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Thema: Kontrolle in meiner Familie

Eröffnet am 30.12.2025 um 09:13 Uhr

userm
30.12.2025 09:13
Hallo,

ich bin 13 Jahre alt. Ich erlebe seit längerer Zeit große psychische Belastung und Druck in meiner Familie.

Ich fühle mich zuhause nicht mehr sicher oder wohl. Vor allem mein Vater verhält sich stark kontrollierend. Bei meiner Mutter ist die Vorstellung der Kontrolle mild bis teilweise vorhanden, aber sie zwingt mich zu fast nichts, akzeptiert meine Meinung und mich. Mein Vater trifft viele Entscheidungen für mich, auch in Bereichen, die meine persönliche Entwicklung betreffen. Dazu gehören zum Beispiel, dass ich Arabisch lernen soll, obwohl ich das nicht möchte, sowie Vorgaben zu meinem Verhalten (z. B. dass ich immer lächeln, ihm blind gehorchen oder zustimmen soll).

Wenn ich meine Meinung äußere oder Nein sage, werden meine Grenzen oft nicht respektiert. In Gesprächen darüber kam es auch zu körperlichen Übergriffen (hartes Anfassen am Ohr, Schläge auf Wange oder Kopf). Meine Meinung wird dabei als falsch oder unmoralisch intrepretiert, wenn sie nicht seinen Erwartungen entspricht.

Diese Situation belastet mich sehr. Ich fühle mich seit Monaten – möglicherweise schon länger – dauerhaft unter Druck, angespannt und im „Überlebensmodus“. Ich habe Schlafprobleme und Alpträume und denke manchmal an Suizid, ohne es umzusetzen. Ich bin emotional erschöpft und habe das Gefühl, nicht ich selbst sein zu dürfen.

Ich habe mehrfach versucht, mit meinem Vater zu reden, aber meine Wünsche, Bedürfnisse und Entscheidungen werden weiterhin übergangen. Ich möchte altersangemessen selbst über Dinge entscheiden dürfen, zum Beispiel darüber, was ich lerne oder ob und wie ich meine Haare schneiden lasse, oder ob ich mein Haar spende oder nicht, oder meine Grenzen, wer mich berühren darf, usw. Außerdem auch vieles mehr.

Nun brauche ich Rat, welche Schritte sinnvoll sind. Ich habe Sorge, dass sich meine Situation weiter verschlechtert. Bespricht mögliche nächste Schritte zunächst mit mir. Ich habe schon nachgedacht, ob es sinnvoll wäre, das Jugendamt per E-Mail zu kontaktieren. Kommentiert diese Idee bitte auch.

Zuletzt editiert am: 30.12.2025 14:44, von: userm

userm
03.01.2026 19:25
Hallo Anna,

danke für deine Antwort. Allerdings habe ich gestern das Jugendamt per E-Mail kontaktiert. Die E-Mail wird wahrscheinlich am Mittwoch, den 7.1 (Januar), gelesen. Außerdem tat ich das ohne das Wissen meiner Eltern. Würden sie es herausfinden, könnte sich möglicherweise die Kontrolle versteigern. Aktuell heißt es also Wartezeit.

Zu dem Thema Schlaf: Ich versuche mich wachzuhalten, aber mein Körper wirkt automatisch müde und schläft letztendlich doch ein. Das liegt vermutlich an die Gewohnheitsbildung davon. Mal habe ich Erfolg, mal auch nicht. Ich schlafe tagsüber ungefähr 1-2 Mal pro Tag. Das liegt entweder an den mangelnden Nachtschlaf – aufgrund von nächtlichem Grübeln oder mild bis intensiven Suizidgedanken – oder an dem Wunsch nach Komfort.

In der Schule kann ich manchmal müde sein, das auch an den Mangel von Nachtschlaf oder an dem Wunsch nach Komfort liegen kann. Oft grüble ich auch in den Pausen, aber ich habe oft das Gefühl der Geborgenheit, wenn ich mich in der Schule befinde als im eigenen Zuhause. Ansonsten geht es mir in der Schule gut.

Ich würde dankbar sein, wenn du einige Tipps zu den Schlafproblemen hättest und du mir sie geben könntest. Jedoch sollten diese effektiv, seriös und nützlich sein. Ich bin mir aber bewusst, dass du mir nichts garantieren kannst.

Ich werde es mir mit dem moderierten Gruppenchat überlegen. Vielleicht sehen wir uns dort.

Mit freundlichen Grüßen
userm
userm
03.01.2026 19:40
Hallo Anna,

ich habe vergessen zu erwähnen, dass es beim Thema „Mangel an Nachtschlaf" nicht nur diese Gründe möglich sind. Auch liegt es manchmal an eine bewusste Verzögerung oder Verschiebung des Schlafes aus unzähligen Gründen.

Mit freundlichen Grüßen
userm
Anna
Peer-Berater(-in) 05.01.2026 21:06
Hallo,
erstmal tut mir leid dass ich jetzt erst antworte, ich hatte leider einiges um die Ohren und wollte dir lieber in Ruhe antworten. Wie geht's dir denn inzwischen? Hat sich schon was neues ergeben? So wie sich das anhört scheint ja die Schule ein Ort zu sein, wo du dich wohlfühlst, was erstmal gut klingt.
Was den Schlaf angeht, habe ich gerade auch nochmal recherchiert. Was mir persönlich hilft ist, dass ich abends gerne den Tag einmal reflektiere und für mich durch gehe. Dabei Frage ich mich, was für mich anstregend war, was eher leicht war, welche positiven und negativen Dinge es am Tag gab und was mir sonst alles durch den Kopf geht. Das hilft mir schon mal mich zu sortieren. Dann denke ich auch: Was habe ich heute eigentlich für mich getan?
Also im Grunde kann eine "Tagesreflexion" schon helfen. Die kannst du wenn du möchtest auch gerne hier machen. Ich lese mir das gerne durch und dann können wir gerne darüber sprechen. Wenn du möchtest, können wir auch gemeinsam nach Punkten schauen, welche du reflektieren könntest. Ich kenne grundsätzlich da auch eine Schdeibtechnik, welche auch zur Entspannung beitragen kann. Das wäre in dem Fall das assoziative schreiben. Ich weiß nicht, ob dir das was sagt, aber da geht's darum, dass du eine feste Zeit alles aufschreibst, was die durch den Kopf geht. Das muss keine Zusammenhänge oder sonstiges haben. Das einzige was wichtig ist, ist dass du nicht darüber nachdenken, was du da eigentlich gerade schreibst. Es gibt da ein kein richtig und kein falsch. Ansonsten heißt es im Internet, dass man versuchen soll ungefähr eine Stunde vorm schlafen gehen digitale Geräte wegzulegen. Vielleicht kannst du ja was lesen? Mir hilft das zum Beispiel um runter zu kommen und abzuschalten. Außerdem, können auch feste Schlafrhythmen helfen. Nachdem was du mir erzählt hast, kann mir vorstellen, dass das für dich nicht einfach sein kann, da einen Rhythmus zu finden, aber auch da können wir gerne zusammen mal drauf schauen.
Liebe Grüße
Anna

Anna
Peer-Beraterin
Beratung4Kids
userm
06.01.2026 17:21
Hallo Anna,

auf den ersten Blick erscheinen diese Tipps effektiv. Ich überlege, ob ich diese aber auch anwende. Mir geht es inzwischen gut, trotz meines Zustands. Ich werde mich vielleicht melden, falls ich zu diesem Thema Beratung oder Hilfe benötige.

Mit freundlichen Grüßen
userm
Aleixxxa
15.01.2026 14:19
Hallo, erst einmal danke, dass du den Mut hattest, das zu schreiben. Was du beschreibst, ist nicht normal und vor allem nicht deine Schuld. Dauernder Stress, Angst, missachtete Grenzen und erst recht körperliche Gewalt sind sehr ernst zu nehmen. Dein Körper und deine Psyche reagieren darauf, deshalb kommen Erschöpfung, Albträume und dunkle Gedanken.

Das Jugendamt zu kontaktieren ist eine sehr gute Idee. Es geht dort nicht darum, Eltern sofort zu bestrafen, sondern deine Situation einzuschätzen und dich zu schützen. Sprich auch mit einer erwachsenen Vertrauensperson: Schulsozialarbeiter·in, Lehrer·in, Schulpsycholog·in oder einer nahestehenden Person. In Deutschland gibt es zudem anonyme und kostenlose Hilfetelefone für Kinder und Jugendliche.

Du hast ein Recht auf deine Meinung, dein Körper gehört dir, und in deinem Alter solltest du bei Entscheidungen über dein Leben mitreden dürfen. Wenn die suizidalen Gedanken stärker werden, hol dir bitte sofort Hilfe. Du hast ein Recht auf Sicherheit und darauf, du selbst zu sein.