Thema: Ich muss reden

Eröffnet am 04.12.2018 um 22:52 Uhr

ButterflysDarling 04.12.2018 22:52

Hallo,
ich darf nicht sagen, wer ich bin, aber ich darf sagen, dass ich ein Problem habe. Und schon alleine der Satz, tut mir gut. Ich darf endlich ganz offen reden.
Ich hab Angst, extreme Angst und kann aber nicht sagen wovor.
Ich bin überfordert und ich hab wieder begonnen mich zu ritzen - habe aber keine Selbstmordgedanken!
Mein Freund hilft mir normalerweise, aber zu dem traue ich mich im Moment auch nicht, vielleicht sollte ich doch mit ihm reden.

Das Leben kann schön sein!
Maren Teamer(-in) 06.12.2018 13:17

Hallo ButterflysDarling,

Mein Name ist Maren und ich bin Teamerin bei Beratung4Kids.

Ich heiße dich herzlich willkommen hier im Forum und es freut mich, dass du dich uns anvertraust.

Du hast ein Problem, aber darfst nicht darüber reden.
Du hast große Angst, aber möchtest nicht darüber sprechen, vor was.
Verbietet dir jemand, über das zu sprechen, was dir Angst macht?
Du bist überfordert und verletzt dich selbst. Du scheinst gerade sehr unter Druck zu stehen und von Ängsten gequält zu werden. Das ist sicher nicht leicht zu ertragen.
Gerne würde ich dich unterstützen, einen Weg aus dieser schwierigen Situation heraus zu finden.

Was wünschst du dir denn von uns? Es wäre schön, ein wenig mehr von dir zu erfahren. Was ist es denn, das dir Angst macht? Und darf ich dein Alter erfahren? Du entscheidest aber selbst, was du schreiben möchtest.

Wie ich sehe, hast du schon eine tollen Idee, was dir helfen könnte. Dein Freund scheint dir eine große Stütze zu sein. Warum traust du dich denn im Moment nicht, dich an ihn zu wenden?

Ich freue mich auf deine Antwort.

Lieber Grüß,
Maren

Maren
Teamerin
Beratung4Kids
ButterflysDarling 06.12.2018 22:37

Hallo Maren,
danke für deine Antwort.
Mir verbietet keiner über meine Ängste zu reden, höchstens ich selbst. Ich möchte halt niemanden belasten, ich kann dir auch nicht verraten woher meine Ängste kommen. Ich bekomme manchmal extreme Angst, dass ich auseinander breche, ich weiß das hört sich lächerlich an, aber das beschreibt es am Besten.Das mit der Selbstverletzung ist nicht neu, das mach ich seit drei Jahren immer wieder -von Zeit zu Zeit.
Ich war auch schon in Therapie, die half aber nicht und überlege ob ich wieder gehe.
Ich war auch beim Arzt, wo festgestellt wurde, dass mir Eisen, Zink, Vitamin D und noch ein paar andere Sachen fehlen.
Unter Druck stehe ich wahrscheinlich auch, wobei ich nicht weiß, was da alles zusammenspielt.
Mein Freund ist mir tatsächlich eine große Stütze, aber seine Mutter hatte vor 2 Jahren einen Hirntumor und es besteht die Möglichkeit, dass er zurück ist, da bei der Kontrolle etwas entdeckt wurde.
Ich will ihm nicht zusätzlich Kummer bereiten, das mach ich oft genug.
Warum möchtest du mein Alter wissen?

Danke nochmals.

Das Leben kann schön sein!
Maren Teamer(-in) 07.12.2018 11:25

Liebe Butterfly,

ich danke dir, dass du mir mehr über dich verrätst! Keine Sorge, hier wird niemand erkennen, wer du bist, nur durch das, was du über dich erzählst. Da bin ich mir ganz sicher. Außer natürlich du schreibst hier deinen tatsächlichen Namen hinein. ;)

Dein Alter würde mich insofern interessieren, als es einen Unterschied macht, ob du 15 oder 20 Jahre alt bist. Je nachdem befindest du dich in ganz unterschiedlichen Situationen, gehst noch zu Schule oder eben nicht und bist mehr oder weniger noch von deinen Eltern abhängig. Es würde mir ein wenig helfen zu verstehen, in welcher Phase deines Lebens du dich gerade befindest. Aber du musst das natürlich nicht sagen.
Aus der Art wie du schreibst, lese ich allerdings einen reflektierten jungen Menschen heraus, der sich viele Gedanken über sich selbst macht, da spielt dein Alter wirklich keine Rolle. Außerdem machst du dir wirklich viele Gedanken über deine Mitmenschen und sorgst dich um sie.

Du schreibst, dass du niemanden belasten willst. Ich finde, da gehst du wirklich streng mit dir selbst um. Es tut oft gut, sich jemandem anzuvertrauen. Und meistens freut es auch die Menschen, die dir nahe stehen, wenn du ihnen erzählst, dass es dir nicht gut geht. Oft unterschätzen wir die Menschen in unserem Umfeld, was ihre Fähigkeit angeht, mit unseren Problemen umzugehen. Oft sind Freunde und Familie die ersten, die merken, dass etwas nicht stimmt, manchmal bevor man es selbst merkt. Stelle es dir einmal umgekehrt vor: Was wäre gewesen, wenn dein Freund dir nicht von der Krankheit seiner Mutter erzählt hätte, nur um dich zu "schützen"? Du hättest doch sicher trotzdem gemerkt, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt. Hättest du es lieber gar nicht erfahren oder bist du froh, dass du seine Sorgen kennst und ihm beistehen kannst?

Das Wort "lächerlich" in Bezug auf deine Angstzustände kann ich so nicht einfach stehen lassen! Ich verstehe, dass du das so wahrnimmst. Aber ich möchte dir gerne sagen: Niemals sind Gefühle lächerlich und ganz sicher nicht, wenn sie so belastend sind. Im Gegenteil, das sind ernst zu nehmende Gefühle. Angst ist ein großes, mächtiges Gefühl. Es kann uns lähmen und uns gleichzeitig innerlich zerreißen. Aber Angst ist nichts, was man ewig ertragen muss. Du schreibst, dass du schon einmal eine Psychotherapie gemacht hast. Das ist eine großartige Möglichkeit, sich Ängsten zu stellen und Angst zu verlernen. Dazu gehört viel Arbeit, aber zwischen den Zeilen lese ich eine sehr starke junge Person heraus, die das schaffen kann. :) Ein anderer Vorteil ist, dass du nicht mit den Menschen in deinem Umfeld über deine Ängste sprechen musst, sondern das mit einer "neutralen" Person tun kannst. Dein Freund kann dich bei der Therapie unterstützen, ohne dass du ihm im Detail erzählen musst, worum es dabei geht.
Würdest du die Therapie gerne angehen? Hast du schon eine Idee, zu welchem Therapeuten du gehen könntest?

Was die Blutwerte angeht, möchte ich dir raten, Eisen und Vitamin D zu nehmen. Eisenmangel und Vitamin D - Mangel können tatsächlich die Stimmung drücken. Auf keinen Fall sind die Probleme gelöst, nur weil du gute Werte hast! Aber es ist ganz wichtig, dass dein Körper bekommt, was er braucht, um im Gleichgewicht zu sein. Ich weiß nicht wie stark dein Mangel ist, aber je nachdem kann es die Stimmung ein wenig heben, wenn man Nahrungsergänzungsmittel einnimmt.
Das nur am Rande, weil du es erwähnt hast.

Eine Frage, die ich dir noch gerne stellen möchte, ist folgende: Du sagst, dass du Angst hast auseinanderzubrechen. Was meinst du damit denn genau? Hast du Angst, dass du die wichtigen Dinge in deinem Leben verlierst? Oder meinst du etwa, dass du die Kontrolle über deine Gefühle verlierst?

Was befürchtest du würde passieren, wenn du auseinanderbrichst?

Ich wünsche dir noch einen wunderbaren Freitag!

Liebe Grüße,
Maren

Maren
Teamerin
Beratung4Kids
ButterflysDarling 07.12.2018 19:09

Vielen lieben Dank, Maren, für deine Antwort - das bedeutet mir viel.

Ich werde am Sonntag 15 Jahre alt und ja, ich bin vielleicht streng zu mir, aber ich bin so nun schon seit einigen Jahren. Einerseits hab ich tatsächlich Angst davor, die Menschen die ich liebe zu verletzten, andererseits bin ich selbst schon oft von diesen Menschen verletzt worden.

Nehmen wir als Beispiel meine Mutter, ich glaube ich empfinde für keine anderen Menschen soviel Liebe und Hass gleichzeitig. Die Beziehung zu meiner Mutter ist sehr oberflächig, auch wenn sie das nicht so sieht. Ab dem Alter von ca. 10 habe ich aufgehört mit ihr wirklich zu reden, sie gibt mir das Gefühl, dass ich das nicht darf. Sie sagt zwar oft, dass sie immer für mich da ist, aber die Vergangenheit und ihr Verhalten zeigt mir oft, dass dem nicht so ist.
Als ich mich mit 12 das 1. Mal ritzte, erzählte ich meinen Eltern davon und kurz war alles gut. Ich ging zur Therapie, mir ging es besser und das leben war in Ordnung.
In einem Streit warf sie mir das mit dem Ritzen vor, ab da war mir klar, dass ich mit ihr über gar nichts reden kann.

Man muss dazu sagen, dass meiner Mutter die Schule extrem wichtig ist, sie wird sauer wenn ich bei einem Test eine Zwei habe und lauter so Sachen.
Manchmal hab ich das Gefühl, sie hat mich nur lieb, wenn ich gute Leistungen erbringe.
Aber es ist nicht immer so schlimm, es gibt auch schöne Momente.
Trotzdem hinterlässt ihr Verhalten Spuren, ich weine zum Beispiel immer beinahe, wenn sie mich umarmt.

Ich habe Tabletten für das Eisen und alles andere bekommen, da meine Werte im kritischen Bereich waren, hinzu kommt, dass ich vielleicht zum Neurologen muss.

Mir ist schon klar, dass ich mich schlecht gefühlt hätte, hätte mir mein Freund nicht von der Krankheit seiner Mutter erzählt. Das macht es jedoch nicht leichter für mich, mit ihm über meine Probleme zu reden.
Vor allem weil ich nicht weiß, wie er reagiert, wenn ich ihm davon erzähle und dass ich ihm das so lange verheimlicht habe.

Ich weiß noch nicht zu welchem Therapeuten ich gehen würde, da muss ich auch zuerst mit meiner Mutter reden.

Das mit dem "auseinander fallen", kann ich nicht wirklich beschreiben, nur dass es eines der schlimmsten Gefühle ist die ich kenne.
Ich weiß zwar nicht wie sich der Wahnsinn anfühlt, aber so würde ich es am ehesten beschreiben, als wäre ich am Rande des Wahnsinns. Oder wie wenn ich im Begriff wäre, alles zu verlieren, mich selbst zu verlieren.
Keine Ahnung...

Lg, ButterflysDarling

Das Leben kann schön sein!
Maren Teamer(-in) 08.12.2018 11:00

Liebe Butterfly,

es freut mich, dass du hier auf der Website eine Anlaufstelle gefunden hast, die dir entspricht. Ich habe gesehen, dass du auch mit anderen Usern deine Erfahrungen teilst, das finde ich super stark von dir. :)
Und schön zu lesen, dass du bereits den Mangel behandelst.

Ich lese aus deinem Beitrag 3 besonders wichtige Aspekte heraus, auf die ich gerne eingehen würde.
1. Deine Mutter: Deine Beziehung zu ihr scheint dich sehr zu belasten.
2. Dein Freund: Du schreibst, dass du nicht weißt, wie er sich verhalten wird, wenn du dich ihm anvertraust.
3. Die Selbstverletzung

Was deine Mutter angeht, finde ich es zunächst toll, dass du trotz der Schwierigkeiten in eurer Beziehung die schönen Momente siehst und genießen kannst.
Ich lese aber auch heraus, dass deine Mutter einen gewissen Perfektionismus hat, was dich angeht. Du sollst dich nicht ritzen und möglichst gut in der Schule sein. Das belastet dich. Hast du denn eine Idee, warum sie so denkt? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Manche Eltern wollen, dass alles nach außen perfekt aussieht, andere wollen nur das Beste für ihr Kind und merken nicht, dass ihr Perfektionismus dem Kind mehr schadet als hilft. Was könntest du dir denn vorstellen, warum deine Mutter so handelt und denkt?
Für meine Begriffe ist es ein absolutes No-Go, dass dir deine Mutter die Selbstverletzung vorgeworfen hat. Hat sie sich denn dafür entschuldigt bzw. habt ihr noch einmal darüber gesprochen?
Weiß deine Mutter eigentlich, warum du dich selbst verletzt hast bzw. es tust? Es macht mich betroffen zu lesen, dass du fast weinen musst, wenn du deine Mutter umarmst. Es ist doch schlimm für dich, wenn du die Umarmungen ertragen musst, aber es ihr nicht sagen kannst (Kann ich übrigens total verstehen, das hört keine Mutter gerne). Ein Therapeut könnte helfen, so ein Gespräch zu moderieren und vielleicht könntest du ihr einmal sagen, wie dich der Leistungsdruck belastet und du könntest auch die Umarmungen und die Selbstverletzung thematisieren. Könntest du dir vorstellen, sie einmal mit zum Therapeuten zu nehmen, wenn du eine Therapie machst?

Die Befürchtungen, was die Reaktion deines Freundes angeht, kann ich gut nachvollziehen. Du befindest dich momentan sowieso schon in einer Krise und ein weiterer Streit würde alles noch schlimmer machen. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass er dich dafür verurteilen wird. Du schreibst, dass er eine wichtige Bezugsperson ist. Das heißt, ihr habt schon andere schwierige Zeiten zusammen überstanden? Was denkst du denn, was in seinem Kopf vorgehen würde, wenn er von der Selbstverletzung und deinen Ängsten erfahren würde? Was wäre seine beste mögliche Reaktion und was könnte schlimmstenfalls passieren?
Und eine andere Frage: Ist es für dich nicht schwierig, die Wunden vor ihm zu verstecken?

Und nun zur Selbstverletzung: Kannst du denn sagen, warum du dich verletzt? Ist es die aktuelle Situation oder gab es einen bestimmten Auslöser?
Du scheinst momentan jedenfalls in einer wirklich schwierigen Phase festzustecken. Mir macht es ehrlich gesagt große Sorgen, was du zu deinem Gefühl schreibst, auseinanderzufallen. Das klingt für mich nach großem Stress. Solcher Stress kann einige Krankheiten auslösen, körperliche und psychische. Und natürlich ist das eine sehr schwere Last, die du mit dir herumträgst. Ich will dir keine Angst machen, aber es ist ganz wichtig, dass du jetzt für dich sorgst.

Gibt es denn in deinem Leben Situationen oder Tätigkeiten, wobei du entspannen kannst oder Geborgenheit empfindest? Irgendwelche Hobbies, Sport, Youtube-Channels oder Serien oder sonst irgendetwas, wobei du abschalten kannst?


Ich freu mich auf deine Antwort!
Wie immer musst du natürlich auf keine Frage antworten, wenn du das nicht möchtest.

Hab noch einen schönen letzten Tag als 14-Jährige! ;)
Liebe Grüße,
Maren

Maren
Teamerin
Beratung4Kids
ButterflysDarling 08.12.2018 11:56

Liebe Maren, wie immer ist es schön, eine Nachricht von dir zu bekommen.

Ich hab nichts dagegen, meine Erfahrungen zu teilen, wenn es anderen hilft. Ich möchte auch einmal Psychiaterin werden, was sich im 1. Moment vielleicht verrückt anhört, aber wer kannen solchen Menschen besser helfen, wie Personen die selbst eine psyhchische Belastung hatten?

Bei meiner Mutter ist glaube ich ihre eigene Kindheit schuld. Ihre Mutter hätte sich vor ihr umgebracht, sie war im Frauenhaus und lauter so Sachen. Hinzukommt dass sich keiner um sie richtig gekümmert hat -auch bei dem Thema Schule.
Sie will eigentlich nur das Beste für mich, aber das was sie tut, ist nicht das Beste für mich.
Sie hat auch jetzt noch einige Probleme, so wie Panikattacken und so.
Sie ist extrem leicht reizbar, wegen einer Kleinigkeit, kann es schon mal vorkommen, dass sie den ganzen Tag nichtmehr mit einem spricht.
Sie kann das gut, so zu tun, als wärst du ihr vollkommen egal.

Ich würde sie nie darauf ansprechen, weil unser Leben so funktioniert. Das System funktioniert irgendwie- mal abgesehen von ein paar Aussetztern meiner Psyche.
Mit 15 weiß ich langsam was ich bei ihr sagen darf und was nicht, wie ich mich verhalten darf und wie nicht. Ich will hier nichts kaputt machen, ich will eigentlich auch nicht als krank angesehen werden.

Ich kannte meinen Freund schon einige Monate bevor wir überhaupt ein Paar wurden. Und in dieser Zeit wurde er -mit meiner besten Freundin- zu meiner wichtigsten Bezugsperson. Ich hab in der Zeit einige Fehler, wegen eines anderen Typen, begannen (schlimme Sache, der war aus einem Heim für Schwererziehbare, hat mit Drogen gehandelt und mich non-stop betrogen, hab wegen ihm auch öfter die Schule geschwänzt. Ja, der Typ hat mich ziemlich fertiggemacht. Habe jetzt aber auch keinen Kontakt mehr zu ihm) und er hat mir da irgendwie rausgeholfen. Er half mir generell mit meinen Problemem und ich ihm mit seinen. Irgendwann haben wir uns verliebt und ja.
Seitdem hat sich einiges verändert, er hat viel weniger Zeit für mich und ich will ihm nicht einfach so mal schreiben, dass ich mich selbstverletze.
Ich hab zwar schon öfter angesprochen, dass es mir schlecht geht und da hat er sich dann auch wirklich Zeit für mich genommen (ne Woche oder so), hat aber wieder aufgehört damit.
Das mit den Wunden ist gar nicht schwer -ich weiß nicht wieviel ich da jetzt eigentlich sagen darf- da Winter ist, habe ich immer längere Sachen an. Falls ich dochmal etwas kurzärmeliges trage, überdecke ich die Verletzungen mit Make-Up (ich ritze mich an den Oberarmen) . Sollte er mir das Top also dochmal ausziehen, müsste er schon seeeeehr genau schauen, um das zu sehen.

Mh...ich kann ehrlich gesagt nicht wirklich sagen warum ich mich ritze. Es ist im Moment einfach alles so viel, dass oft schon eine Kleinigkeit reicht.

Ich lese viel und zeichne auch, bei beidem können meine Gedanken aber leicht abgleiten. Deswegen schaue ich in letzter Zeit sehr oft die Serie „Friends“, da ist nichts trauriges dabei und wenn ich mich konzentriere, gleiten meine Gedanken nicht ab.
Von Zeit zu Zeit schreibe ich auch, Poetry.

Ich versuche mich einfach viel zu beschäftigen.


Liebe Grüße, ButterflysDarling

Das Leben kann schön sein!
Maren Teamer(-in) 08.12.2018 21:33

Liebe Butterfly,

es beeindruckt mich, wie du über deine Mutter schreiben kannst. Du scheinst ihre Geschichte gut zu kennen und weißt, dass sie selbst Probleme hat, die vielleicht in der Kindheit entstanden sind oder auch erst später. Jedenfalls finde ich es schön, dass du Verständnis für sie aufbringen kannst.
Aber so wie du ihr Verhalten beschreibst, muss es eine große Herausforderung sein, mit deiner Mutter zusammenzuleben. Du schreibst, dass sie leicht reizbar ist und du oft das Gefühl hast, sie möchte dir zeigen, dass du ihr egal bist. Es ist nicht leicht, mit einem so wechselhaften Menschen zusammenzuleben, besonders wenn es die Mutter ist. Es würde mich zumindest total verunsichern, wenn nie klar ist, wie sie reagieren wird oder ob und warum sie gerade auf mich sauer ist.
Denkst du denn, dass sie dich immer liebt, auch wenn du ihr "egal" zu sein scheinst?

Ich verstehe deinen Beitrag so, dass du dich deiner Mutter für deine aktuellen Probleme nicht anvertrauen möchtest. Du brauchst sie, um die Therapie zu beantragen, aber möchtest das Thema selbst nicht mit ihr besprechen. Liege ich da richtig oder würdest du deiner Mutter am liebsten doch von allem erzählen?

Du schreibst, dass dein Freund sich weniger Zeit für dich nimmt als zu Beginn eurer Beziehung. Zu Beginn scheint ihr euch sehr unterstützt zu haben und hattet engeren Kontakt, jetzt seid ihr euch nicht mehr ganz so nahe. Ihr habt viel Schwieriges zusammen erlebt - denkst du nicht, dass er auch mit deinem jetzigen Problem umgehen könnte?
Du musst es ihm nicht direkt per Whatsapp schreiben. Stattdessen kannst du ihm auch nur etwas schreiben wie "wir müssen reden" oder "ich muss dir etwas wichtiges sagen", damit er weiß, dass es ernst ist. Denn genau das ist es! Du leidest sehr unter der aktuellen Situation und das sollte er erfahren.
Ihr könntet euch dann irgendwo treffen, wo ihr in Ruhe reden könnt, aber nicht ganz allein seid. Vielleicht bei einem Spaziergang oder in einem Lokal? Meiner Erfahrung nach ist das eine ganz gute Möglichkeit, etwas Wichtiges loszuwerden - vage Vorankündigung per SMS, dann irgendwo in der Öffentlichkeit treffen. Ein bisschen Überwindung gehört dazu, wenn man es dann tatsächlich ausspricht. :)

Könntest du dir denn grundsätzlich vorstellen, deinen Freund einzuweihen?
Oder kannst du dir vorstellen, dich deiner besten Freundin anzuvertrauen (wenn sie das jetzt noch ist)?

Zum Ritzen hast du übrigens nicht zu viel geschrieben, dafür gibt es ja das SVV-Forum. :)

Ich würde dir gerne mitgeben, bei Google "Liste angenehmer Aktivitäten" zu suchen. Die Ergebnisse erschlagen einen fast, aber wenn du so eine Liste öffnest, findest du ganz viele mögliche Aktivitäten, die einem helfen, mit Stress umzugehen, sich zu entspannen und auf andere Gedanken zu kommen. Natürlich helfen nicht alle bei jedem. Aber vielleicht ist für dich etwas dabei!
Es kann tatsächlich in Anspannungssituationen (z.B. bevor man sich ritzt) helfen, wenn man sich quasi selbst "verordnet", einen Spaziergang zu machen, oder eine Folge Friends zu schauen, oder irgendetwas zu zerschlagen. Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Alles ist gut, solange es dir irgendwie hilft, dir aber nicht schadet. :)

Noch etwas: Es ist alles andere als eine verrückte Idee von dir, Psychiaterin zu werden! Viele PsychiaterInnen und PsychologInnen haben selbst Probleme und ich denke, dass du tatsächlich recht damit hast, dass du Menschen besser helfen kannst, wenn du deren Probleme selbst erlebt hast.
Es kann dich auch stärken, dir dieses Ziel immer wieder bewusst zu machen. Und so empathisch und reflektiert wie du bist, kannst du es auf jeden Fall schaffen.


Lieber Gruß,
Maren

Maren
Teamerin
Beratung4Kids
ButterflysDarling 09.12.2018 21:18

Danke Maren für die Antwort!

Man gewöhnt sich an meine Mutter. Es ist zwar schwierig, aber man lernt damit unzugehen und sie nicht mehr zu nah an sich heranzulassen. Auch wenn sie gemein wird, muss man das über sich ergehen lassen und sich dann verkriechen.
Und nein, ich möchte mich meiner Mutter nicht anvertrauen.

Mein Freund nimmt sich weniger Zeit und ich möchte ja mit ihm reden, aber ich weiß nicht wie. Manchmal macht es mich so traurig, dass er keine Zeit hat, vorallem nach einem schlimmen Tag, dass ich mich nur in mein Zimmer verkrieche und warte bis ich einschlafe, bevor ich mir was tue.

Mit meiner besten Freundin rede ich zwar manchmal und das tut auch gut -sie weißt auch SVV auf- aber ich sehe sie seltener wie früher und das macht es auch schwieriger und schlimmer.

Ich freue mich auf eine baldige Antwort, mit lieben Grüßen BD.

Das Leben kann schön sein!
Maren Teamer(-in) 10.12.2018 13:20

Liebe BD,
(so werde ich dich ab jetzt nennen, wenn es okay ist.)
Zunächst wünsche ich dir alles Gute für dein neues Lebensjahr, viele wunderbare Momente und dass alle deine Wünsche in Erfüllung gehen! :)

Nun klingst du in deiner letzte Antwort recht niedergeschlagen. Wie wäre es, wenn du wieder den Blick nach vorne richtest? Jedes Tief hat irgendwann ein Ende und es gibt immer im Leben schöne Dinge, selbst wenn gerade nicht alles glatt läuft. :)
Du schreibst selbst in deiner Signatur, dass das Leben schön sein kann!

Die Beziehung zu den Eltern verändert sich, wenn man erwachsen wird, fast immer. Das ist eigentlich auch gut so, aber wenn du darunter leidest, ist das gar nicht gut. Was würdest du dir denn ganz konkret wünschen, was anders sein sollte? Vielleicht kannst du eine bestimmt Situation der letzten Tage beschreiben?

Es klingt für mich so, dass du dir ganz dringend wünschst, dass sich dein Freund mehr Zeit für dich nimmt und du ihm von deinen Problemen erzählen kannst.
Mich würde total interessieren, ob du noch weißt, wie du es beim letzten Mal gemacht hast, als du ihm vom SVV erzählt hast?
Ich glaube fest an dich, dass du es diesmal auch schaffen kannst!

Was deine beste Freundin angeht, ist es wohl tatsächlich schwierig, wenn sie selbst mit SVV kämpft. Wenn du es ihr erzählst, könnte das sie entweder triggern, oder es könnte euch beiden helfen, beides wäre möglich. Das musst du selbst einschätzen, da kann ich dir leider keinen Rat geben, ich hoffe das ist okay. :)

Zu deinen Ängsten nochmal: Du musst mir darauf nicht antworten, kannst es auch einfach für dich selbst versuchen zu beantworten. Weißt du denn, was genau deine Ängste sind? Verletzt du dich selbst wegen diesen Ängsten oder sind noch andere Gefühle im Spiel? Kannst du sie ganz konkret benennen? Welche Auslöser gibt es für diese Gefühle?
Oder anders gefragt: Welches Gefühl ist denn weg, wenn du dich selbst verletzt hast?
Ich könnte mir vorstellen, dass es für dich hilfreich sein könnte, ein bisschen Ordnung in deinen Kopf zu bekommen und wenn du die Fragen für dich beantworten kannst, wäre das ein großer Schritt nach vorne, um die Gefühle dann abschwächen zu können. Gerne kann ich dir zum Abschwächen von Gefühlen ein paar Tricks geben, wenn du möchtest.

Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche!

Liebe Grüße,
Maren

Maren
Teamerin
Beratung4Kids
ButterflysDarling 10.12.2018 14:58

Danke, liebe Maren,
es ist total okay, wenn du mich BD nennst -ist ja viel kürzer.

Es gibt halt einfach gute und schlechte Tage. So wird es immer sein, ich denke diese Tiefs in meiner Psyche werden auch nicht mehr weggehen, damit habe ich mich eigentlich abgefunden. Schlimm wird es nur wenn ich mich in einem solchen Tief befinde oder diese Angstzustände erleide.
Aber ja, das Leben kann schön sein.

Ich rede fast immer mit meiner besten Freundin, wir stützen uns irgendwie, aber wir haben einfach nicht mehr so viel Zeit füreinander.

Ich wünsche mir wirklich, dass er sich mehr Zeit nimmt, aber ich kann auch verstehen, wenn das oft nicht geht, es tut einfach nur so weh.
Ich weiß nicht mehr genau wie es beim letzten Mal war -ich hab mich auch schon im Laufe unserer Beziehung selbstverletzt- er hat mir irgendwas gesagt, wo er nicht ganz ehrlich war, da hat es sich angeboten.

Ich weiß nicht woher diese Ängste stammen, dass ist echt schlimm für mich.
Ich verletzte mich aus den verschiedensten Gründen, meistens wenn ich mich alleine fühle und so unendlich traurig und fertig.
Ich weiß nicht genau was der Auslöser ist, meistens reicht eine Kleinigkeit und das Fass läuft über.
Wenn ich mich dann verletzte...dann...ich weiß nicht wie sich Drogen anfühlen, aber so stelle ich es mir vor, sobald ich anfange zu schneiden, fühle ich mich unendlich erleichtert.

Liebe Grüße, BD

Das Leben kann schön sein!