Thema: Freundin mit Suizidgedanken

Eröffnet am 14.05.2021 um 04:09 Uhr

Unloved-lady 14.05.2021 04:09

Hallo,

ich schreibe, weil ich gerade mit einer Freundin telefoniert habe, der es wirklich schlecht ging. Dadurch, dass sie geweint hat, habe ich sie auch nur schwer verstanden, aber ich konnte verstehen, dass sie einem Freund von ihrem Freund etwas gesagt hat, was sie ihrem Freund versprochen hat nicht zu sagen (Ich fand es aber richtig, dass sie das gesagt hat). Jedenfalls wurde sie dann von allen beleidigt und raugeworfen. Jetzt ist sie alleine und zu Fuß auf der Autobahn unterwegs, um nach Hause zu kommen. Ich habe leider kein Führerschein und kein Auto und kann sie somit auch nicht abholen. Sie hat mir erzählt, dass sie diese Gedanken wieder hat. Es ist nicht das erste Mal. Es kam schon mal vor, dass sie mich nachts angerufen hat, als sie von einer Party kam, KO Troofen genommen hat und von den Leuten mit denen sie da war verlassen wurde. Damals haben wir und aber nich treffen können. Sie ist dann mit mir in die Wohngruppe gekommen und wir haben ein bisschen gerdet, ich hab ihr Schokolade gegeben und dann gings ihr auch besser. Sie ist dann nach Hause, auch wenn sie bei mir hätte schlafen dürfen. Das hatte ich mit den Betreuern schon abgeklärt. Ein anderes Mal, war ich gerade mit Freunden unterwegs, als sie mich anruft. Auch da habe ich mich dann mit ihr getroffen. Es gab noch mal ein Moment, aber daran kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Sie hat mir aber jedes Mal gesagt, dass sie diese Gedanken wieder hat und selbst, wenn ich diese Gedanken von mir kenne, weil ich sie auch zur Zeit immer wieder habe, bin ich doch jedesmal einwenig überfordert, weil ich nicht genau weiß was sagen soll. Ich mache mir dann imer große Sorgen, dass sie sich etwas antut. Gerade jetzt, da ich mich durch die Entfernung nicht mit ihr treffen kann. Es fährt kein Zug zu ihr und wie gesagt ich habe kein Führerschein. Ich habe ihr angeboten, dass wir uns am Sonntag treffen, aber da ist das nur schwer möglich. Dann habe ich gesagt, dass ich sehr bald wieder zu ihr komme und wir uns unterhalten können. Ich mache mir Sorgen, dass sie es wirklich irgendwann mal umsetzt, weil ich nicht ans Handy gehe, weil ich schlafe oder arbeite. Ja, ich könnte jetzt die Polizei rufen, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass sie akut Suizidgefährdet ist, sie hat zwischenzeitlich wieder aufhören können zu weinen und ich konnte sie auch mal kurz zum Lachen gebracht.

Habt ihr Ideen, wie ich ihr begegnen kann, wenn sie wieder in so eine Situation kommt?

Während ich geschrieben habe, hat sie mir geschrieben, dass sie jetzt auch zu Hause ist, zum Glück.

Liebe Grüße
Lady

Wenn dein Lächeln grad nicht echt ist, ist es okay, wenn du es weglässt
Kornelia Teamer(-in) 15.05.2021 12:24

Hallo Lady,
ich bin Konny und seit kurzem eine der Teamerin bei B4K. Gerne möchte ich dich unterstützen. Vor allem finde ich es großartig, dass du dich an uns wendest. So wie ich es verstanden habe, du möchtest deine Freundin zur Seite stehen und sie unterstützen, aber weiß nicht wirklich wie. Und obwohl dir solche Gedanken nicht fremd sind, fühlst du dich überfordert.
Du machst dir große Sorgen um deine Freundin. Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch Respekt vor der Verantwortung, die du wahrscheinlich meinst übernehmen zu müssen. Das musst du nicht! Du trägst nur die Verantwortung für dich. Für die alle anderen kannst du nur Hilfestellung leisten. Trotzdem denke ich, du hilfst ihr sehr viel. Du redest mit ihr, du bist für sie da. Auch wenn du nicht sofort bei ihr bist, du hast sie beruhigt. Sie ist gesund zu Hause angekommen. Auch hier hast du die Situation richtig eingeschätzt, denn du schreibst: Du könntes die Polizei anrufen, aber du hattest nicht das Gefühl, dass es akut war!
Ich kann es wirklich nachvollziehen, dass es sehr schwer ist, wenn du immer angerufen wirst und die Situation nicht wirklich sofort einschätzen kannst. Denn am Telefon ist es sowie so sehr schwer, wenn man den Anderen nicht gegenüber hat. Ich wollte dir nur sagen: Deine Freundin hat wirklich Glück dich zu haben. Denn du bist immer für sie da. Du würdest ihr helfen, aber wie? Das ist in der Tat sehr schwer. Dafür haben wir zu wenige Informationen. Und wir wissen nicht, wie ernst ihr das ist. Das kann man auch nie wirklich 100% beurteilen. Aber vielleicht könntest du mit ihr in einer neutralen Situation darüber reden. Auch ihr zu sagen, du machst dir Sorgen und hast Angst um sie. Ihr das Gefühl geben, dass sie dir viel bedeutet und du sie nicht verlieren möchtest.
Denn es ist schon ungewöhnlich, oft aufgrund problematischen Situationen an das Leben aufgeben zu denken.
Probleme und Schwierigkeiten begleiten uns ein lebenslang und daran wird sich kaum etwas ändern. Sie muss unbedingt lernen ihre Probleme zu bewältigen. Auch wenn das etwas hart klingt.
Hat sie noch jemanden dem sie noch vertrauen kann?
Vielleicht weiß du, ob sie mit jemanden, der es professionell macht, gesprochen hat. Ansonsten könnte sie auch mit ihrem Hausarzt darüber reden. Es gibt einige Stellen, wo sie Hilfe bekommen könnte. Fast in jede Stadt gibt es Anlaufstellen. Das Internet mit sehr vielen Angeboten steht immer jedem offen. Es gibt Beratungsstellen. Wenn du magst, kannst du deine Freundin bei der Suche unterstützen. Du kannst ihr auch sagen, dass du für sie da bist und ihr zuhören kannst. Dennoch ihre Probleme nicht lösen kannst. Und das es wiederrum für dich sehr schwer sei, ihr nicht wirklich helfen zu können.
Über das Problem von deiner Freundin, was sie von ihrem Freund weiter erzählt hat, darf keine urteilen! Denn manchmal bekommen wir ungewollt Informationen, die wir für uns behalten sollen, die aber auch für uns eine Herausforderung sind. Und es ist manchmal erleichternd mit jemandem darüber zu reden. Aber auch da kommt es vor, dass der Mensch das Vertrauen nicht verdient hat.
Ich hoffe dir mit meinen Zeilen etwas geholfen zu haben. Vielleicht schreibst du zurück, ob es dich etwas beruhigt hat. Aber das ist nicht verpflichtend, so wie du magst. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut dir schreiben zu können.
Viel Grüße, Konny

Kornelia
Teamerin
Beratung4Kids
Unloved-lady 18.05.2021 22:07

Hallo Konny,

vielen dank für deine hilfreiche Antwort.

ja, vielleicht hast du recht und es ist vielleicht auch der Respekt der Verantwortung. Ich habe so etwas vor ein paar Jahren schon mal "durchgemacht". Damals war ich 15 und ein guter Freund von mir hat mich damals in einer echten akut Situation angerufen. Aber damals habe ich nicht daran gedacht, die Polizei zu rufen. Jedenfalls habe ich schon das Gefühl, dass ich da eine gewisse Verantwortung meiner Freundin gegenüber habe. Wenn ich sie in dieser Situation abgewiesen hätte und sie sich etwas angetan hätte und ihr sonst was passiert wäre, dann hätte ich mir das nie verziehen. Ich habe wenigstens so viel Verantwortung ihr gegenüber in dem ich jemand anderen, jemand professionellen für sie hinzu ziehe.

Vielleicht hilft es ihr ja schon, in dem Moment dann nicht alleine zu sein und mit mir reden zu können? Also so könnte ich mir das vorstellen. Ich finde es ja auch immer hilfreich dann meine Gedanken teilen zu können. Sie meinte auch, dass sie niemanden hat, mit dem sie sonst darüber reden kann. Ihr Freund scheint das nicht richtig ernst zu nehmen.

Ich glaube, dass sie es ablehnen wird mit jemandem professionellen zu sprechen, wegen ihrer Arbeit. Sie macht eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Aber das was du geschrieben hast, was ich ihr sagen kann, dass ist tatsächlich gut, Das werde ich ihr beim nächsten mal auch sagen. Danke dafür.

Liebe Grüße
Lady

Wenn dein Lächeln grad nicht echt ist, ist es okay, wenn du es weglässt
Kornelia Teamer(-in) 26.05.2021 11:45

Hallo Lady,
danke für deine Antwort und freue mich, wenn ich dir ein wenig helfen konnte. Ich finde es schön, dass die Situation nicht mehr akut ist und auch du deswegen ein wenig zur Ruhe kommen kannst,
Du schreibst über ähnliche Situation mit einem Freund als 15 jährige. Das stelle ich mir auch sehr schwer vor. Ich weiß gar nicht, ob ich mit 15 J. damit umgehen könnte. Auf der anderen Seite, ob ich selber Mut hätte, die Polizei anzurufen, das bin ich mir nicht so sicher. Hier ist einfach von Vorteil eine erwachsene Vertrauensperson zu haben. Aber wer hat sie schon? Mit 15 J. trauen wir den Erwachsenen nicht wirklich. Dennoch mit jemanden darüber reden, tut immer sehr gut.
Das zeigt deine Reife auch schon in dem Alter damals. Leider oft im Leben werden wir reifer als das Alter in dem wir gerade sind. Nur auch das können nicht alle Menschen.
Deine Freundin gegenüber hast du dich mit viel Mut und Verantwortung verhalten. Du hast ihr zugehört und du warst für sie da. Was nicht immer selbstverständlich ist. Außerdem war es für dich selbst sehr schwer. Dennoch du hast auch den Weg zu uns gefunden und konntest deine Gedanken oder Unsicherheiten mit uns teilen. Das kann oft auch dich entlasten. Es ist schön zu wissen, wir sind auf diese Welt nicht allein.
Zu deiner Freundin, die gerade in medizinischen Bereich eine Ausbildung macht, finde ich wirklich sinnvoll sich darüber Gedanken zu machen, wo suche ich mir professionelle Hilfe, wenn ich sie benötige. Es ist nicht immer einfach in diesen Beruf, wo man oft dem menschlichen Leid und Tod so nah steht. Deswegen ist es wirklich von Vorteil schon deswegen jemanden zu haben. Und so könnte sie ihren Weg zur professionellen Hilfe abkürzen. Vielleicht kannst du sie so auf den Pfad bringen. Nur als Idee.
Viele Grüße
Konny

Kornelia
Teamerin
Beratung4Kids