thema oder so?) 

Also eigentlich sind das meiste Pflicht Veranstaltungen, wo ich noch nicht so genau weiß, ob es Spaß machen wird. Mein Bruder hat Geburtstag, Grillen mit der Schule 2 mal. Pizza Essen von den streitschlichtern und Abschlussfeier von meiner mitbewohnerin. 

Es ist sehr unterschiedlich. So an sich kann ich es schon akzeptieren, dass ich krank bin. Aber es ist schwer damit umzugehen, vor allem wenn ich vor anderen Leuten bin und es wissen nicht so viele davon. Auch meine Eltern nicht so wirklich. Dagegen zu kämpfen ist schwer. 

Meine Betreuer nehmen mich nicht mal ernst und glauben mir auch nicht, dass ich esse wenn ich es nicht vor ihren Augen tue. Ich muss jeden Tag unglaublich lange Diskussionen führen. Auch mit meinen Mitbewohnerinen, es geht gerade immer nur darum und sie werfen es mir vor und glauben nicht dass ich esse. Obwohl ich es gerade ganz gut hinkriege, es zu kontrollieren und mehrmals am Tag zu essen. Ich will nicht mal mehr dort sein, weil sie es mir vorwerfen und die eine egal wie es mir geht, immer sagt, dass es mir schlecht geht. Sie ist Borderlinerin und meint es glaube ich auch nur gut. Aber sie übertreiben alle, und ich habe es auch gesagt. 

Deswegen fühl ich mich nicht wirklich ernst genommen und ich schäme mich auch irgendwie dafür ich weiß gar nicht was ich sagen sollte. Es ist schon so lange so. Und manchmal finde ich mein Verhalten nicht so schlimm, weil es besser ist als die ganze Zeit mir Bauchkrämpfen und so... 

Ich hoffe sehr, dass ich "normal" sein kann irgendwann. 

Ich weiß nicht, was mag ich denn an mir. Nicht so viel. Also es kommt immer auf die Phase an. Es gibt Zeiten, da bin ich sehr motiviert und mag mich und dann wieder nicht  ich habe starke stimmungsschwankungen. Aber ich kann ja nicht über alles hier schreiben. 

Aber dannnnnkkkkeeeschön! 


Glitzerschneeflocke 
Esther 01.07.2018 08:57

Liebe Glitzerschneeflocke,

erst einmal vielen Dank für deine lieben Worte! Du brauchst dir auch keine Gedanken machen, ob du hier etwas schreiben "darfst" oder nicht. Weißt du, meist gibt es nicht "das eine Problem", sondern alles hängt irgendwie miteinander zusammen. Wir können also über alles sprechen, was dich belastet oder worüber du dir Gedanken machst, okay? Und wir verlieren ja dennoch nicht aus den Augen, dass wir hinschauen, weswegen das Thema Essen so schwierig für dich ist und wie du es schaffen kannst, da etwas zu verändern.

Schön, dass es dir etwas besser geht! Kannst du dieses Wochenende etwas mehr genießen? Gibt es Dinge, die du gern machst, wenn das Wetter so schön ist?

Ich kann mir vorstellen, dass es super schwer ist, das Kommen und Gehen deiner Mitbewohnerinnen zu sehen. Immer wieder muss man sich auf neue Menschen einstellen und es ist schwer, wirklich zur Ruhe zu kommen. Wie oft passiert das denn, dass so ein Wechsel stattfindet? Du beschreibst, dass auch der Umgang mit den aktuellen Mitbewohnerinnen schwierig ist. Gibt es denn irgendjemanden von den anderen Mädchen, mit der du dich gut verstehst? Eine Freundin?

Dass gerade jetzt deine Betreuerin in den Urlaub geht, ist natürlich blöd. Vor allem, wenn du sowieso das Gefühl hast, nicht ernst genommen zu werden und dann auch noch so viele schwierige Veranstaltungen stattfinden. Aber da schauen wir gleich nochmal genauer hin.

Du schreibst, dass es jeden Tag immer wieder endlose Diskussionen gibt mit deinen Betreuern wegen des Essens. Ich weiß, dass du viel Angst hast, da das Gespräch zu suchen. Das verstehe ich auch sehr gut. Es ist nicht einfach, vor allem, wenn man immer wieder das Gefühl bekommt, dass es sowieso nichts bringt und man nicht ernst genommen wird. Ich hab allerdings den Eindruck, dass es vielleicht gar nicht schlecht wäre. Es muss nicht einmal darum gehen, mehr zu sagen, als deine Betreuer bisher wissen oder annehmen zu wissen. Nur stell ich mir das als ziemlichen Kraftakt vor, wenn du wirklich JEDEN TAG diskutieren musst.
Vielleicht ist es ja möglich, dass du mit deiner Betreuerin (wenn sie wieder da ist) mal einen richtigen Gesprächstermin vereinbarst, nicht nur so zwischen Tür und Angel. Das Problem ist ja, dass deine Betreuer sich Sorgen um dich machen und genau deswegen gibt es die Diskussionen. Nicht, weil sie dir Böses wollen. Und vielleicht könnt ihr ja so Absprachen miteinander treffen, die für euch beide in Ordnung sind. Eine Art Vertrag über das Essen - verstehst du, was ich meine? Das bedeutet nicht, dass du ihr dein ganzes Herz ausschütten musst. Denn das, was ihr dann besprecht, wie ihr diesen Diskussionen ein Ende setzen könnt, ist ja alles bereits bekannt. Könntest du dir das vorstellen?

Jetzt aber nochmal zu deinen Ereignissen - der Geburtstag und das Grillen usw. Werden denn da Menschen dabei sein, die du magst?
Mit dem Essen ist natürlich schwierig. Du hast gesagt, dass es vor allem problematisch ist, Dinge zu essen, die gekocht sind, weil du nicht genau weißt, was dort drin ist, und du Kalorien zählst. Wie hoch dürfen Kalorien für dich sein, dass ein Lebensmittel für dich "okay" ist?
Das Problem ist, völlig umgehen, dass du nur noch isst, wo du ganz exakt weißt, was das ist, das ist kaum möglich. Nicht nur jetzt bei den Veranstaltungen, sondern auch langfristig.
Ganz konkret aber dazu: Es ist okay, wenn du den Kartoffelsalat mit Mayonaise nicht essen kannst. Das musst du auch nicht. Aber vielleicht gibt es eine Alternative - vielleicht gibt es ja auch einen grünen Salat? Es ist genauso okay, wenn du nicht unbedingt das dicke Steak essen möchtest. Vielleicht gibt es ja aber auch Grillgemüse, Spieße oder Hähnchenfleisch. Du musst auch nicht drei Teller voll essen, zumal du ja auch Angst hast, dass du dann in einen "Fressanfall" rutschst und gar nicht mehr aufhören kannst. Vielleicht kannst du dir eine konkrete Menge vornehmen - z.B. ein Stück Fleisch und einen großen Löffel Salat dazu. Und dann versuchst du, dich daran zu halten - nicht weniger, aber eben auch nicht mehr!
Bei der Pizza ähnlich. Es müssen keine 10 Stücke sein, sondern vielleicht zwei - und dann wieder nicht weniger, aber auch nicht mehr. Glaubst du, das könnte für dich in Ordnung sein? Du darfst mir auch gern jederzeit berichten, wie es gelaufen ist und wir reden dann noch einmal drüber, wie es dir ging und wie es geklappt hat.

Zuletzt noch zu den Dingen, die du an dir magst: Ich kann das sehr gut verstehen - wenn es einem gut geht, ist es natürlich viel leichter zu sagen, hey, das find ich eigentlich gut an mir! Und wenn es einem schlecht geht, fällt einem nichts mehr ein. Darf ich dir eine kleine Aufgabe geben für die nächste Woche?
Schreib dir jeden Tag mindestens eine Sache auf, die dir im Laufe des Tages aufgefallen ist, was du gut an dir findest. Das kann eine Eigenschaft sein, etwas, was du gut kannst oder dir an deinem Körper gefällt, oder auch auch Situation, wo du denkst, das hast du gut hinbekommen oder gut reagiert oder so etwas. Würdest du das versuchen?

Ich wünsche dir auf jeden Fall ein schönes restliches Wochenende und morgen einen kraftvollen Start in die nächste Woche!

LG, Esther

Esther
Teamerin
Beratung4Kids
Glitzerschneeflocke 02.07.2018 10:02

Liebe Esther, 


Ok, ja ich wusste nicht so genau wie es hier so ist und wo man was Schreiben kann/darf und so. 

Mein Wochenende war sehr stressig und hat mir den Letzte  Nerv geraubt. Ich könnte nicht einmal in die Schule heute, mir fehlt die Kraft dazu. 

Die Wechsel gibt es sehr oft, weil auch oft ältere einziehen, die dann relativ schnell wieder ausziehen und oft ist es so, dass es so wie jetzt ist und fast alle auf einmal wechseln. Voraussichtlich ziehen noch zwei aus und dann sind es 4 neue. Die Mitarbeiterinnen wechseln aus ständig, wobei da gerade wieder etwas Ruhe ist. Ich verstehe mich um Moment eigentlich mit allen relativ gut. Und sie sind meine einzigen Freunde. Wenn man es so nennen kann. Nur ist es gerade kompliziert. Meine beste Freundin ist halt auch so, dass sie mir die ganze Zeit das mit dem Essen vorhält. Aber sie findet sich selber zu dick und isst deswegen voll oft auch nicht. Am Freitag war es voll schlimm. Weil meine Betreuerin in den Urlaub gegangen ist und dann war ich halt dem Entsprechend gelaunt. Und die Zwei Mädchen haben mich aufgezogen damit, und die ganze Zeit gesagt, dass sie ja in drei Wochen wiederkommt und es nicht so schlimm ist. Ich habe gesagt sie sollen mich einfach lassen, weil sie mir damit nicht helfen wenn sie sich lustig machen. Dann haben sie gesagt ich esse nie und keine Ahnung. Dann bin ich einfach gegangen... 


Ich habe oft gesprochen mit den Betreuerinnen und ich hatte mit meiner Betreuerin hatte ich letztes Mal die Absprache, dass ich Mindestens einmal am Tag normal essen muss. Aber ich esse doch, sie sehen es halt nicht immer. Und gerade habe ich wirklich Probleme mit meinen Zähnen und kann wirklich fast nichts kauen, nicht mal das glauben sie mir. Und es ist nicht fair, weil würde ich lügen wollen, könnte ich mir was besseres einfallen lassen. Ich habe sogar schon mehrmals gesagt, dass ich auch voll viel Esse. Ich habe nicht gesagt dass ich Fressattacken habe. Aber dass ich immer viel Und zu viel Esse, wenn ich bei meinem Vater bin oder so. Was auch so ist und meistens ist es so, weil ich dort halt einfach wirklich richtig funktionieren muss und den Frust und alle Gefühle, mit Essen "runterschlucke". Was dazu führt, dass ich mich nach dem wochenende richtig schlecht fühle und gar nichts esse. Aber auch das glauben sie nicht oder sagen nichts wirklich dazu. Außer dass die es sich nicht vorstellen können. 


Ja ich werde versuchen auf "gesunde" Alternativen zurückzugreifen bei den Festen und ich hoffe so sehr, dass ich es hinkriege dann noch wieder zu viel zu Essen. Ich versuche keine Kalorien zu zählen, weil es mich verrückt macht, aber ich weiß dass ich mich nicht so schlecht fühle wenn ich weiß, was ich esse und wenn es halt so gesund ist oder so. Funktioniert nur nicht immer, weil es mich überall die Möglichkeit gibt. 


Ich werd's versuchen. Ich glaube ich mag an mir, dass ich es schaffe für andere da zu sein und Sachen zu Organisieren. Mehr fällt mir gerade nicht ein, aber ich versuch's aufzuschreiben. 

 

Ohhh wieso ist das alles so viel und so blöd alles????? 

 
elene--annika 02.07.2018 16:36

Hallo Glitzerschneeflocke

Ich heisse lene bin userin. Und es ist hoffe für dich ncht schlimm wenn ich dir auch antworte?

Hast du das mit deiner freundin klären können?

was ist passiert das du heute nicht in der schule warst? geht es dir denn jetzt besser?

fühl dich mal lieb *Umarmen*
Liebe grüße
lene