Thema: Mein Vater trinkt Alkohol

Eröffnet am 17.05.2022 um 20:17 Uhr

Siri 17.05.2022 20:17

Hallo liebes Team, (dies ist ein längerer Text)
mein Name ist Siri (ja, über meinen Namen muss ich mir viele schlimme Dinge anhören, aber mein Name wurde mir gegeben, bevor das Sprachprogramm bei Apple erschien), und ich bin 13 (weiblich). Naja, das ist jetzt eigentlich nicht mein Thema. Ich bin durch Zufall auf diese Plattform hier gestoßen, weil ich nach Jugendberatungen online gesucht habe. Mein Problem ist, dass mein Vater eine Alkoholsucht hat. Er hat starke Depressionen und hat ein Zimmer im Keller. Entweder schläft er den ganzen Tag oder er trinkt Alkohol und ist dann teilweise sogar 2-3 Tage am Stück wach, dann schläft er wieder 2 Tage. Oft sehe ich ihn tagelang nicht, weil er dort unten in seinem Zimmer vereinsamt. Er hatte eine schlimme Kindheit mit geschiedenen Eltern, wo er schon in einem sehr frühen Alter für seinen kleinen Bruder alleine sorgen musste. Heute hat er viele anstrengende Angewohnheiten, dass man immer vorsichtig sein muss, was man sagt und in seinen Augen kann er keinen Spaß und Freude mehr empfinden. Das gibt er zwar nicht zu und er kann nie zugeben, dass er hier schon aufgrund seiner Krankheit und Sucht viel Leid und Angst über die Familie gebracht hat, aber man kann ihm nie einen Witz erzählen, wenn ich ihn überhaupt mal zu Gesicht bekomme, und alles was ich mache ist in seinen Augen falsch. „Ich hab dir doch gesagt du solltest…“ . Aus dieser Art von Kommunikation bestehen unsere wenigen Gespräche nur noch. Meistens jedoch ignoriert er mich einfach komplett und es interessiert ihn einen Schei*dreck, wie ich und meine Mutter unter seinem Verhalten leiden! Meine Mutter muss den ganzen Haushalt alleine machen, und sie tut mir so unendlich leid weil sie keine freie Minute mehr hat(ich habe keine Geschwister). Aber ich kann ihr nur selten helfen, weil die Schule belastet, ich habe keine Freunde, starke Motivationsprobleme und psychische Belastungen, leide seit der 1. Klasse unter Mobbing, habe außer meinen Eltern keine anderen Familienmitglieder ausser meinem Onkel aber mit dem möchten meine Eltern aus mir unerklärlichen Gründen nichts mehr zu tun haben. Zudem ist am 17.3.22 die Polizei gekommen (meine Mutter hat sie gerufen), weil mein Vater betrunken Auto gefahren ist, um sich noch mehr Alkohol zu kaufen. Es ist zwar nichts passiert, aber ich hatte eine Panikattake (meine erste überhaupt), als er mit dem Auto betrunken weggefahren ist. Das war der schlimmste Tag in meinem Leben für mich, ich konnte deswegen auch drei Tage lang nicht in die Schule, weil es mir psychsisch so schlecht ging. Die Polizei kam und sie gingen in unser Haus und gingen in sein Zimmer und da war er , ich konnte ihn nur hören , nicht sehen, weil ich oben an der Treppe stand und nicht in sein Zimmer gucken konnte. Dann passierte es. Er wurde von der Polizei auf die Wache mitgenommen, weggezerrt, gegen seinen Willen. Aber es war gut so, aber es tat so weh, all das zu hören. Zudem leidet er an starkem Übergewicht und isst nur noch ungesunde Sachen, damit meine ich, dass er jede Art von Gemüse und gesunden Sachen verabscheut und es tut so weh zu sehen, wie er nur noch solches Zeug(ungesundes) in sich reinstopft. Das Übergwicht hat er allerdings nur, weil er mit 20 eine Fussballverletzung hatte und sich sein Knie gebrochen hat, danach hatte er ein Metallknie und konnte nur noch gehen, nicht laufen. Vorher war er ein Spitzensportler, es hat ihm sein ganzes Leben zerstört, weil er Sport liebt! Jedenfalls wurde ihm am 17.3. sein Führerschein für ein halbes Jahr abgenommen, und meine Mutter muss den Autoschlüssel immer verstecken, damit er nicht austickt und wegfährt um sich Alk. zu kaufen. Er ist schon einige Male ohne den Führerschein (illegal) Alk. kaufen gefahren, ich kann von Glück reden, dass er nicht erwischt wurde, sonst sähe die Situation hier ganz anders aus…
Ach und noch etwas, was mich traumatisiert hat: an dem Tag, wo das mit der Polizei war, als er betrunken im Auto saß, haben meine Mutter und ich ihn die ganze Zeit über sein Handy angerufen, und versucht ihn zu überreden, nicht loszufahren. Er ist losgefahren, weil er meine Mutter immer bedroht, dass sie ihm Alk. Kaufen soll, sonst „passiert etwas“, doch sie ist nicht losgefahren und deswegen ist er ausgetickt und betrunken losgefahren. Was so traumatisierend war: er hat mich beim Telefonat bevor er losgefahren ist übers Handy angeschrien, dass er „nicht auf uns hört und er sich jetzt etwas kaufen wird!“ So habe ich ihn noch nie erlebt. Er war trotz seiner Probleme meistens sehr fürsorglich und nett zu mir, auch wenn er es oft übertrieben hat und mich für Sachen angeschrien hat, wo ich überhaupt nichts für konnte, aber er hat mich nie ausreden lassen und hat immer direkt gesagt, dass das nur meine dummen Ausreden sind und er hat mich nie verstanden, aber wenn meine Mutter den ganzen Tag auf der Arbeit ist (mein Vater ist schon lange arbeitslos), musste ich immer mit ihm auskommen. Mittlerweile lässt er mich in Ruhe, aber so wie er mich bei diesem Telefonat behandelt und angeschrien und meine Mutter und mich beleidigt hat, habe ich ihn wirklich noch nie erlebt… er ist eigentlich so ein netter Mensch, der sich um seine Liebsten kümmert, aber der Alkohol und die Depressionen haben sein Gehirn und seine Persönlichkeit zerstört.
Ich spüre keine Emotionen mehr für meinen Vater… er ist nur noch ein Mitbewohner, der bald nach der Scheidung meiner Eltern in eine eigene Wohnung ziehen wird, sodass ich mein eigenes Leben mit meiner Mutter weiterführen kann, dort wird er dann noch mehr vereinsamen… aber es tut nicht mehr weh. Er hat mir mental und geistig schon so weh getan, dass ich nichts mehr für ihn empfinde..
ich möchte meinen alten Vater zurück… so gerne. Ich kann einfach nicht mehr.
Christine Teamer(-in) 18.05.2022 12:33

Hallo lieber Siri,
mein Name ist Christine und ich bin Teamerin hier bei Beratung4Kids. Schön, dass du zu uns gefunden hast.
Deine Geschichte klingt ziemlich festgefahren und ich kann deine Gefühle in der Situation sehr gut nachvollziehen. Lass uns doch gemeinsam versuchen, ein wenig strukturiert daran zu gehen, wie so Bausteine von Lego. Vielleicht können wir die riesige Mauer vor dir so Stück für Stück kleiner werden lassen.

Anhand deiner Geschichte erkenne ich ein großes Stück Mauer, was deinen Vater betrifft. Wie würdest du die einzelnen Legosteine hierzu beschreiben? Angst dass er euch weh tut? Sehnsucht nach Liebe? Anerkennung und das Gefühl von ihm geliebt zu werden? Wut dass er die Familie kaputt macht? Wut was er mit deiner Mum macht?
Habe ich das richtig erfasst, kommen da noch welche dazu oder wie würdest du die Legosteine benennen?

Ein anderes Stück Mauer betrifft deine eigene Person. Die Legosteine sind Selbstbewusstsein, Motivation, Gesundheit, Freunde, Mama, Angst, Wut? Oder was meinst du?

Mit welchem Stück Mauer möchtest du anfangen? Oder gibt es noch andere Mauerstücke?
Liebe Grüße

Zuletzt editiert am: 23.05.2022 20:11, von: Christine


Christine
Teamerin
Beratung4Kids