Thema: Ich habe so furchtbare Angst vor dem zunehmen, was kann ich da machen?

Eröffnet am 23.07.2016 um 19:59 Uhr

N.Leah.M 23.07.2016 19:59

Guten Abend,

ich habe Vollgenes Problem. Ich bin Weiblich und 1.56 groß und habe in letzter Zeit einiges Zugenommen. Gerade geht es wieder langsam,in meinen Augen sehr langsam etwas runter (wiege derzeit ganze 56 Kilo)
Ich bin noch arg unzufrieden mit mir und dem Gewicht.
Aber das schlimmste ist einfach die Angst vor dem zunehmen, ich will nicht wieder zunehmen, dass wäre das schlimmste, was mir passieren könnte, ich weine ständig vor angst, sobald die Waage wieder mehr anzeigt oder etwa genauso viel steht, wie am Vortag. Da wird mir ganz komisch und mein ganzer Tag ist kaputt. Ich denke dann nur daran, wie ich diese Kilos weg bekomme. *Leer*
Zudem bin ich nun ganz frisch verliebt und ich glaube, dass sie genauso empfindet. Jedenfalls hat sie ein Liebesgedicht (laut ihr) geschrieben und gesagt : ,,for you,from me" Und am Ende steht :
denn ich habe es schon mal gesagt ...,,ich liebe dich"... Und das heißt ja wohl, dass da mehr läuft,als nur ,,beste Freunde" ...
Und wisst ihr wie verdammt schwer es ist, jemanden seine Gefühle zu offenbaren und dann noch meiner besten Freundin,also auch dem gleichen Geschlecht?
Mein Selbstvertrauen ist sowieso kaputt und der Selbsthass ist auch recht enorm. Und nun,wo ich weiß, dass sie ähnlich empfindet, will ich ihr noch besser gefallen. Sie ist so schön schlank,sieht super sportlich aus und ist einfach nur wow. Und ich, bei mir ist einfach alles voller Speck, ich bin ein langweiliger Typ...Nun bringt sie mich einfach um den Verstand und anstatt Sport zu machen, wandern zu gehen und darauf zu achten, nicht so viel zu essen, sehne ich mich eher danach mit ihr etwas zu unternehmen. Was zu folge hat, dass die Angst zuzunehmen und dass sie sich vor mich ekeln wird, steigt... Ich weiß, dass ich wohl kaum zunehmen werde, da ich noch recht viel in Bewegung bin, immer noch nicht soooo viel esse und viel trinke (ca 4 Liter) ...Und doch besteht die Angst und diese Angst ist fehl am Platz. Ich habe mir vorgenommen in den Ferien abzunehmen und ich werde abnehmen, aber diese Angst hemmt mich so arg, dass ich kaum noch zur Ruhe komme und sozusagen in der Nacht anfange Sport zu machen, obwohl ich da schlafen sollte.Noch dazu rutsche ich wieder in die Bulimie rein, sobald ich mehr esse als ich will und ich esse nicht einmal süßes,fettiges oder sonst wie was, dass als ungesund gilt, erbreche ich...Sobald die Ungewissheit kommt, wie viele Kalorien und Kohlenhydrate ich zu mir nahm, erbreche ich...Sobald ich etwas esse,mit zusätzlichen Zucker, faste ich den nächsten Tag... Ich weiß nicht wann es so extrem wurde, dass ich wirklich IMMER nur an mein Gewicht gedenke und an die Angst zuzunehmen. *Errötet*
Und wenn ich mal nicht konkret daran denke,was ich da gerade esse,wie viel ich schon zu mir nahm oder die Angst zuzunehmen,dann denke ich daran,ab wann sie Tschüss sagt. Oder ich bin wieder in ,,anderen Welten" unterwegs oder zerreiße mir, was nur in ,,guten Zeiten" vorkommt den Kopf mit irrelevanten Fragen. Ich weiß echt nicht mehr weiter, ich will so gerne abnehmen, schlank sein, dass die Angst mich verfolgt, zuzunehmen... Und diese Angst will ich los werden, wenigstens die Angst. Eventuell hört dann auch das Erbrechen wieder auf, was ich mir irgendwie schon erhoffe.... *Verwirrt*
Ich bin auch in Therapie, aber mit meiner Therapeutin spreche ich nicht darüber....Jemand, meine Lehrerin meinte ich sei Essgestört, weil ich anfing zu weinen und ihr dann erzählte, wie arge angst ich vor dem Essen habe, dass es mich anekelt und ich mich davor fürchte zuzunehmen. Aber ich sehe mich nicht als Essgestört an,also nicht als richtige. Nur das erbrechen ist in meinen Augen etwas Auffällig.Und selbst wenn ich essgestört bin, so sehe ich ja nicht danach aus...
Jedenfalls. Könnt ihr mir Helfen? *Weinend*

Liebe Grüße
N.Leah.M
Weda Teamer(-in) 11.04.2019 19:58

Liebe N.Leah.M!
Es tut mir sehr leid zu lesen, dass zur Zeit bei dir nichts rund läuft. Immerhin hast du den Platz in der Tagesklinik und ich hoffe sehr, dass diese Möglichkeit dir Stabilität und Sicherheit geben kann.
Auch, wenn des gerade sehr schwer ist. Versuch den Glauben daran wiederzufinden, dass Gutes passieren kann! Trau dich, zu träumen und dir Schönes vorzustellen!
Du hast viel Leid in deinem jungen Leben erfahren. Aber du bist noch jung! Und selbst wenn du jetzt gerade schul- und arbeitslos bist, hast du das ganze Leben mit allen Möglichkeiten noch vor dir!
Gibt es etwas, dass du konkreter mit mir besprechen möchtest?

Ich wünsche dir frohen Mut und viel Kraft für die nächste Zeit und freue mich, wieder von dir zu hören!
Liebe Grüße,
Weda

Weda
Teamerin
Beratung4Kids
N.Leah.M 01.05.2019 21:54

Liebe Weda,

ich bin nun bereits seit fast einer Woche in der Tagesklinik und allmählich habe ich mich an den Ablauf gewöhnt.
Wobei ich sagen muss, dass die Therapien ziemlich hart sind und ich nicht weiß, ob ich dableiben kann/darf, da ich doch sehr instabil bin und mich selbstverletze. Mal schauen.

Ob es etwas gibt, was ich konkreter besprechen möchte?
Ja, da gäbe es schon ein paar Themen.
Das (nicht) essen ist zum Beispiel doch sehr present. Ich wiege mich derzeit nicht mehr und doch drehen sich die Gedanken ums Essen oder eben nicht essen
Und ich merke immer wieder, dass es auch eine Art selbstschädigung ist, denn als es mir gestern so schlecht ging und ich mich nicht ritzen konnte/durfte, habe ich einfach gegessen, gefressen, bis mir elend schlecht war und ich Krämpfe hatte. Danach schlichen sich die Altbekannten Schuldgefühle ein und ich plante wieder zu fasten, dagegen anzukämpfen war und ist sehr schwer! Und ich weiß einfach nicht, wie ich aus diesem Gestörten Verhalten raus soll. Entweder ich esse zu viel oder zu wenig. Etwas dazwischen gibt es nicht. Und ich fühle mich so allein damit, mit allem allein und im Stich gelassen.
Wo wir beim zweiten Thema angekommen wären.
Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich fühle mich so ausgeliefert, wie während den Vergewaltigungen, ich bin so ausgeliefert!
Ich weiß einfach nicht wie es weiter gehen soll, wo ich mich noch hinwenden soll, wo man mich nicht mit den Worten ,,wir können Ihnen nicht helfen", nach Hause schickt.
Ich fühle mich so allein und im Stich gelassen.
Von meiner Familie, die es wusste aber nichts tat und die nun auch nichts macht, außer mich mit Ignoranz zu bestrafen.
Von meinen Lehrern, die merkten, dass etwas nicht stimmt, aber nur zusahen (meine Vertrauenslehrerin ausgenommen)
Und besonders vom Staat!
Verstehe mich nicht falsch, ansich finde ich es weiterhin gut und richtig meinen einen Bruder da angezeigt zu haben, aber ich würde es nie wieder tun.
Meine Therapeutin und einige andere Menschen sagten mir, es würde aufwühlend werden und dass die Peiniger meist keine oder kaum bestraft oder gar freigesprochen werden, mit all dem konnte ich Leben, mit all dem habe ich gerechnet... Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so von der Justiz, so von dem Staat im Stich gelassen werde.
Es hört sich zwar sehr hart an, aber für mich ist der Staat ein Staat für Täter nicht für Opfer....,,Im zweifel für den angeklagten" umrahmt es nochmals. Klar, man kann es so oder so sehen...Ich sehe es aus der Sicht des Opfers..
Und seit gestern könnte ich nur noch heulen, weil es mir gestern noch bewusster wurde und das Leben in meinen Augen noch weniger Sinn macht...
Und nun hätte ich morgen eigentlich einen Termin bei einer Anwältin, die mich beim Prozess begleiten soll und mich über meine Rechte informieren sollte.
Ich meine selbst meine Adresse hätte meine Familie ohne weiteres (trotz Anzeige) herauskriegen können. Doch nun muss ich den morgigen Termin absagen, da ich keine 100€ für eine Beratung habe und erst recht nicht das Geld diese für alles weitere zu bezahlen.... Denn gestern wurde mir beim Gericht gesagt,dass ich nicht das Recht auf einen Beratungshilfeschein habe, da ich ja die Geschädigte bin und nicht die Täterin !
Und die Anwältin müsste ich auch selbst finanzieren. Der Typ sagte nur,ich könne bis zur Gerichtsverhandlung warten...
Seit diesem Termin bin ich total fertig,auch wenn die Sozialarbeiter sagte, dass dies nicht angeht und sie nun nochmals einen Antrag mit einer ihr zugefügten Stellungnahmen ferig stellte, bin ich ziemlich hoffnungslos.
Ich habe gerade mal im November eine Anzeige gemacht und solch Erfahrungen machen müssen. Wie soll es denn noch weitergehen...?! Als nächstes wird mir unterstellt, dass der Geschlechtsverkehr einvernehmlich war und wegen Rufmords angeklagt.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter. An wen kann ich mich denn noch wenden?
Wo ich nicht wieder in stichgelassen werde?!
Ich will doch einfach nur wenigstens etwas ,,Gerechtigkeit" erfahren...
Es kann doch nicht angehen, dass ich als Opfer im stich gelassen werde und das werde ich. Schutz gibt es keinen. Denn:
Hätte ich nicht die sperre errichtet, könnten sie einfach meine Adresse herausbekommen (wenn sie wollen, finden sie einen anderen weg)
Die Polizei macht nichts, falls meine Familie mich heimsucht. Solange sie mir nicht angehen, sind den Polizisten die Hände gebunden.
Ich habe niemanden, da ich nicht das Geld für eine Anwältin habe und der weiße Ring und Co. Mir nicht helfen können ...
Ich fühle mich so ausgeliefert, ich bin machtlos.
Es ist so auswegslos, das ich es nicht schlimm fände, würde ich morgen nicht mehr aufwachen....

Vielleicht weißt Du ja weiter.

Mit Lieben Grüßen
N.Leah.M
Weda Teamer(-in) 09.05.2019 13:34

Liebe N. Leah.M!

Wie läuft deine zweite Woche in der Tagesklinik? In welchem Sinne sind die Therapien dort "hart"?
Würde dir, das Essen betreffend evtl ein fester Speiseplan helfen, sodass du vorher planen kannst, wann und wie viel du essen möchtest, bzw. wirst? Und Was könnte dir beim Umdenken dahingehend helfen, dass du Gutes verdient hast? Ich glaube, auch, dass du dich alleingelassen fühlst, hängt damit zusammen, dass du überzeugt bist, es nicht anders verdient zu haben. Dich auch selbst im Stich lässt und damit im Prizip so schädigst, wie durchs Ritzen oder Essverhalten. Was brauchst du, um selbst zu dir stehen zu können? Und welche Hilfe konkret möchtest du bekommen und annehmen?
Du kannst die Vergangenheit nicht ändern und es hilft dir auch nicht, diese Zeit zu beschuldigen.
Aber du kannst dich jederzeit entscheiden, ein neues Leben zu beginnen.

Warum du keinen Anspruch auf Rechtshilfe hast, verstehe ich allerdings auch nicht. Ich hoffe, die Sozialarbeiterin kann noch etwas für dich bewirken!
Hat deine Familie dir denn konkret gedroht? Oder warum hast du Sorge, dass sie dich finden?
Warum kann der weiße Ring dir nicht helfen?
Die "Opferfibel" (Hilfeportal sexueller Missbrauch) ist dir bestimmt schon bekannt, oder?
Das was du tun kannst, solange du keine Unterstützung erfährst, ist, dir selbst die bestmögliche Ausgangsposition verschaffen, indem du dich informierst, vorbereitest... und mental stärkst.
Hast du dich schonmal mit anderen austauschen können, die gleiches durchgemacht haben?

Ich wünsche dir viel Erfolg und Kraft!
Liebe Grüße,
Weda

Weda
Teamerin
Beratung4Kids
N.Leah.M 03.06.2019 07:08

Liebe Weda,

ich antworte erst nun, da ich es vorher einfach nicht geschafft habe.
Jetzt bin ich schon etwas länger in der Tagesklinik und bin auch froh darüber.
Jedoch könnte es sein, dass ich wieder stationär muss, da es des Öfteren Thema ist und ich mich noch selbstverletze.
Heute muss ich denen beichten, dass ich mich Samstag selbstverletzt habe und genäht werden musste, vor deren Reaktionen habe ich furchtbare Angst. Aber ich will ehrlich sein und ich muss es auch, sonst bin ich nicht Absprachefähig und komme sofort in die Klinik, zudem muss ich ja nun Antibiotika nehmen, da ich eben genäht wurde.
Zu Deinen Fragen, die Therapien sind hart, weil es eben oft meine Themen sind und wir darüber reden und das finde ich sehr anstrengend...
Zumal ich ja auch Gruppentherapien habe, wo ich vor einer Gruppe erzählen muss, was mich so belastet und die anderen erzählen von ihren Problemen.es gibt einfach keine Distanz.
In der Klinik bekomme ich ja nun meist Mittags etwas zu essen und ich versuche morgens und manchmal Abends zu essen. . Wobei ich gefühlt seit ca. Zwei wochen sogar zu viel esse. Ich fühle mich furchtbar.
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich selbst in stich lasse, ich versuche ja an meiner Situation etwas zu ändern und unternehme viel für mich. Aber ja, ich verletzte mich und das passt nicht dazu.
Ich denke eher,dass ich einfach nicht die richtigen menschen antreffe. Meines Erachtens nach habe ich vieles nicht verdient, aber Menschen, die zu mir halten schon.
Ich will doch einfach nur Gerechtigkeit, keine Angst mehr haben müssen....

Ich habe sorge, dass meine Familie mich findet,weil sie eben unberechenbar sind. Man kann mir nicht weißmachen, dass meine Familie mir schon nichts antun wird... Und der weißering kann mir nicht beim rechtlichen helfen, die hätten mit mir das Opferentschädigungsgeld beantragt, mehr aber auch nicht.
Und ich habe mich informiert und doch bin ich ziemlich allein. Ich rufe heute oder morgen die Sachbearbeiterin an und frage,ob ich anspruch auf einen Opferanwalt habe. Ansonsten stehe ich ziemlich doof da.
Bis jetzt konnte ich mich nicht groß mit anderen Betroffenen austauschen, weil niemand in der Tagesklinik solch Erfahrungen sammeln musste.

Ich wünsche Dir eine schöne Woche!

Liebe Grüße
N.Leah.M
Weda Teamer(-in) 07.06.2019 22:51

Liebe N.Leah.M,
Super, dass du die Therapie in der Tagesklinik schon so lange durchgehalten hast. Da schienst du ja nach der ersten Woche nicht so sicher.
Wie haben sie darauf reagiert, dass du genäht werden musstest? Und wie war deine Woche? Hast du klären Können, ob du Anspruch auf eien Opferanwalt hast?

Was ist deine größte Angst?
Und wie beeinflusst sie dich?

Was glaubst du, würde deine Familie dir jetzt antun?
Gibt es jemanden, den du kennst, der so ein Mensch sein könnte, der zu dir hält? Oder hast du eine Idee, wo du ihn treffen könntest? Ich bin sicher, dass sich sojemand findet, sobald du dazu bereit bist, innerlich, zuzulassen, dass jemand zu dir hält und für dich da ist. Korrigier mich bitte, wenn ich falsch liege. Aber ich habe das Gefühl, dass du dir zwar auf der einen Seite wünschst, jemanden an deiner Seite zu haben, auf den du dich verlassen kannst. Aber gleichzeitig alles dafür tust, die Nähe, in welcher Form auch immer, nicht aushalten zu müssen. Und Vertrauen und Zusammenhalt kann nur gegenseitig bestehen.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und freue mich, bals wieder von dir zu hören!
Liebe Grüße,
Weda

Weda
Teamerin
Beratung4Kids