Thema: Bruder - Störung der Affektsteuerung

Eröffnet am 02.02.2018 um 18:34 Uhr

CharlotteBranwell 02.02.2018 18:34

Hallo.
Auch hier möchte ich gerne mal was loswerden in der Hoffnung Ratschläge zu bekommen, wie ich besser damit umgehen kann...
Mein kleiner Bruder geht bereits seit mehreren Jahren zu einer Psychologin, da er solange ich mich erinnern kann Wutanfälle hat, die durch eine Störung der Affektsteuerung ausgelöst werden. Dadurch kontrolliert er schon immer ein bisschen unser Familienleben, da er eben Theater macht wenn ihm etwas nicht passt und weil er besonders früher unabhängig davon, wo wir gerade waren, sich schreiend auf den Boden schmiss, wenn er sich über etwas (teilweise komplett unwichtiges) ärgerte. Das ist natürlich für mich als große Schwester nicht immer ganz einfach, gerade weil meine Geschwister für mich zu den allerwichtigsten Menschen in meinem Leben gehören und auch, weil ich eben schon mal zurückstehen musste, mehr als andere große Geschwister das müssen. Familienurlaub, Familienausflüge und Co sind bei uns immer so 'ne Sache... meistens endet sowas nicht wirklich positiv.
Viel schlimmer aber als diese einfachen "Ich will das nicht also tu ich es nicht" Wutanfälle sind die, bei denen er sich selber hasst. Er sagt über sich selbst er sei dumm, nichts wert, er könne nichts,... Und ich bekomme das selbstverständlich mit. Damit umzugehen fällt mir sehr, sehr schwer - auch wenn ich das vor meiner Familie nicht zeige. Es kommt auch vor, dass er sagt er springe aus dem Fenster o. ä. und ich habe wirklich Angst, dass er sich irgendwann umbringen könnte, denn diese psychische Störung wird ihn sein Leben lang begleiten. Vor einigen Wochen hat er nun in der Schule während eines Diktats einen Brief geschrieben, in dem er sich selbst zum Verkauf stellt - nur mit negativen Eigenschaften, die eigentlich gar nicht zutreffen. Er hatte für dieses Diktat nicht geübt und ist ohnehin schlecht in Rechtschreibung und dann hat er eben etwas anderes geschrieben...
Meine Eltern gehen mir gegenüber sehr offen damit um, sodass ich diesen Text auch selbst gelesen habe und das hat mich nochmal mehr geschockt. Eigentlich hat er genau das aufgeschrieben, was er sonst auch immer mal wieder sagt, aber es ist trotzdem was anderes.
Vielleicht kennt ja jemand diese Situation und möchte sich mit mir über seine Erfahrungen austauschen oder kann mir aus anderen Gründen Ratschläge geben, wie ich besser damit klarkomme... über beides würde ich mich freuen!
Liebe Grüße
Charlotte

Stay strong! Keep going!
Charly Forenleitung 04.02.2018 16:20

Liebe Charlotte,
auch von mir in diesem Forum noch einmal ein herzliches Hallo und Willkommen bei Beratung4Kids *Tschüss* Zu Beginn habe ich nur eine kleine organisatorische Anregung/Anmerkung: Ich habe gesehen, dass Du im SVV-Forum bei Lysann in Beratung bist und Ihr Euch schon super austauscht! Ich könnte mir vorstellen, dass die Belastungen, die sich durch die Situation mit Deinem Bruder ergeben, mitunter auch in den SVV-Druck hineinwirken, oder? Ich würde diesen Beitrag hier aber gerne offen lassen, damit Du, wie Du schon schreibst, Anregungen, Ideen und Unterstützung von anderen Userinnen und Usern bekommen kannst. Daher hoffe ich, dass Du hier schnell die ein oder andere Rückmeldung bekommst, wie Du damit umgehen könntest. Und ich denke, es wäre bestimmt hilfreich, diese Sorge auch noch einmal in der Beratung mit Lysann anzusprechen (falls Du es noch nicht getan hast). Ich glaube, es ist absolut nicht einfach, einen lieben Menschen so zu sehen und die Angst im Hinterkopf zu haben, dass er sich etwas antun könnte! Daher ist es absolut verständlich, dass Du momentan nicht weißt, wohin mit dem Druck.

Ich hoffe, dass wir einige Anregungen sammeln können, ganz liebe Grüße, Charly

Charly
Forenleitung allg. Bereich
Beratung4Kids