Thema: Ich habe so furchtbare Angst vor dem zunehmen, was kann ich da machen?

Eröffnet am 23.07.2016 um 19:59 Uhr

N.Leah.M 23.07.2016 19:59

Guten Abend,

ich habe Vollgenes Problem. Ich bin Weiblich und 1.56 groß und habe in letzter Zeit einiges Zugenommen. Gerade geht es wieder langsam,in meinen Augen sehr langsam etwas runter (wiege derzeit ganze 56 Kilo)
Ich bin noch arg unzufrieden mit mir und dem Gewicht.
Aber das schlimmste ist einfach die Angst vor dem zunehmen, ich will nicht wieder zunehmen, dass wäre das schlimmste, was mir passieren könnte, ich weine ständig vor angst, sobald die Waage wieder mehr anzeigt oder etwa genauso viel steht, wie am Vortag. Da wird mir ganz komisch und mein ganzer Tag ist kaputt. Ich denke dann nur daran, wie ich diese Kilos weg bekomme. *Leer*
Zudem bin ich nun ganz frisch verliebt und ich glaube, dass sie genauso empfindet. Jedenfalls hat sie ein Liebesgedicht (laut ihr) geschrieben und gesagt : ,,for you,from me" Und am Ende steht :
denn ich habe es schon mal gesagt ...,,ich liebe dich"... Und das heißt ja wohl, dass da mehr läuft,als nur ,,beste Freunde" ...
Und wisst ihr wie verdammt schwer es ist, jemanden seine Gefühle zu offenbaren und dann noch meiner besten Freundin,also auch dem gleichen Geschlecht?
Mein Selbstvertrauen ist sowieso kaputt und der Selbsthass ist auch recht enorm. Und nun,wo ich weiß, dass sie ähnlich empfindet, will ich ihr noch besser gefallen. Sie ist so schön schlank,sieht super sportlich aus und ist einfach nur wow. Und ich, bei mir ist einfach alles voller Speck, ich bin ein langweiliger Typ...Nun bringt sie mich einfach um den Verstand und anstatt Sport zu machen, wandern zu gehen und darauf zu achten, nicht so viel zu essen, sehne ich mich eher danach mit ihr etwas zu unternehmen. Was zu folge hat, dass die Angst zuzunehmen und dass sie sich vor mich ekeln wird, steigt... Ich weiß, dass ich wohl kaum zunehmen werde, da ich noch recht viel in Bewegung bin, immer noch nicht soooo viel esse und viel trinke (ca 4 Liter) ...Und doch besteht die Angst und diese Angst ist fehl am Platz. Ich habe mir vorgenommen in den Ferien abzunehmen und ich werde abnehmen, aber diese Angst hemmt mich so arg, dass ich kaum noch zur Ruhe komme und sozusagen in der Nacht anfange Sport zu machen, obwohl ich da schlafen sollte.Noch dazu rutsche ich wieder in die Bulimie rein, sobald ich mehr esse als ich will und ich esse nicht einmal süßes,fettiges oder sonst wie was, dass als ungesund gilt, erbreche ich...Sobald die Ungewissheit kommt, wie viele Kalorien und Kohlenhydrate ich zu mir nahm, erbreche ich...Sobald ich etwas esse,mit zusätzlichen Zucker, faste ich den nächsten Tag... Ich weiß nicht wann es so extrem wurde, dass ich wirklich IMMER nur an mein Gewicht gedenke und an die Angst zuzunehmen. *Errötet*
Und wenn ich mal nicht konkret daran denke,was ich da gerade esse,wie viel ich schon zu mir nahm oder die Angst zuzunehmen,dann denke ich daran,ab wann sie Tschüss sagt. Oder ich bin wieder in ,,anderen Welten" unterwegs oder zerreiße mir, was nur in ,,guten Zeiten" vorkommt den Kopf mit irrelevanten Fragen. Ich weiß echt nicht mehr weiter, ich will so gerne abnehmen, schlank sein, dass die Angst mich verfolgt, zuzunehmen... Und diese Angst will ich los werden, wenigstens die Angst. Eventuell hört dann auch das Erbrechen wieder auf, was ich mir irgendwie schon erhoffe.... *Verwirrt*
Ich bin auch in Therapie, aber mit meiner Therapeutin spreche ich nicht darüber....Jemand, meine Lehrerin meinte ich sei Essgestört, weil ich anfing zu weinen und ihr dann erzählte, wie arge angst ich vor dem Essen habe, dass es mich anekelt und ich mich davor fürchte zuzunehmen. Aber ich sehe mich nicht als Essgestört an,also nicht als richtige. Nur das erbrechen ist in meinen Augen etwas Auffällig.Und selbst wenn ich essgestört bin, so sehe ich ja nicht danach aus...
Jedenfalls. Könnt ihr mir Helfen? *Weinend*

Liebe Grüße
N.Leah.M
N.Leah.M 03.10.2018 21:52

Liebe Weda,

in den letzten Tagen hat sich wieder sehr viel ergeben, momentan ist wirklich allerhand los.

Erst einmal zu meiner Freundin.
Ich befand mich ja an dem Punkt, wo ich unsere Beziehung in Frage gestellt habe, sie hat mich wirklich sehr verletzt und ich glaubte nicht, dass sie es ernst mit mir meinen würde und ich wusste nicht, wie ich mich entscheiden sollte.
Hinzu kam ihr sexuelles Verlangen, welches ich nicht teilte.
*Kichernd* Aber diese Probleme haben wir größtenteils gelöst.
Nachdem sie sich am nächsten Tag bei mir entschuldigt hatte und mir die darauffolgenden Tage nichts mehr in der Richtung schrieb, war es auch für mich in Ordnung oder es hat mich wohl eher gesagt zum Nachdenken angeregt und mir wurde klar, dass eine Beziehung auch ab und an Kompromisse fordert.
Mir wurde bewusst, dass ich eben starke Gefühle für sie hege und ich mit ihren vermeintlichen Macken versuchen will umzugehen.
Wir sprachen miteinander und ich bin zwar nicht wirklich auf Sex aus, doch weil sie eben schon gerne will, willigte ich ein, dass ich es versuchen wollen würde.
An meinen Geburtstag stand sie dann mit Blumen vor meiner Tür, schenkte mir einen wundervollen Vorrat an Tee und kümmerte sich wirklich herzlich um mich, da ich zudem krank war.
Sie unterstützte mich beim aufräumen und beseitigen der Spuren, sie machte mir Tee und wollte gar für mich kochen.
An dem Abend führte dann eins zum andern und wir haben miteinander geschlafen, es kam sehr unverhofft.
Ich hatte angenommen, dass ich es nicht können würde, dass ich völlig fertig danach wäre, aber sie war so zärtlich und vorsichtig, dass es gar nicht möglich war angetriggert zu werden.
Ich musste nur ,,rot" oder ,,Stopp" sagen und sie hörte sofort auf und wir sprachen vorher, während und danach auch sehr viel.
Am Anfang packte mich die Angst, aber sie sprach mir beruhigend zu und gab mir Zeit mich zu beruhigen.
Ich brauche zwar nicht wirklich Sex, aber ich denke meine Freundin und ich werden uns was dies anbelangt irgendwo treffen
Jetzt kann ich auch mit gutem Gefühl sagen, dass ich keine Jungfrau mehr bin. *Kichernd*
Auch was die Zeit anbelangt, haben wir nun einen Kompromiss für die nächsten Wochen, sie hat nun das ganze Wochenende für mich Zeit, danach ist sie dann im Urlaub und nach dem Urlaub kommt sie zu mir.
Also, um es auf den Punkt zu bringen, ich arbeite an mir, an meinen Problemen und ziehe nicht meinen Schwanz ein.
Es ist teilweise echt hart und es wird gewiss auch noch an manchen Stellen härter, aber irgendwann muss ich diese Schritte ja eh gehen.
Jedoch heißt das auch, dass ich ihr eventuell von dem erbrechen berichten sollte.

Ich habe mit meiner Therapeutin besprochen, dass ich erst einmal in der Therapie weiter kommen soll und sie meinte auch, sie würde gerne mit mir EMDR machen, aber das nur, wenn ich stabil bin und nicht mehr kotze oder mich ritze...
An sich hat sie meine Idee, mein Vorhaben nicht kommentiert.
Davor habe ich mich Ende August oder Anfang September geritzt. Ich ritze mich nicht mehr täglich, aber mindestens 1-4 mal im Monat.
Ich würde sehr gerne konkreteres von Dir hören.

Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche
Mit Lieben Grüßen
N.Leah.M
Weda Teamer(-in) 10.10.2018 12:42

Liebe N.Leah.M,
Entschuldige bitte, dass du nochmal warten musstest! Bei mir hat diese Woche das Semester begonnen und zusätzlich zu aller Organisation, Umzug etc. hat mein Laptop den Geist aufgegeben. In nächster Zeit bekommst du wieder schnellere Antworten, versprochen!

Erstmal alles gute nachträglich zu deinem Geburtstag! Ich wünsche dir ein zufriedenes, aufschlussreiches und gesundes neues Lebensjahr!
Wow, bei dir ist ja wirklich allerhand los. Und Wahnsinn, ich bin beeindruckt, dass du dich tatsächlich auf sie und die Intimität eingelassen hast! Und ich denke ich kann dir mit gutem Recht dazu gratulieren :) ! Damit hast du wirklich regelrecht geschafft, über deinen eigenen Schatten zu springen. Und wenngleich bestimmt weitere und neue Schwierigkeiten auf dich zukommen, besinn dich darauf, was für einen gewaltigen Schritt du geschafft hast!
Und lass es dir eine Erfahrung sein, wie natürlich sich der Schritt, doch mit ihr zu schlafen, ergeben hat. "Eins führte zum anderen".
Ebenso wirst du auch die folgenden Schritte meistern, z.B. ihr von dem Erbrechen zu berichten. Du brauchst es nicht erzwingen und keine Angst davor zu haben: Es wird sich ergeben, wenn du so weit bist!

Wie oft ritzt du dich jetzt zur Zeit. Hat sich dein Bedürfnis danach etwas gelegt, seid ihr die Kompromisse gefunden habt?
Das Gefühl des "Drucks" kommt ja nicht von ungefähr... Du hast dich in der Situation von ihr sehr unter Druck gesetzt gefühlt und ich nehme an, es war vor allem dieser Stress, ergänzt durch andere Kleinigkeiten, der dich veranlasst hat, darauf zurückzugreifen.
Wie hat deine Freundin denn darauf reagiert? Da ihr miteinander geschlafen habt, hat sie mit Sicherheit die Wunden/Narben gesehen. Oder hattest du ihr vorher schon davon erzählt?
Ich nehme an, du kennst Skills? Gibt es etwas, dass dir schon häufiger geholfen hat, dich abzulenken? Allerdings sind die ja nur für die akute Situation, um das Ritzen selbst zu vermeiden, ohne das Problem zu lösen. Und da du im Denken sehr weit und dir vieler deiner Probleme und Baustellen bewusst bist, denke ich, das du es schaffen kannst, den Druck zu nutzen, um weiter an dir zu arbeiten und der Ursache weiter auf den Grund zu gehen. Auch wenn es, wie der ganze Weg, den du gerade bewältigst, erstmal Überwindung und viel Kraft braucht.
Eine Frage habe ich dazu an dich, zum einen für mein Verständnis, zum anderen, damit du selbst dir noch mehr Klarheit verschaffst:
Was unterscheidet die Situationen in denen du dich ritzt von denen, wenn du den Drang hast zu brechen?

Ich möchte dir vorschlagen, dass du, wenn es dazu kommt, in beiden Situationen, möglichst bevor du es tust, aufschreibst, wie du dich fühlst. Geht dir etwas bestimmtes durch den Kopf? Ist etwas vorgefallen? gab es einen Auslöser? Wer war der Auslöser?
Entweder nur für dich oder du schreibst es mir direkt hier.
Wenn der Drang zu groß war oder du nicht daran gedacht hast, dann schreib es hinterher auf.
So kannst du dir selbst das Problem schwarz auf weiß verdeutlichen und mit der Zeit, auch das wird nicht sofort funktionieren, andere Lösungen als das Brechen und die Selbstverletzung finden.
Kannst du dir das vorstellen?

Liebe Grüße,
Weda

Weda
Teamerin
Beratung4Kids
N.Leah.M 18.10.2018 14:45

Liebe Weda,

wie ist das neue Semester?
Und lief der Umzug gut?

Erst einmal, danke für die Glückwünsche. Daumen hoch
Meine Freundin ist nun im Urlaub und ich sehe sie erst ein zwei Wochen wieder, dann haben wir uns insgesamt drei Wochen nicht mehr gesehen.
Es ist teilweise ziemlich schwer für mich, weil ich ständig unsere Beziehung, sie anzweifel, was größtenteils mit meinen Komplexen, aber auch zum Teil mit ihrer Art zu tun hat.
Aber ich denke, dass wir das hinbekommen.
In einem Moment zweifel ich sie an und im nächsten Moment ist sie einfach nur wundervoll.
Ich denke das mit der Bulimie werde ich ihr sagen müssen, wenn wir uns in zwei Wochen wieder sehen, da sie schon verdacht geschöpft hat, dass etwas nicht stimmt und nun habe ich wieder abgenommen. Beziehungsweise seit wir zusammen sind, bin ich Wöchentlich mit weniger zu ihr gegangen

Es ist immer unterschiedlich, ich ritze mich nicht mehr täglich oder regelmäßig.
Mal ritze ich mich drei Monate nicht, mal kommt es eine Zeitlang so gut wie täglich vor oder eben alle paar Wochen.
Nun habe ich mich seit ein paar Tagen nicht mehr geritzt, wobei der Drang die letzten Tage enorm war, nun schwindet der Drang Gott sei Dank wieder etwas.
Entweder hat meine Freundin meine neuen Wunden/Narben nicht gemerkt, oder sie hat sieignoriert, denn sie sprach mich nicht auf meine neuen Wunden an, aber dies fand ich auch gut so, es wäre sehr unangenehm gewesen.
jedoch hatte sie mir vergangene Woche gesagt, dass sie sich wünscht, dass ich damit aufhöre und ich versuche es auch.
Ich muss aufhören, sonst verletzte ich sie und komme zudem in der Therapie nicht weiter.
Zu den Skills, ich habe schon so viele Skills ausprobiert, verschiedenster Art: Welche wo ich mich ablenke, welche die Schmerzen verursachen, wo ich etwas anderes fühle usw.
Nichts hat geholfen. Außer vielleicht so verplant sein, dass man keine Zeit zum ritzen hat, aber dann staut sich meine Wut nur an und irgendwann kommt es dann doch wieder zum ritzen und noch stärker, als es ohnehin schon wäre.

Wenn ich den Drang habe mich zu ritze, dann bin ich meistens wütend, wütend auf mich oder allgemein wütend, frustriert und traurig.
Manch einmal kommt der Druck auch, weil mich etwas antriggert, aber das ist eher seltener der Fall.
Und beim erbrechen ist das so, dass der Drang nur kommt, wenn ich etwas gegessen habe.
Das heißt, wenn ich traurig, wütend, sauer oder einsam bin etc. und dann esse, dann kommt der Drang zu erbrechen.
Ich fühle mich schuldig, wenn ich gewisse Dinge esse, teilweise, wenn ich überhaupt esse und diese Schuldgefühle, die Angst zuzunehmen wird so stark, dass ich dann den Drang verspüre mich zu entledigen. Außerdem hasse ich es satt zu sein, so ein Völlegefühl zu haben.
Ich denke da ist der Unterschied. Um Ritzdruck zu haben, brauche ich nicht zu essen. Um den Druck zu verspüren erbrechen zu wollen, muss ich essen.
Und noch ein Unterschied ist, dass ich mich nach beidem irgendwie glücklich fühle, aber nach dem Ritzen fühle ich mich ,,dreckig", weil ich voller Blut bin. Aber nach dem erbrechen ist das nicht so, da fühle ich mich gut. Gut, ich dusche nach dem erbrechen auch und putze mir die Zähne, aber auch ohne würde ich mich nicht dreckig fühlen.
Vor dem erbrechen denke ich meist, dass ich fett bin und noch fetter werde, wenn ich nicht handel.
Aber vieles sind keine richtigen Gedanken, sondern Gefühle.
Wenn ich den Drang habe mich zu ritzen, dann denke ich eigentlich an nichts, es sind lediglich Gefühle, die sich breit machen und überhand nehmen.
Gerade was das ritzen anbelangt, passiert es eher ,,unbewusst", es ist schon irgendwie so, dass es sich anfühlt, als würde mich wer führen.
Wenn ich erbreche, bin ich ganz klar im Kopf und weiß, was ich da mache. Es ist kompliziert.
Wenn mir die nächsten Tage vorher Gedanken durch den Kopf gehen sollten, dann schreibe ich sie auf.

Liebe Grüße
N.Leah.M
Weda Teamer(-in) 19.10.2018 11:47

Liebe N.Leah.M,

Vielleicht ist es ganz gut, dass du diese 3 Wochen für dich hast, um eure Beziehung nochmal mit einwenig Abstand zu sehen und dir über einige Dinge klar zu werden.

Wenn sich der Druck aufstaut, bist du dir bewusst, was dich wütend macht bzw. was die Gefühle ausgelöst hat? Oder merkst du es erst, in dem Moment, wo das Fass überläuft?
Ab dem Moment, wo der letzte Tropfen das Fass zum überlaufen bringt, ist es in der Tat sehr sehr schwierig, noch irgendwie anders zu reagieren.
Je früher du jedoch die Tropfen erkennst, umso besser kannst du mit ihnen umgehen... und vielleicht sogar nochwas an der Ursache drehen.

Es ist tatsächlich schön wieder an meiner "Heimatuni" zu sein. Und auch in den Kursen, die ich jetzt nachhole, einige bekannte Gesichter zu sehen. Und in meinem Zimmer habe ich mich auch ganz gut eingelebt.

Liebe Grüße,
Weda

Weda
Teamerin
Beratung4Kids
N.Leah.M 27.10.2018 00:19

Liebe Weda,

es freut mich sehr zu hören, dass Du doch ganz froh bist wieder zurück zu sein.
Ich hoffe Du lebst dich schnell wieder ein. Daumen hoch
Hast Du deine Rückkehr eigentlich irgendwie gefeiert, mit Freunden, Familie?

Nächste Woche sehe ich meine Freundin wieder, ich kann es kaum erwarten!
Ich vermisse sie wirklich sehr und ich glaube, dass es unsere Beziehung nun nur gestärkt hat.
In diesen Wochen wurde mir nur klar, dass ich doch vermissen kann und dass ich sie vermisse und ich wirklich starke Gefühle habe.

Es kommt immer drauf an, manch einmal weiß ich, was mich so wütend macht.
Aber meist ist es so, dass ich meine Wut unterdrücke, diese staut sich dann an, es kommen weitere Sachen und irgendwann kommt dann eine Sache, meist reicht eine Kleinigkeit und dann kommt die ganze angestaute Wut hoch, so dass ich nicht mehr weiß, worauf ich wütend bin, dann ist da nur dieser immense Druck.
Früher konnte ich sagen,weshalb ich mich ritze, nun kann ich es meist nicht einmal mehr sagen.
Das liegt daran, dass ich glaube mich nicht ritzen zu dürfen und mich zwinge mich nicht zu ritzen, die wut unterdrücke, bis es nicht mehr geht und ich mich doch ritze.
Ich weiß nicht, ob Du verstehst, was ich meine.
Wenn Dir etwas nicht klar ist, dann frage ruhig nach.

Bei mir ist in letzter Zeit auch wieder aller Hand geschehen, aber ich habe mich nicht geritzt. Irgendwie wird es nie ruhig bei mir.
So habe ich vor einigen Wochen erfahren, dass mein Bruder wieder zurückkehrt, er zog ja 2016/2017 mit meiner Mutter und zwei meiner Brüder nach Aachen und nun kehrt er anfang nächsten jahres mit meinem Bruder zurück, um hier sein Abi zu machen.
Das er zurück kommt wusste ich, aber ich hatte angenommen erst in frühstens zwei jahren, so hatte es bis vor wenigen Monaten noch geheißen, somit hätte ich noch Zeit gehabt. Zeit, um es aufzuarbeiten, Zeit, um ihn anzuzeigen.
Anfangs war für mich klar, dass ich mich nun im Dezember erneut auf Wohnungsuche begeben würde, aber diesmal würde ich in eine andere Stadt ziehen.
Die Angst packte mich, ich würde nicht mit ihm in einer Stadt wohnen wollen.
Ich schlief und aß nichts mehr und irgendwann wurde mir klar, dass ich etwas unternehmen sollte.
Anfangs wollte ich mit meiner Mutter und ihm ein Gespräch führen, mit einer neutralen Person.
Dies verflüchtigte sich jedoch schnell, da meine Familie sich einfach nicht ändert.
Mein Bruder ist immer noch auf seinem Opfertrip und meine Mutter ist wie eh und je, eine egoistische, manipulative Frau, die nur darauf aus ist, für sich das beste raus zu holen und nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden kann.
Wir schrieben, bis ich es aufgab und nun ist es wieder still, ich glaube es geht ihr nicht einmal mehr um meinen Bruder, es geht ihr um sie. Sie denkt nur an sich, wie immer.
Es ist furchtbar damit klar zu kommen solch eine Mutter zu haben, sie wird immer meine Mutter bleiben, aber sie wird nie wieder mit mir eine Beziehung aufbauen können.
Nun habe ich mich in den letzten Wochen ziemlich stark mit dem Thema auseinandergesetzt, war beim Krisendienst, sprach gar mit meiner kleinen Schwester und ich kam zu dem Entschluss meinen Bruder anzuzeigen.
Die Beraterin vom Krisendienst würde am 3.11 die Anzeige mit mir machen und das habe ich auch vor, ich will endlich handeln.
Ich habe das Gefühl, dass das der richtige Weg ist, der richtige Zeitpunkt und dass es mich weiter bringen,mir helfen wird.

Was hälst Du davon?

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,
N.Leah.M
Weda Teamer(-in) 01.11.2018 17:09

Liebe N.Leah.M!
Bei dir kehrt ja in der Tat keine Ruhe ein.
Ich free mich sehr, dass die paar Wochen Abstand eure Beziehung gestärkt haben und hoffe, das hat sich auch beim Wiedersehen bestätigt.

Ja, ich weiß, was du mit dem Aufstauen meinst. Und es wäre schön, wenn du einen Weg finden könntest diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen, indem du rechtzeitig merkst, dass sich etwas anstaut, bevor der Staudamm bricht.
Ich möchte dir vorschlagen regelmäßig, z.B. mittags oder abends, dir ein paar Minuten zu nehmen und zu rekapitulieren, ob an dem Tag bisher etwas vorgefallen oder einfach nicht rund gelaufen ist, und was potentielles "Staugut" sein könnte. Dann solltest du dir noch überlegen, wie du damit umgehst. Ob du, wenn du etwas findest, die Erkenntnis erstmal so hinnimmst. Oder ob du den Stress/Druck mit einem tiefen Atemzug fallen lassen kannst. Ob du etwas an der Ursache/Quelle ändern kannst.
UND nicht zu vergessen: Wenn du dir über das, was nicht gut läuft, Gedanken machst, solltest du unbedingt im Anschluss dir z.B. 3 schöne Momente des Tages oder Dinge, die gut gelaufen sind, in Erinnerung rufen. Damit du das ganze mit einem guten Gefühl beendest und dir nicht angewöhnst, nur auf die Druck aufbauenden Dinge zu achten.
Das klingt gerade wieder nach ganz schön viel... ich weiß. Aber probier es einige Male aus, und schau, ob du etwas daraus mitnehmen kannst!

Was deinen Bruder betrifft, ist deine Entscheidung, wenn das Gefühl stimmt, mit Sicherheit richtig.
Man kann nicht voraussehen, was im Leben passiert. Aber vielleicht ist die Tatsache, dass er nun bereits zurückkommt, auch ein Zeichen dafür, dass du bereit bist, dich so konkret damit auseinandersetzen und auch entscheidungen zu treffen.
Auf jeden Fall ist es super, dass du dir schon Unterstützung geholt hast. Und offensichtlich hast du bereits gelernt, deine Angehörigen mit Abstand so zu sehen, wie sie sind, so dass du kaum in Gefahr läufst, von der Seite her enttäuscht zu werden.
(Was es natürlich kaum besser macht, das tun zu müssen und in der Situation zu stecken. Meine Hochachtung für deine Stärke!)

Bei mir ist Freude der Wiederkehr tatsächlich schon wieder ein wenig dem Alltag gewichen. Aber wenn ich jetzt fernweh kriege, kann ich mir tolle Fotos angucken :D
Ich werde wohl demnächst nochmal groß feiern, auch wenn ich genau genommen schon ein paar Monate wieder da bin. Aber hatte bisher einfach noch keinen Platz.

Liebe Grüße,
Weda

Weda
Teamerin
Beratung4Kids
N.Leah.M 18.11.2018 15:04

Liebe Weda,

unsere Treffem waren ein Traum, derzeit ist unsere Beziehung einfach nur schön.
Wir verstehen einander besser,als je zuvor und es ist alles viel leichter, auch meine Selbstzweifel werden zunehmend weniger und ich komme allmählich damit klar, dass wir einander nicht so oft sehen.
Die Trennung tat uns gut und hat unsere Beziehung gestärkt.

Der Tipp ist sehr gut, aber ich kenne mich, in Momentan, wo ich dies anwenden sollte, werde ich es nicht tun, einfach weil ich nicht daran denke.
Ich müsste mich daran erinnern, aber noch habe ich keine Idee, wie ich mich an so etwas erinnere.
Meine Therapeutin schlug mir vor diese ganzen Hilfen in ein kleines Büchlein zu schreiben, welches ich immer mit mir tragen soll, jedoch vergesse ich selbst dies.
Und es scheitert auch daran, dass ich in den Momenten nicht einmal an dieses kleine Büchlein denke, beziehungsweise oft realisiere ich gar nicht, dass ich nun die Tipps aus dem Büchlein bräuchte.
Es wäre vielleicht auch ein Anfang herauszufinden, warum ich überhaupt noch übergebe.
Klar, ich habe angst wieder dicker zu werden,weil ich es eben auch anders kenne, aber das würde ja bedeuten, dass ich niemals mit dem Brechen aufhören kann.
Und das kann doch nicht der einzige Grund sein?!

Ich wollte ja meinen Bruder am 3.11 anzeigen,dies hatt sich nun vertagt und ich werde ihn nächste Woche Samstag anzeigen, meine Partnerin und die Beraterin werden mich begleiten.
Ich bin so dankbar diese zu haben.
Ich sprach mit meiner Therapeutin, wir unterhielten uns die eine Stunde sehr intensiv darüber, was ich mir erhoffe usw. Als ich darauf die Woche wieder zu ihr kam, da fragte sie mich, ob ich nochmals drüber nachgedacht habe und ich sagte ihr, dass ich ihn anzeigen werde und sie unterstützt mich dabei.

Ich werde auch noch meinen Auszug feiern, ich lebe zwar schon seit Juni alleine, aber ich habe mich halt erst nun eingelebt, besser spät als gar nicht.
Und so ist das ja wahrscheinlich auch bei Dir, Du bist zwar schon angekommen, aber der Platz war noch nicht da und man muss sich ja erst einmal selbst organisieren.

Ich mache mich allmählich auch wieder auf Wohnungssuche, da ich in Erwägung ziehe im nächsten Jahr in die Nähe meiner Freundin zu ziehen. Beziehungsweise würde ich ja eh ungern mit meinem Peiniger in einer Stadt leben.
Mal schauen.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

Mit Lieben Grüßen

N.Leah.M
Weda Teamer(-in) 19.11.2018 12:56

Liebe N.Leah.M!
Ich freue mich sehr, zu hören, dass du mit deiner Freundin nun so glücklich und zufrieden bist! Und ich hoffe, dass du aus diesen Schwierigkeiten ganz am Anfang eurer Beziehung mitgenommen hast, dass ihr an der Beziehung arbeitet könnt (und darauf auch kontinuierlich achten solltet) und dass sich für Probleme Lösungen finden lassen!
Außerdem wünsche ich dir viel Kraft für den Gang zum Amt, um deinen Bruder anzuzeigen - schön, dass du Begleitung hast! - und für das Verfahren.

Trotz aller Fortschritte habe ich den Eindruck, dass du gerade etwas neben dir stehst.
Was kann dir helfen, durchzuatmen und dich zu sammeln?

Liebe Grüße,
Weda

Weda
Teamerin
Beratung4Kids
N.Leah.M 04.12.2018 18:38

Liebe Weda,

ich denke, dass man sämtliche Probleme aus dem Weg schaffen kann, wenn man mit einander redet.
Und ich bin dabei dies durch meine Freundin zu lernen.
Mir ist bewusst, dass wir noch an unserer Beziehung arbeiten müssen, aber ich bin zuversichtlich.

Ich habe nun meinen Bruder angezeigt, was sehr hart für mich war und ist.
Wir, meine Freundin, die Beraterin und ich gingen gemeinsam zur Polizei, wo meine Aussage aufgenommen wurde.
Doch dadurch, dass dort keine spezialisten waren, werde ich nochmals für eine detailiertere Aussage geladen, aber bis jetzt kam noch kein Brief.
Irgendwie hat mir die Anzeige gut getan, obwohl es mir danach sehr schlecht ging und ich noch immer dahin vegetiere.
Ich habe ziemlich viele Ängste, die mir den Schlaf rauben und es ist wirklich hart sich mit diesem Thema so arg zu beschäftigen, aber es muss sein.
Man sagt ja auch oft, dass es erst einmal schlimmer wird, ehe eine Besserung eintritt und ich habe die Hoffnung, dass es auch bei mir so sein wird.
Du hast Recht gehabt, ich stehe neben mir, schon eine lange Zeit, aber ich kann nicht beschreiben, woran es liegt.
Es ist so diffus und ich weiß nicht mehr, was mir helfen kann, vielleicht wäre ein Klinikaufenthalt nun doch ganz gut... Aber irgendwie traue ich mich nicht dies meiner Therapeutin zu sagen.

Ich wünsche Dir eine schöne Woche sowie eine schöne Adventszeit!
Liebe Grüße
N.Leah.M
Weda Teamer(-in) 06.12.2018 15:43

Liebe N.Leah.M
Ja, wenn man etwas verarbeitet oder sich mit etwas unangenehmen beschäftigt, muss man meistens erstmal durch dieses dunkle trübe "Loch"... Aber das gute ist, wenn man das ein paarmal geschafft hat, dann weiß man, so furchtbar, wie es auch gerade sein mag, irgendwann komm ich an den Punkt, wo es sich auszahlt!
Was sind deine Ängste, die dich nicht ruhen lassen?
Horch in dich hinein und frag dich, was dir fehlt! Und stell dir vor, du kannst dir in Gedanken alles denkbare und undenkbare wünschen, was dir jetzt helfen würde? Was wäre das? Was wäre dein "Heilmittel"?
Du kannst dir etwas in dein Leben wünschen, du kannst dich an einen bestimmten Ort wünschen. Es kann auch einfach ein entspannendes Bad, eine bestimmte Zutat oder ein bestimmtes Musikstück sein.

Ich wünsche dir ebenfalls eine schöne Adventszeit!
Liebe Grüße,
Weda

Weda
Teamerin
Beratung4Kids