Thema: Ungesagtes

Eröffnet am 24.09.2018 um 22:14 Uhr

Unloved-lady 24.09.2018 22:14

Hallo zusammen,

ich habe einem kurzlich Verstorbenen aus der Familie noch so viel zu sagen. Aber jetzt ist meine Chance weg.
Was glaubt ihr, passiert mit den Menschen nach dem Tod? Sind sie immer noch bei uns? Können sie uns hören?
Wie kann ich ihm das doch irgendwie mitteilen... So, dass ich das Gefühl bekomme, dass er es auch erfahren hat. Das würde mir so viel Last nehmen du Schuldgefühle und der Schmerz, erdrücken mich.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Ideen mitteilen könnt. Die Beerdigung ist vermutlich Donnerstag oder Freitag. Der Termin steht noch nicht fest.

Danke!
Unloved-lady

Daddy, I'm alone 'cause this house don't feel like home
† 24.09.2018
Robin Peer-Berater(-in) 25.09.2018 00:57

Hallo Unloved-Lady,
ich heiße Robin und bin Peer-Berater.

Ich selbst habe im März meinen kleinen Neffen mit fast fünf Jahren verloren und auch ich habe mir schon oft die selbe Frage gestellt.
Wie geht es nach dem Tod weiter? Wie geht es den Menschen im "Leben danach"? Sind sie noch bei uns?
Auf das alles kann ich dir leider keine genauen Angaben machen, aber eines kannst du dir sicher sein - sie werden auch uns wohl nicht vergessen!
Wir haben in unserem Garten ein kleines Beet mit seinen Lieblingspflanzen angelegt, andem ich Ihm jeden Morgen hallo und jeden Abend eine gute Nacht wünsche.
Was mir auch oft hilft, ist es einfach in den Himmel zu schauen und mit Ihm sprechen. Das klingt jetzt abstrackt, aber es hilft!
Man bekommt dadurch das Gefühl, nicht alleine mit dem Problem zu sein und von oben schein etwas zu antworten.

Ich wünsche dir und deiner Familie auf jeden Fall mein Beileid und dass ihr alle schnell wieder euren normalen Alltag bewältigen könnt.
Vielleicht konnte ich dir ja etwas helfen.

Liebe Grüße
Robin

Robin
Peer-Berater
Beratung4Kids
Unloved-lady 25.09.2018 16:57

Hallo Robin,

Danke für deine Nachricht.
Es ist einfach so komisch. Das Gefühl. In meinem Alter den eigenen Vater beerdigen zu müssen. Ich bin nicht alleine, aber das ändert daran nichts.
Ich muss meine Trauer jetzt hinten anstellen und für meine kleine Schwester da sein. Sie brauch mich jetzt.
Ich werde sie morgen fragen ob wir ihm einen Brief schreiben wollen. Oder ein Bild malen. Oder ob sie etwas anderes machen möchte.. sie ist erst 7 und muss damit nicht alleine klar kommen.

Unloved-lady

Daddy, I'm alone 'cause this house don't feel like home
† 24.09.2018
Robin Peer-Berater(-in) 25.09.2018 23:19

Hallo Unloved-Lady,

die Idee mit dem Brief und das Malen eines Bildes finde ich sehr schön.
Ich denke, du bist eine tapfere und tolle Schwester und ihr werdet es sicher aus dieser richtig mießen Kriese schaffen! *Zwinkern*
Gerne schreibe ich weiter mit dir und muntere dich so gut wie es geht auf.

Liebe Grüße,
Robin

Robin
Peer-Berater
Beratung4Kids
CharlotteBranwell 26.09.2018 20:43

Hallo.
Ich denke, was wir erwarten, was nach dem Tod kommt, muss jeder mit sich selber ausmachen - überprüfen kann es leider niemand. Ich glaube fest daran, dass die Verstorbenen in ein Paradies kommen, dass sie weiterleben und uns vielleicht sogar hier auf der Erde sehen können. Das wir die Menschen, die uns wichtig sind, eines Tages wiedertreffen. Und vor allem: Ich glaube daran, dass sie Nachrichten von uns empfangen können. Das sie hören, was wir ihnen zu sagen haben. Ob wir das nur im Kopf tun oder laut, als Brief oder als Bild. Es ist mein persönlicher Glaube - meine Art, damit umgehen zu können.
Was ich lange Zeit getan habe, nachdem mein Kaninchen verstorben war: Ich habe ein Bild gerahmt und ein Kreuz aus Papier gebastelt und bunt angemalt (Ja, bunt - auch wenn es den Tod symbolisierte). Dieses Bild habe ich auf mein Regal gestellt und Abend für Abend eine Kerze daneben angezündet. Und ich habe mit meinem Kaninchen gesprochen. So ähnlich wie ein Gebet.
Oder - eine Alternative: Irgendwann muss meine Mutter ein Kind verloren haben, das habe ich aber nur zufällig erfahren. Für dieses Kind, was ja im Prinzip mein Geschwisterkind wäre, habe ich ein Buch angelegt, in das ich regelmäßig Briefe schreibe. Briefe mit all den Fragen, die ich habe. Mit Sorgen und Ängsten. Briefe, in denen ich auch mal was erzähle. Ich glaube daran, dass das Sternenkind den Inhalt dieser Briefe erfährt. Zwischen den Briefen gestalte ich immer eine Seite mit einem schönen Spruch oder einem Bild. Es ist ein Erinnerungsbuch, wo ich Platz für all das habe, was ich diesem Kind so gerne mal sagen würde.
Vielleicht kannst du auch gemeinsam mit deiner Schwester jeden Abend ein Licht anzünden? Ich habe das mit meinen Geschwistern auch gemacht, als unser Kaninchen gestorben war - draußen im Garten. Wir haben Steine schön bemalt und so eine Laterne für draußen dazwischen gestellt, wo wir immer ein Licht anzündeten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein kleines bisschen helfen. Ich finde es sehr stark, dass du auch an deine Schwester denkst!
Und auch, wenn dein Vater nicht mehr hier auf der Erde lebt: In euren Herzen und Erinnerungen wird er weiterleben und solange ihr die Erinnerungen an ihn wachhaltet, wird er euch niemals ganz verlassen.
Liebe Grüße
Charlotte

Stay strong! Keep going!
Unloved-lady 26.09.2018 22:04

Hallo Robin, hallo Charlotte

wie ich ja gesagt habe, war ich bei meiner Schwester. Sie ist für ihre 7 Jahre sehr tapfer und scheint das gut zu verkraften. Ich habe sie aber trotzdem erstmal fest in den Arm genommen, das hat auch mir gut getan. Ich habe sie auch gefragt, ob sie glaubt, ob Papa uns hören kann, wenn wir mit ihm sprechen, ob er mit uns sprechen kann und ob er den Brief lesen kann... Das hat sie alles bejaht...

Ich hatte heute den Termin beim Bestatter.. Das war so schwer... ich wollte da gar nicht rein. Die Bestattung des eigenen Papas in Auftrag geben. Dann habe ich noch so viel erfahren, dass ich nicht wusste und mir auch nicht vorstellen konnte... Wie sehr er wirklich gelitten hat, wie viele Schmerzen er hatte. Den Grund für das Organversagen... Das lässt meine Schuldgefühle nochmal größer werden..
Ich hoffe einfach nur, dass die Bestattung und die Trauerfeier in seinem Sinne sein wird, dass ihm die Urne gefallen wird und dass er seinen Frieden finden wird und dass er mir vielleicht irgendwann meine Fehler verzeihen wird...
Ich will das alles nicht mehr.. das ist so anstrengend.. Gestern Abend habe ich wieder nur geweint... solange, bis ich irgendwann eingeschlafen bin... Es tut einfach so weh..

Ich mache eine Kerze für ihn an... Nur ein Teelicht, aber ich werde mir da noch etwas einfallen lassen... Ein Foto von ihm, und jeden Abend eine Kerze anzünden.

Liebe Grüße
Unloved-lady

Daddy, I'm alone 'cause this house don't feel like home
† 24.09.2018
Robin Peer-Berater(-in) 28.09.2018 10:25

Hallo Unloved-Lady,

so ein Bestattungstermin und alle davorigen Erledigungen sind natürlich nichts für schwache Nerven und erstrecht nicht, wenn man selbst familienangehörig ist! Aber ich habe großen Respekt davor, dass du das so gut und tapfer meisterst und vorallem deiner jüngeren Schwester beistehst.
Familienzusammenhalt ist in solchen Fällen sehr wichtig!
Ich finde dein Ritual mit dem Teelicht sehr schön. Das mache ich bei beinem Neffen auch täglich.
Ich glaube stark daran, dass es deinem Vater dort oben sehr gut geht und Er täglich auch zu euch hinab schaut und euch hütet.
Bleibt stark und tapfer!

Liebe Grüße,
Robin

Robin
Peer-Berater
Beratung4Kids
CharlotteBranwell 28.09.2018 15:27

Hallo.
Ich glaube, für jüngere Kinder sind solche Todesfälle in der Familie sogar oft weniger schlimm als für uns "große". Sie nehmen das alles viel selbstverständlicher und gewöhnen sich vielleicht auch schneller an die neue Situation. Außerdem stellen so junge Leute nicht alles in Frage: Kann er uns von dort sehen? Hören? Beobachten? - sie wissen ganz genau, was sie denken, wie es ist und finden das dann ganz selbstverständlich. Verstehst du, was ich meine? Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht trauern, nicht vermissen - nur eben auf eine ganz andere Weise.

Dass es dir sehr schwer gefallen ist, zum Bestatter zu gehen, glaube ich dir sofort. Das ist jetzt wahrscheinlich eine sehr blöde Frage, aber warum musst du das alles planen und nicht deine Mutter? Und warum hast du so viele Schuldgefühle? (Antworte auf meine Fragen nur, wenn du das wirklich willst!)
Ich bin mir sicher, dass dein Vater seinen Frieden finden wird und ich gehe auch fest davon aus, dass du ihn gut genug kanntest, um die Trauerfeier, die Bestattung und alles weitere in seinem Sinne zu planen. Und vielleicht hat er dir deine Fehler auch schon längst verziehen?

Ich finde es gar nicht schlimm, wenn du viel weinst. Auch Weinen kann eine Erlösung sein und es ist meistens viel schlimmer, wenn man alles in sich hineinfrisst und gar nicht weint. Trauern gehört dazu, da ist nichts Schlechtes dran - du hast jemanden verloren, der dir nahe war.

Auch ein Teelicht ist eine Kerze und vielleicht ist es gar nicht mal so unpassend. Denn eine kleines Licht für einen kleinen Hoffnungsschimmer, der immer bestehen bleibt, ist doch eigentlich sogar ganz gut.
Ich bin mir sicher, dass dein Vater dich sieht und stolz auf dich ist, weil du dich so um deine kleine Schwester kümmerst und trotz deines eigenen Kummers stark für die anderen bleibst!

Liebe Grüße
Charlotte

Stay strong! Keep going!
Unloved-lady 28.09.2018 23:10

Hey,

stark bleiben... Wie soll das gehen? Ich bin nicht stark und ich war es auch nie. Dann kann ich nicht stark bleiben... Sieht man ja alleine daran, dass ich mich heute wieder verletzt habe, meine Klingen rausgeholt habe.

LG, Unloved-lady

Daddy, I'm alone 'cause this house don't feel like home
† 24.09.2018
Robin Peer-Berater(-in) 28.09.2018 23:26

Hall Unloved-Lady,

ich finde, Charlotte hat Recht.
Eine großer und wichtiger Punkt, starkt zu sein und zu bleiben, ist deine jüngere Schwester. Sie braucht dich und du brauchst Sie.
Ihr seid beide für einander da und das ist auch in solch einer Situation sehr wichtig und gut für beide.

Darf ich dich fragen, wie lange du nun pause mit dem selbst Verletzen gemacht hast, weil du schreibst "...dass ich mich heute wieder verletzt habe."

Hast du denn noch jemand anderen, mit dem du über all das ganze Geschehene sprechen kannst?

Liebe Grüße
Robin

Robin
Peer-Berater
Beratung4Kids
Unloved-lady 28.09.2018 23:46

Hallo Robin...

Pause waren jetzt etwa 4 Wochen... Seit dem letzten Telefonat mit Papa...

Jetzt hier, also zu Hause, habe ich gerade keinen.. Über das Selbstverletzen rede ich sowieso mit keinem

LG, Unloved-lady

Zuletzt editiert am: 29.09.2018 07:14, von: Unloved-lady


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† 24.09.2018