Thema: Angst vor dem Tod

Eröffnet am 05.03.2021 um 23:01 Uhr

Elfie 05.03.2021 23:01

Hallo, ich bin 18 Jahre alt und weiß einfach nicht, wie ich mit dieser Angst umgehen soll. Es macht mich richtig krank an den Tod zu denken, manchmal kommt einfach plötzlich dieser Gedanke hoch und nimmt mir die Luft weg. Seit ich denken kann ist das eigentlich schon so. Manchmal dauert es mehrere Wochen an, in denen ich auch kaum schlafen kann, weil ich keine Ruhe mehr finde. Eigentlich möchte ich auch nicht mal unbedingt die Angst bekämpfen, weil sie meiner Meinung nach berechtigt ist. Das Einzige, was mir helfen könnte, wäre zu wissen, dass man nach dem Tod nicht einfach weg ist, aber da ich mir das so sehr wünsche, kann ich wohl kaum rational entscheiden, ob es zum Beispiel Gott gibt, somit misstraue ich mir sozusagen selbst.
Ich habe schon ein paarmal mit Leuten darüber gesprochen, aber irgendwie versteht es niemand, und dann ist es mir unangenehm damit wieder anzufangen.
Hinzu kommt, dass mein Freund mir anvertraut hat, dass er mal versucht hat sich umzubringen, was sich dann ganz gerne in meine Überlegungen reinmischt und mich nochmal extra fertig macht.
Also wenn mir jemand irgendeine Idee hat, wäre ich sehr dankbar, aber es ist schon mal gut überhaupt darüber zu reden, glaube ich.

Liebe Grüße
Elfie
Nele Teamer(-in) 07.03.2021 12:51

Hallo liebe Elfie,
Ich bin Nele, Teamerin hier bei Beratung4Kids und würde dir gerne meine Unterstützung anbieten. Vorab möchte ich dir gern erstmal sagen, dass ich es ganz toll finde, dass du dir hier Hilfe suchst und wir gerne für dich da sind.
Um dich und deine Angst noch ein bisschen besser zu verstehen, hätte ich noch ein paar Fragen an dich. Zuerst würde ich gerne wissen, ob du deine Angst etwas genauer beschreiben kannst? Gibt es etwas Konkretes, was dir Angst macht, wenn du an den Tod denkst?
Zudem hast du noch geschrieben, dass du glaubst, dass deine Angst vor dem Tod berechtigt ist. Kannst du dies vielleicht nochmal etwas genauer erklären?
Wie es mit uns nach dem Tod weitergeht, da gibt es ganz unterschiedliche Meinungen und Glaubensansätze. Eine objektive Antwort gibt es leider nicht. Aber manchmal kann es hilfreich sein, zu hören, woran andere glauben. Du hast geschrieben, dass du mit anderen Personen schon über deine Angst gesprochen hast. Hast du sie vielleicht auch mal gefragt, an was sie glauben oder wie sie mit dem Thema Tod umgehen?
Zudem kann man sich auch immer professionelle Hilfe (z.B. bei Psychologen, Ärzten, Beratungsstellen) holen, wenn einem die eigenen Ängste oder die Sorgen um eine andere Person stark zusetzen. Es ist ja auch total verständlich, dass es dich beschäftigt, wenn dein Freund dir erzählt, dass er mal einen Suizidversuch unternommen hat. Also wenn du möchtest, dann können wir uns auch gern darüber unterhalten, wo du dir zusätzlich noch Hilfe suchen kannst.

Ich würde mich freuen, von dir zu hören. Und wenn du die ein oder andere Frage nicht beantworten möchtest, dann ist das auch völlig in Ordnung.
Bis bald und Liebe Grüße
Nele

Nele
Teamerin
Beratung4Kids
Elfie 07.03.2021 17:25

Hallo Nele,
Vielen Dank für das Angebot.
Also das Problem ist dieses Nicht-mehr-Existieren, einfach die Vorstellung, dass man irgendwann nie wieder etwas erlebt und dass es dann einfach für immer vorbei ist, was ich ja nicht weiß, aber eine Möglichkeit ist. Und ja, ich meine, dass das ja eigentlich keine unnötige oder irrationale Angst ist, weil es wirklich absolut schrecklich wäre in meinen Augen.
Ja, ich habe mit Christen darüber gesprochen, die sehr überzeugt davon waren, dass es einen Himmel gibt, mit denen habe ich etwas länger darüber gesprochen, nachdem es mir deswegen sehr schlecht ging. Die meisten meiner Freunde und Bekannte sind Christen, weil ich sie in kirchlichen Organisationen kennengelernt habe. Ansonsten habe ich das eher nur kurz angesprochen.
Was den Suizidversuch angeht, ich habe das Gefühl, dass er es eher bereut mir davon erzählt zu haben, weil ich zu emotional reagiert habe, und er meinte, ich soll es wieder vergessen, was natürlich nicht geht, und jetzt mache ich mir Sorgen, dass er mir in Zukunft nicht mehr von sowas erzählt, auch wenn es ihm schlecht geht, was, wie er auch gesagt hat, oft vorkommt.
Ich hätte (glaube ich) die Möglichkeit mal mit einer Seelsorgerin in Rente zu sprechen, die ich privat ein bisschen kenne und die offiziell meine Ansprechpartnerin ist, das habe ich sogar fast gemacht, aber sie hat den Termin abgesagt, und dann dachte ich, dass es vielleicht doch keine gute Idee ist, weil es ja irgendwo die Privatsphäre meines Freundes verletzen würde, und es kann sein, dass die sich mal privat treffen.
Elfie
Unloved-lady 07.03.2021 22:39

Hallo Elfi,

Ich kann deine Angst vor dem Tod sehr gut verstehen. Die hatte ich auch mal. Hast du dir da schon mal die Frage gestellt, ob du Angst vor dem Tod selbst hast oder bloß Angst vor dem Sterben? - Denn das sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe. Ich habe mir genau diese Frage irgendwann mal gestellt und habe festgestellt, dass ich keine Angst vor dem Tod selbst habe, sondern mehr Angst vor dem Sterben, vor den Schmerzen und allem was dann passiert. Denn ich glaube auch daran, dass wenn wir sterben, dass wir unser ganzes Leben noch einmal im Schnelldurchlauf erleben. Woran glaubst du? Was sind deine Vorstellungen an ein Leben nach dem Tod, nach dem Sterben? Glaubst du, dass da nichts ist? Wie Nele schon schreibt, können wir nicht wissen, was danach kommt, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Den Spruch "Glaube versetzt Berge" finde ich da sehr zutreffend. Als mein Papa vor ca. 2,5 Jahren gestorben ist, fiel es mir zu Beginn sehr schwer damit klar zu kommen. Aber irgendwann habe ich den Glaube entwickelt, dass Lebewesen, die sterben, diese Erde nicht komplett verlassen, sondern die Seele bei uns bleibt. Da gibt es meiner Meinung nach auch keinen richtigen oder falschen Glauben, wichtig ist, dass dir der Glaube hilft.

Liebe Grüße
Lady

Sometimes the hardest battle is against yourself!
Elfie 09.03.2021 23:04

Hallo Lady,
Ja, du hast recht, das ist ziemlich verschieden. Aber ich habe eher vor dem Tod Angst, einer unendlichen Zeit, in der einfach nichts mehr ist. Das kann ich nicht ertragen. Das Sterben, na ja, ich würde vermutlich ziemlich durchdrehen, wenn ich merke, dass ich sterbe, aber das ist nicht so eine unerträgliche Vorstellung.
Oh, das tut mir leid mit deinem Vater :( Ich freue mich aber für dich, dass dir der Glaube hillft mit dem Tod umzugehen und du deinen Weg gefunden hast es zu verarbeiten.
Ich weiß nicht, was ich glaube. Ich versuche an ein Leben nach dem Tod zu glauben, aber ich habe das Gefühl, ich rede es mir ein, und ich will ja an die Wahrheit glauben und nicht irgendwas, was mich besser fühlen lässt. Denn das klappt auf Dauer nicht, es bricht immer wieder ein und eine Stimme in meinem Kopf sagt mir: "Ja okay, aber EIGENTLICH weißt du auch, dass das Schwachsinn ist, was du da vorgibst zu glauben." Heute ist auch so ein Tag, nicht so schlimm wie es mal war, aber es fühlt sich einfach so sinnlos an jetzt zu leben, wenn man irgendwann sterben muss.
Liebe Grüße
Elfie
Nele Teamer(-in) 10.03.2021 22:20

Hallo Elfie,

ich fasse nochmal zusammen, was du zu deiner Angst geschrieben hast. Deine größte Angst ist es, dass nach dem Tod nichts mehr kommt, dass man nicht mehr existiert und somit auch nichts mehr erlebt. Und diese Vorstellung löst bei dir ein Gefühl aus, dass das Leben sinnlos ist, wenn man eh irgendwann sterben muss und somit alles vorbei ist. Aber eigentlich wünscht du dir, dass du an etwas Positives nach dem Tod glauben kannst. Habe ich das so richtig verstanden?
Wie kann ich dich nun dabei unterstützen, da mehr Klarheit zu bekommen? Was wünschst du dir von mir?

Ich finde es gut, dass du bereits mit Leuten über deren Vorstellung und Glauben an den Tod und was danach kommt, gesprochen hast. Wie Lady schon geschrieben hat, jeder hat seine eigene Vorstellung und manchmal braucht es auch etwas Zeit, bis man etwas gefunden hat, an das man glauben kann. Du schreibst, dass du gern an die Wahrheit glauben würdest. Und wenn du dir jetzt vorstellst, dass du die Wahrheit gestalten könntest: Was wäre deine Idealvorstellung, was nach dem Tod kommen sollte?

Zu deinem Freund: Dass du emotional reagiert hast, als dein Freund dir davon berichtet hat, ist total verständlich. Ich könnte mir vorstellen, dass dein Freund vielleicht, ähnlich wie du auch, in der Situation überfordert war. Vielleicht könnt ihr darüber nochmal reden und besprechen, wie ihr in Zukunft mit solchen Situationen besser umgehen könnt? Wenn du möchtest, können wir zwei uns zu einem späteren Zeitpunkt auch zusammen darüber Gedanken machen. Ich würde vorschlagen, vorerst beim Thema Angst zu bleiben, wenn du damit einverstanden bist? Es ist leichter, Themen nacheinander zu besprechen als viele Themen parallel laufen zu lassen.

Zudem würde ich dir gern mitteilen, dass eine Seelsorgerin einer Verschwiegenheitspflicht unterliegt. Das bedeutet, dass sie niemanden von eurem Gespräch erzählen darf. Und sie wird sich auch nichts anmerken lassen, wenn sie zum Beispiel irgendwann mal deinen Freund kennen lernen sollte. Du kannst da also ganz beruhigt sein. Und du kannst natürlich auch nochmal mit ihr darüber sprechen, dass du Angst hast, die Privatsphäre deines Freundes zu verletzten und dass du nicht weißt, wie es ist, wenn sie irgendwann mal deinen Freund treffen sollte. Könntest du dir denn vorstellen, nochmal einen Termin bei der Seelsorgerin zu vereinbaren?

Lieben Gruß
Nele

Nele
Teamerin
Beratung4Kids