Thema: Einsamkeit überwinden?

Eröffnet am 25.08.2019 um 23:14 Uhr

Unloved-lady 25.08.2019 23:14

Hallo

Wie geht ihr mit dem Gefühl der Einsamkeit um?
Ich fühle mich seit Tagen schon so einsam und allein. Wenn ich mit Freunden und Familie rede, dann macht es das noch schlimmer, weil da kein Verständnis zu erwarten ist. Auch wenn ich mit anderen unterwegs bin, dann macht es das nicht besser. Gleichzeitig spüre ich so eine innere Leere in mir. Ich weiß nicht mehr was ich noch machen soll. Ich sitze seit Tagen nur im Bett und heule.. Ich habe keine Kraft mehr, ich kann nicht mehr.

Liebe Grüße
Lady

Heute ist ein guter Tag zum Sterben
nichtbekannt 25.08.2019 23:18

Hey Lady,
ich antworte dir sofort, da mir das Thema Einsamkeit sehr wichtig ist.
Ich hab nie richtig gelernt damit umzugehen, nur es zu akzeptieren. Sich alleine zu fühlen, das ist grausam, aber hast du dir je Gesellschaft (mit welcher du zufrieden wärst) vorgestellt? Warst du da glücklich. Ja, mit der Familie über seine Probleme zu reden ist schwer. Aber denkst du, es gibt da eine Person, oder vielleicht mehrere von denen du gerne Gesellschaft hättest?

Herzlichste Grüße
Sammy *Verwirrt*

"Probleme kann man lösen" - ist das so?
Unloved-lady 25.08.2019 23:27

Hi Sammy,

es gibt da nu eine Person von der Gesellschaft wünsche... Nur eine die mich glücklich machen würde.. - Von Papa.

Liebe Grüße
Lady

Heute ist ein guter Tag zum Sterben
nichtbekannt 25.08.2019 23:36

Okay, bevor mir jetzt IRGENDJEMAND mit der Regel vom Chat-Modus kommt, ist das meine letzte Antwort für heute.

Dabei habe ich zwei Fragen:
erstens: ist es dir aus diesen Gründen heute, wie du schon im Gruppenchat geschrieben hast, schlecht gegangen?
und zweitens: Gibt es denn einen Vorfall mit deinem Papa, ist er vielleicht nicht mehr am Leben? - es tut mir übrigens leid wenn ich dich damit quasi überfalle, aber solltest du mir das nicht sagen wollen, dann musst du das natürlich nicht. Ich bin erst einen Monat hier, also werden andere deine Geschichte hier besser kennen.

Tut mir leid!
Herzlichste Grüße
Sammy *Verwirrt*

"Probleme kann man lösen" - ist das so?
Unloved-lady 26.08.2019 13:25

Hallo Sammy,

ja, das ist mit der Grund, warum es mir im Moment so schlecht geht. Am Samstag war der 11. Monatstag seit Papas Tod. Ich war für den Abend eigentlich mit einer Freundin verabredet, aber die ist lieber woanders hin, dabei wusste sie wie wichtig mir das gewesen wäre. Das hatte ich ihr extra gesagt.. Und seit dem fühle ich mich richtig allein und einsam.

Liebe Grüße
Lady

Heute ist ein guter Tag zum Sterben
nichtbekannt 26.08.2019 19:12

Hallo Lady,
ich verstehe - du kannst zur Zeit also nicht bei deinem Vater sein. Gibt es denn eine Möglichkeit mit deiner Freundin zu sprechen, wenn sie doch weiß wie wichtig das für dich ist.
Kann sein, dass sie das für einen Moment ausgeblendet hat. Kennst du denn einen Menschen, dem du vertrauen kannst, bzw. zu dem du gehen könntest wenn du nicht mehr weiter weißt?

Zusätzlich möchte ich noch mein herzlichstes Beileid aussprechen.
Herzlichste Grüße
Sammy *Unsicher*

"Probleme kann man lösen" - ist das so?
Lea Teamer(-in) 26.08.2019 20:04

Hallo Lady!
Ich bin Lea, Teamerin bei Beratung4kids und würde gerne versuchen, dir zu helfen.

Das Gefühl der Einsamkeit kann sehr schmerzhaft und belastend sein und es tut mir Leid, dass du das gerade erleben musst. Wie ich mitbekommen habe, hast du deinen Papa verloren. Auch ich musste diese Erfahrung mit 17 Jahren durchmachen und kann daher gut nachvollziehen, wie es dir wohl gehen mag.

Hast du schon einmal versucht, einen Brief an deinen Papa zu schreiben? All deine Gefühle auf ein Blatt Papier niederzuschreiben kann manchmal sehr befreiend wirken. Mir hat es damals auch geholfen, in den Himmel zu blicken und mit meinem Papa zu sprechen, da ich mir immer sicher war, dass er mich hört. Vielleicht hat auch das eine tröstende Wirkung auf dich.

Du schreibst, dass du von deinen Freunden und der Familie auf wenig Verständnis stößt. Das ist sehr schade aber vielleicht gibt es da jemand Anderen, der sich deine Gedanken anhört und dir zur Seite stehen kann? Eine Lehrerin oder eine Betreuerin zum Beispiel? Vielleicht muss diese Person gar nicht viel sagen, sondern dir einfach zuhören, damit du dich nicht mehr so alleine fühlst. Dass deine Freundin dich versetzt hat, tut mir sehr Leid. Sammy hat auch bereits gefragt - hast du ihr denn mitgeteilt, dass du enttäuscht darüber bist?

Wie wäre es, wenn du einen Spaziergang in der Natur machst, wenn du dich einsam fühlst? Dabei deine Lieblingsmusik hören, tief ein- und ausatmen und versuchen ein wenig von diesem emotionalen Stress loszulassen? Wäre das eine Option für dich?

Ich würde mich freuen, wieder von dir zu hören!
Lea

Zuletzt editiert am: 29.08.2019 20:02, von: Lea


Lea
Teamerin
Beratung4Kids
Unloved-lady 27.08.2019 00:43

Hallo Lea, Hallo Sammy,

vielen Dank für deine Nachricht!
Ich habe schon häufiger versucht einen Brief an Papa zu schreiben, aber immer wenn ich das mache, dann sitze ich hinterher immer stundenlang, heulend im Bett und kann mich einfach nicht mehr Beruhigen.
Es tut einfach so weh, dass Papa ausgerechnet jetzt sterben musste, jetzt wo sowieso alles drunter und drüber geht und die Familie auseinander bricht. Da könnt ich ihn am Meisten gebrauchen. Ich bekomme zu Hause keinerlei Unterstützung bzw habe keine Unterstützung bekommen, bei der Organisation der Beerdigung und durfte mich 9 Monate mit den Kosten rumärgern. Ich wurde da komplett alleine gelassen, bis Mama dann doch vom Rest aus der Versteigerung die Kosten bezahlt hat. Vielleicht zit es auch gerade deshalb jetzt mehr weh, weil ich endlich Zeit habe um mich richtig damit auseinanderzusetzen. Davor hatte ich ja auch noch Stress beim Abilernen.

Ich habe meiner Freundin nicht direkt gesagt, dass ich das nicht toll fand, aber ich habe ihr zuvor schon häufiger gesagt, dass ich so etwas hasse.

Ich hatte ja am Freitag im Chat geschrieben, dass ich meine Betreuerin um ein Gespräch gebeten habe und da habe ich auch darüber mit ihr gesprochen und das tat gut. Ich habe ihr davon erzählen können, dass ich mich wieder verletzt habe und sie war nicht böse, sondern froh, dass ich ihr das gesagt habe und so offen war.

Ich könnte es versuchen, ich weiß aber nicht, ob das unbedingt eine gute Idee ist, denn beim letzten Mal hatte ich da dumme Gedanken...

Ich habe hier ja meine Betreuerin, aber die ist auch nicht immer da und bei den anderen Betreuern bin ich mir nicht sicher, ob ich denen das Anvertrauen würde. Ich habe bisher nur mit meiner Betreuerin und einer Freundin von hier gesprochen, die aber seit Samstag nach Tansania geflogen ist und erst mal eine Weile weg ist. So spontan fällt mir niemand anderes ein.

Liebe Grüße
Lady

Zuletzt editiert am: 27.08.2019 01:57, von: Unloved-lady


Heute ist ein guter Tag zum Sterben
Lea Teamer(-in) 29.08.2019 20:11

Hallo Lady!

Wie geht es dir denn heute? Wenn das mit dem Brief eher den gegenteiligen Effekt hatte ist das wohl leider keine gute Lösung. Ich kann verstehen, dass der Verlust deines Papas unglaublich weh tut und es tut mir sehr Leid, dass du von deiner Familie so wenig Unterstützung erhalten hast in dieser schweren Zeit.

Hast du schon einmal von den verschiedenen Trauerphasen gehört? Durch den Lernstress während dem Abi hast du das Ganze wahrscheinlich erst einmal so gut es geht verdrängt und andere Dinge in den Vordergrund gestellt, du befandest dich in in der ersten Phase. Jetzt wo du Zeit hattest etwas herunterzukommen kam wohl die zweite Phase und mit ihr auch die vielen Emotionen, die du gerade erlebst. Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass der Verlust irgendwann nicht mehr so schmerzt wie am Anfang. Die Person bleibt natürlich unvergessen aber man lernt mit der Zeit die Trauer zu bewältigen und kann wieder in die Zukunft blicken. Dieser Prozess dauert für jeden Menschen unterschiedlich lang.

Ich finde es schön, dass das Gespräch mit deiner Betreuerin gut gelaufen ist und sie so reagiert hat. Vielleicht könntest du ja immer dann das Gespräch mit ihr suchen, wenn sie da ist? Vielleicht entscheidest du dich ja auch, dich noch einem anderen Betreuer anzuvertrauen.

Liebe Grüße!
Lea

Lea
Teamerin
Beratung4Kids
Unloved-lady 02.09.2019 22:31

Hallo Lea,
in Bezug auf Papa, geht es mir nach wie vor nicht wirklich gut. Ich liege viel wach und denke viel nach, denke viel Papa und weine viel. Abends sitze ich dann beim Essen und bekomme nur schwer etwas runter. Ich weiß nicht, ob es einfach daran liegt, dass diesen Monat Papas erster Todestag ist. Ich kann es einfach immer noch nicht wirklich begreifen. Es ist einfach schon ein ganzes Jahr her, seit Papa tot ist, aber für mich fühlt sich das gar nicht so lange an. für mich fühlt es sich an, als wären es erst ein paar Tage... Es ist alles meine Schuld. Es ist meine Schuld, dass Papa nicht mehr lebt. Vor Papa tot, habe ich drei Wochen nicht mehr mit ihm telefoniert. Und ein paar Tage davor, habe ich häufiger daran gedacht, dass ich ihn wieder anrufen könnte. Hätte ich das doch nur getan, hätte ich ihn doch nur angerufen. Ich hätte mich doch für ein paar Tage von der Schule beurlauben können und hätte zu ihm fahren können. Ich hätte mich um ihn kümmern können und hätte dafür sorgen können, dass es ihm besser geht. Dann hätte er auch nicht mehr das Gefühl gehabt, dass er mir egal ist...

Aber allein der Tod von Papa ist ja nicht der Grund, weshalb es mir so schlecht geht, bzw. weshalb ich mich so alleine fühle. Ich denke, dass die Tatsache, dass ich weder von meiner Familie, noch von meinen Freunden wirklich ernst genommen wurde, wenn es darum ging, dass ich versucht habe mit denen zu reden, wenn es mir mal nicht gut ging, wenn mich was beschäftigt hat. Aber es macht auch einfach keinen Sinn, denen das jetzt zu sagen, weil sich da eh nichts ändern wird. Das war schon immer so. Immer wenn ich meiner Familie gesagt habe, dass mich etwas stört, dann hieß es nur, dass ich nicht übertreiben soll.
Am Freitag war ich mit einer Freundin bei einem Fotoshooting und anschließend noch auf dem Weinfest... Danach sind wir noch spontan in eine Shishabar, aber ich habe mich weder auf dem Weinfest, noch auf in der Shishabar wirklich gut gefühlt. Jedes mal habe ich mich wieder sehr allein gefühlt. Mir fehlt einfach jemand, wo zu mir sagt, dass ich nicht allein bin, mir dass dann aber auch zeigt, mich auch mal in den Arm nimmt und dass nicht nur zu Begrüßung oder Verabschiedung. Und was mache ich, wenn das Jugendamt nicht weiter bezahlt und ich dann ausziehen muss? Dann kann ich weder auf Hilfe von meinen Freunden und meiner Familie hoffen, noch habe ich meine Betreuerin als Ansprechpartnerin, wenn es mir schlecht geht, dann stehe ich wieder alleine da. Dann wird es auch wieder schwieriger für mich mit dem SVV und meinen Suizidgedanken. Ich könnte mir vorstellen, dassdie dann auch wieder stärker werden. Es ist ja jetzt schon nicht einfach diese Gedanken und den Druck auszuhalten..

Liebe Grüße
Lady

Heute ist ein guter Tag zum Sterben
Lea Teamer(-in) 03.09.2019 19:22

Hallo Lady,

Ich kann nachvollziehen, dass es dir gerade nicht gut geht, zumal nun der erste Todestag deines Papas kurz bevor steht. Weißt du schon, wie du diesen Tag verbringen wirst? Vielleicht mit deiner Familie?

Du schreibst, dass du abends beim Essen kaum etwas runter bekommst. Bei vielen Menschen ist es so, dass Kummer den Appetit mindert... Wie ist das denn den restlichen Tag über, nimmst du ausreichend Nahrung zu dir?

Erst einmal finde ich es sehr gut, dass du mit deiner Freundin so viel unterwegs warst und versuchst dich abzulenken! Auch wenn du schreibst, dass du dich in den Situationen leider nicht wohl gefühlt hast. Stößt du denn bei dieser Freundin auch auf Unverständnis oder hast du ihr deine Gefühle noch gar nicht mitgeteilt? Vielleicht würde es helfen, wenn du deine Gedanken aussprichst, dass du dir jemanden wünschen würdest, der dich mal in den Arm nimmt. Das ist ein grundlegendes Bedürfnis und absolut verständlich.

Dass du ausziehen musst und somit deine Betreuerin als Bezugsperson verlierst hoffe ich natürlich nicht. Steht das aktuell im Raum oder ist das eine Befürchtung von dir?

Liebe Grüße,
Lea

Lea
Teamerin
Beratung4Kids