Thema: Clean - irgendwie noch schwerer

Eröffnet am 20.10.2020 um 23:48 Uhr

Eddy 20.10.2020 23:48

Hi, ich bin Eddy.

Im Gegensatz zu vielen hier, glaube ich zumindest, bin ich clean. Seit einem Jahr schon. Ich mag das Wort "clean", weil es eine Sucht ist. Das musste ich mir eingestehen und mir ist erst relativ spät klar geworden, was das bedeutet. Das war mir nie so wirklich klar, aber jeder Tag wird schwerer und schwerer und das seit einem Jahr. Ich kann nicht einmal sagen wie lange ich jetzt wirklich schon clean bin, weil ich nicht irgendwann aufgehört habe, sondern es irgendwann nicht mehr gemacht habe. Einfach weil es sich nicht mehr so gut angefühlt hat und da habe ich einfach mal ausprobiert, was sie gesagt haben, nämlich es nicht mehr zu tun. Und da bin ich. Seit einem Jahr clean. Und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was ich erwartet habe, ich dachte irgendwie, dass es irgendwann einfach weg wäre. Dass ich es irgendwann nicht mehr nachvollziehen könnte, dass Alles anders wäre. Und da bin ich. Seit einem Jahr clean. Und es ist immer noch so scheiße schwer. Nichts hat sich geändert, die Sucht lässt nicht ein Stück nach, ich will, ich will und ich will immer noch. Es ist nur viel weiter weg. Nichts, was ich wirklich tun würde, denn dann würde ich ja Alles über den Haufen werfen, wofür ich soooo lange gearbeitet habe.
Aber es kommt mir immer wieder in den Kopf: Warum will ich so leben?
Es hat mir doch so gut getan. Es ging mir besser, jedes Mal. Mein Arm ist sowieso am Arsch, eine Narbe mehr oder weniger macht da doch nichts, oder? Wofür strenge ich mich also so an? Aber diese Frage ist eigentlich eine Lüge. Ich habe einen Grund, nein sogar mehrere und ich muss es mir immer wieder in den Kopf rufen. Ich habe mich entschieden zu leben. Ich weiß ganz genau, dass es irgendwann gefährlich wurde, auch wenn ich das nicht gerne zugebe. Und an der Kreuzung habe ich den Weg gewählt, der vielleicht anstrengend ist, aber ich habe auch einen Traum gefunden, den ich liebe und dem ich folgen will, und meinen Glauben, Dinge, die ich erleben will.

Man mag gar nicht glauben, wie unfassbar anstrengend es sein kann positiv zu sein. Und ich rede hier davon wirklich positiv zu sein. Sich jedes Mal wenn man anfängt auch nur ein bisschen unsicher zu werden, vor den Spiegel zu stellen und sich zu sagen "Du bist wunderschön". Sich überhaupt erst einmal die Abscheu vor der eigenen Selbstliebe abzutrainieren und diese Selbst-Komplimente von ganzem Herzen ernst zu meinen. Wann auch immer etwas Schlechtes passiert nicht aufzugeben, sich ernsthaft zu einer positiven Sichtweise zu zwingen und nicht einen schlechten Gedanken zuzulassen. Und das nicht damit Andere einen für stark halten, sondern einfach nur für sich selbst. Es ist soooo hart.

Aber vielleicht lohnt es sich. Vielleicht stehe ich irgendwann am Ende des Weges, mit Narben und tausend blauen Flecken, und bin dankbar. Für jeden Schritt, den ich trotz Allem vorwärts gegangen bin.

Keep going! #fineattheend
Sammy Peer-Berater(-in) 22.10.2020 12:46

Hallo Eddy,
mein Name ist Sammy! Ich bin Peer-Berater hier und jetzt kriegst du mal ein Lob!

Ich bin wirklich begeistert, es muss so schwer sein, sich ein Jahr nicht selbst zu verletzen! Du hast meinen tiefsten Respekt. Ich glaube dir, dass es schwer sein muss, so lange clean zu bleiben, vor allem der Anfang!

Wie hast du dich am Anfang überwunden? Du beschreibst diese typischen Gedanken, da braucht es dich selbst viel Überzeugung, oder?

Ich werde dein Thema vorerst nur begleiten und sehen ob andere miteinsteigen, bin aber immer für dich da!

Alles Liebe
Sammy

Sammy
Peer-Berater
Beratung4Kids
Wir müssen ja sowieso denken. Wieso dann nicht gleich positiv?