Thema: Entfremdung zu meinem Vater und Bruder

Eröffnet am 11.12.2017 um 22:05 Uhr

Jmorevolution 11.12.2017 22:05

Hallo Leute,
ich bin 19, etwas spätpubertierend und habe seit einem Jahr wieder Kontakt zu meinem leiblichen Vater und Bruder, nachdem wir 10 Jahre Kontaktpause hatten.
Am Anfang herrschte große Wiedersehensfreude, die bis heute immer noch anhält. Dennoch stellte sich die Zeit von vor einem Jahr bis jetzt als besonders gefühlsintensiv und herausfordernd dar, da wir eine schwere, gemeinsame, aber leider auch kurze Vergangenheit hinter uns haben. Ich kämpfe häufig mit Einsamkeitsgefühlen und wir geraten ebenso häufig in Missverständnisse. Leide heute noch unter meiner Vergangenheit, auch wenn es inzwischen schon 100 mal besser ist als vor zwei Jahren. Ich weiß manchmal gar nicht was ich machen soll.
Wünsche euch noch einen angenehmen Abend und danke, dass ihr mitgelesen habt.

Zuletzt editiert am: 13.12.2017 20:55, von: Jmorevolution

Tina-Maria Teamer(-in) 12.12.2017 16:54

Hallo Jmorevolution,

schön, dass du den Weg zu Beratung4Kids gefunden hast. Mein Name ist Tina, ich bin Teamerin und ich werde versuchen, dir weiterzuhelfen.
Du schreibst, dass zwischen dir, deinem Vater und deinem leiblichen Bruder 10 Jahre Kontaktpause geherrscht hat - magst du erzählen, wie es dazu gekommen ist? Und natürlich würde mich dann auch sehr interessieren, wie es andererseits dazu gekommen ist, dass ihr wieder Kontakt habt. Ich nehme an, dass du bei deiner Mutter lebst, liege ich da richtig?
Wenn du magst, darfst du auch gerne über die Schwierigkeiten, die sich in diesem einen Jahr ergeben haben, schreiben - ich denke, umso mehr Hintergrundinformationen ich von dir bekomme, umso besser kann ich dir Tipps und Ratschläge geben.

Ich freue mich von dir zu lesen!
Tina

Tina-Maria
Teamerin
Beratung4Kids
Jmorevolution 13.12.2017 20:54

Hallo liebe Tina und danke für die Antwort Daumen hoch ,

Ich habe vor einem Jahr noch bei meiner Mutter gelebt. Da ich jedoch von ihr in den 10 Jahren emotional Missbraucht wurde, hatte ich mich dazu entschlossen, in einer betreuten Wohngruppe zu leben um selbstständig zu werden. Den Kontakt habe ich nach meinem 2. Klinikaufenthalt wieder aufgenommen im November letzten Jahres. In diesen einem Jahr gab es schon sehr viele höhen und tiefen und es kommt immer noch zu Missverständnissen. Am meisten, wenn wir über Whatsapp kommunizieren, z.B. mir geht es schlecht und ich will mit Papa oder meinem Bruder reden, dann heißt es gekürzt: "Friss oder stirb, weil uns geht es auch schlecht". Ich unterstelle keine Absicht, aber ich fühle mich halt dann trotzdem alleine.
Wir sehen uns halt auch fast nie, weil Schule und Arbeit im Weg sind meistens.Wir überlegen schon die ganze Zeit, wie wir die Zeit irgendwie schön gestalten und gehen auch alle zur Familientherapie um die Situation zu bessern. Zu meiner Mutter habe ich den Kontakt nun komplett abgebrochen nach 18 Jahren "Gefängnis". Meine Mutter hat mir auch immer wieder Lügengeschichten über meinem Vater erzählt, damit ich ihn auch hasse. Das kann ich, zumindest noch, nicht verzeihen. Freunde hab ich nicht.

Zuletzt editiert am: 13.12.2017 20:57, von: Jmorevolution

Tina-Maria Teamer(-in) 15.12.2017 20:07

Hallo Jmorevolution ,
danke, dass du alle meine Fragen beantwortet hast - jetzt kann ich viel besser nachvollziehen, wie dein Leben im Moment aussieht! Es zeugt von großer Stärke, sich dazu zu entscheidet, selbstständig zu werden und dafür auch von zu Hause auszuziehen! Dar ich fragen, aus welchem Grund du in der Klinik warst?
Es ist leider oft so, dass Missverständnisse entstehen, wenn man seinem Gegenüber nicht vor sich sitzen hat, sondern "nur" schreibt - hast du es schon einmal versucht, deinen Papa anzurufen, wenn es dir schlecht geht, und auf Nachrichten zu verzichten? Wie oft seht ihr euch im Moment, um "Freizeitdinge" zu machen? Eine Familientherapie ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, oder was denkst du darüber?
Dass du den Kontakt zu deiner Mutter abbrechen musstest, tut mir leid. Wie geht es dir damit?
Ich freue mich von dir zu lesen.
Tina

Tina-Maria
Teamerin
Beratung4Kids
Jmorevolution 18.12.2017 18:00

Hallo Tina,
Ich habe tatsächlich es mit anrufen probiert, allerdings Arbeitet mein Papa auch lange und ist demnach selten erreichbar. Ich sehe ihn inzwischen einmal in der Woche (zumindest geplant), davor war es einmal im Monat. Mit meinem Bruder verhält es sich genauso. Ich versuche halt stark zu bleiben, weil ich weiß, wie schwer es auch für mein Papa und meinen Bruder sein muss und die halt auch psychisch vorbelastet sind.
Aufgrund von 10 Jahre Mobbing Erfahrung, der jahrelangen Misshandlung und Einsamkeit, kam ich für jeweils 2 Mal á 9 Wochen in die Klinik.
Ganz abschließen kann ich nicht, da sie lange Teil meines Lebens war, aber ich kann grad nicht für sie da sein und ich muss mich erstmal in den Griff beklommen um anderen helfen zu können.
Danke für dein Mitgefühl und dein Interesse, erlebt man nicht oft. Daumen hoch
Tina-Maria Teamer(-in) 20.12.2017 08:44

Hallo Jmorevolution,
welche psychische Vorbelastungen haben denn dein Papa und dein Bruder und wie gehst du damit um?
Ich finde es super, dass du stark dein möchtest - aber habe bitte auch immer im Blick, dass du auch auf dich selber aufpassen darfst und musst! Es ist sehr wichtig, dass du deine Energie nicht nur für andere brauchst, sondern auch dir mal etwas gutes tust.
Wie waren die Klinikaufenthalte für dich, bzw. bist du jetzt noch in Behandlung?
Schön, dass es dir gut tut, dich jemandem anzuvertrauen.
Ich freue mich, wieder von dir zu hören!
Tina

Tina-Maria
Teamerin
Beratung4Kids
Jmorevolution 20.12.2017 23:25

Hallo Tina,
Meine ganze Familie leidet unter mittelschweren Depressionen und Borderline, einschließlich mir.
Ich kriege es mittlerweile gut auf die Reihe mir was gutes zu tun jeden Tag.
Ich war zuletzt Mitte April diesen Jahres in einer offenen Klinik und werde Mitte nächsten Jahres wieder eine besuchen.
Ich habe auch soziale Schwierigkeiten, was den Umgang mit meist neuen Gefühlen in gewissen Alltagssituationen betrifft.
Bin halt auch die meiste Zeit einsam, weil keine Freunde in der nähe.
Man sagt ja, man soll nicht in Selbstmitleid versinken, aber irgendwann kommt man nicht mehr drum herum...
Tina-Maria Teamer(-in) 24.12.2017 10:47

Hallo Jmorevolution,
entschuldige, dass meine Antwort dieses Mal etwas länger gebraucht hat.
Ich finde es ganz toll, wie offen du mit dem Thema psychische Krankheiten umgehst und auch, dass du offen bist für einen weiteren Klinikbesuch. Hast du denn jemanden außerhalb deiner Familie, zu dem du Vertrauen hast und mit dem du über deine Sorgen sprechen kannst? Ich finde, dass das Reden über seine Probleme nichts mit Selbstmitleid zu tun hat - sondern dass das der erste Schritt sein kann, etwas zu verändern!
Wie verbringst du denn die Feiertage?
Ich wünsche dir frohe Weihnachten!
Tina

Tina-Maria
Teamerin
Beratung4Kids
Jmorevolution 25.12.2017 20:47

Hallo Tina,
Ich finde auch, dass es auf keinen Fall schwach ist, über sein Probleme zu reden. Mir wurde in der Vergangenheit auch so oft und sehr weh getan, dass es mir so ziemlich egal ist, ob mich jemand diesbezüglich hintergeht oder hintergehen möchte. Ich öffne mich so gut es geht und nicht all zu sehr und schaue, was auf mich zukommt.
So ein gesundes Maß an Selbstmitleid sollte auch nicht verboten sein, nur soll man nicht alleine sich darin schwelgen finde ich.
Ich habe Heiligabend mit meiner Familie verbracht und morgen gehe ich mit meiner Familie auf ein Konzert. Das wird super, auch wenn ich ein wenig nervös bin, weil es mein erstes Mal ist auf so einem Event *Umarmen*
Ich wünsche dir und allen anderen in dem Forum besinnliche und frohe Weihnachten weiterhin Daumen hoch .
Danke für dein offenes Ohr und deine lieben Worte.
Tina-Maria Teamer(-in) 30.12.2017 09:42

Hallo Jmorevolution,
wie geht es dir? Wie waren die Weihnachtsfeiertage für dich - und wie war das Konzert? *Lächelnd*
Du hast völlig Recht, wenn du sagst dass man nicht in Selbstmitleid schwelgen sollte. Ich finde, dass ist eine sehr gute Einstellung.
Viele Grüße
Tina

Tina-Maria
Teamerin
Beratung4Kids
Jmorevolution 01.01.2018 17:12

Hallo liebe Tina,
Es geht mir durchwachsen, aber ich konnte die Feiertage mit meiner neuen Familie verbringen Daumen hoch
Ausgenommen meinem Bruder, aber der war zum Glück auch nicht alleine. Ich habe nur immer die Angewohnheit, dass es mir nach meinem Familienbesuch um einiges schlechter geht als währenddessen. Das liegt vermutlich daran, dass dies bei mir früher ähnlich war. Ich bin auch während des Besuches sehr unsicher in meinen Handlungen und Aussagen. Ich flüchte mich gerne meistens in der Rap-Musik.
Ich hoffe, du hattest auch schöne Feiertage Daumen hoch
Liebe Grüße,
Jens